zur Navigation springen
Wedel-Schulauer Tageblatt

17. Oktober 2017 | 11:31 Uhr

Des einen Fest, des anderen Stress

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Pyrotechnik bedeutet für viele Tiere ein Martyrium

shz.de von
erstellt am 28.Dez.2013 | 16:00 Uhr

Ab heute sind sie wieder überall zu haben: Power-Knallketten, Dynamite-Bag, Big-Bang-Sortiment oder Space-Rangers mit fetzigem Knalleffekt. Das Angebot zum Silvester-Feuerwerk wächst von Jahr zu Jahr. Doch nicht jeder hat seine Freude daran. Besonders für viele Tiere beginnt mit dem Verkaufsstart ein Martyrium. Hunde zum Beispiel hören von Natur aus alles mindestens zehnmal so laut wie Menschen.

Da es üblich geworden ist, ab Verkaufsbeginn vor allem mit Böllern wahllos herum zu knallen, durchleben speziell die Stadthunde vier Tage Stress ohne Ende. „Ich kenne Hundehalter, die verreisen mit ihren Tieren in dieser Zeit“, berichtet Tierärztin Dr. Heinke Thießen aus Wedel. Nicht jeder kann sich das erlauben. Und so ist es inzwischen weit verbreitet, dass man sich Beruhigungsmittel in der Praxis abholt.

Thießen dazu: „Es gibt verschiedene Mittel, die man anwenden kann.“ Das reicht von Bachblüten und andere Medikamente auf natürlicher Basis bis hin zu starken Beruhigungsmitteln der Pharma-Industrie. Wichtiger Hinweis dazu von der Veterinärin: „Oft ist es wichtig, schon einige Tage vorher mit der Verabreichung zu beginnen, damit die Tiere entsprechend eingestellt sind.“ Auf jeden Fall sollte man das Vorgehen mit seinem Tierarzt besprechen.


Vielfältige organische Auswirkungen


Auch gibt es Nahrungsergänzungsmittel. Sie helfen, die schlimmen Tage mit weniger Angst und Aufregung durchzustehen. „Wir haben ein neues Mittel unter anderem mit bestimmten Aminosäuren, das einerseits beruhigt und andererseits das Selbstbewusstsein stärkt. Denn Hauptfaktoren der immensen Stress-Situation bis Silvester sind Angst, Aufregung und permanenter Stress, der sich organisch sehr vielfältig auswirken kann.

Je nach Temperament und Lebenserfahrung reagieren etwa Hunde durchaus unterschiedlich. Mischlingsrüde „Willie“ etwa war gerade zehn Wochen alt, als ihm beim Gassigehen eine Ladung Knaller vor die Füße flog, die ein Mann vom Balkon in der Bahnhofstraße geworfen hatte. Seitdem will er vor und an Silvester nicht mehr aus dem Haus. So etwas ist Emma, einer kleinen Pudelmix-Dame, zwar nicht passiert, aber die sonst freche und muntere Hündin wird zu Silvester eine völlig andere, robbt unter das Sofa, vermittelt nur noch Angst und Furcht. Bei ihr haben sich Bachblüten als hilfreich erwiesen, um die Zeit einigermaßen zu überstehen.

Die beste Hilfe für die Tiere wäre, wenn alle mehr Rücksicht nehmen würden, sagt Tierärztin Thießen. Man müsse nicht Chinaböller in Nachbars Garten werfen, wenn da gerade der Hund herum läuft. Und auch andere Tiere sind betroffen. „Katzen verziehen sich meist“, weiß die Ärztin, „und Hunde suchen gern Schutz bei Herrchen oder Frauchen.“ Kleine Haustiere wie Hamster oder Meerschweinchen verkriechen sich eventuell. Vögel würden als klassische Fluchttiere, die bei Gefahr in der Natur entschwinden, im Käfig Stress bekommen, weil sie eben nicht fliehen können.


Sicherung für Käfige im Garten angeraten


Jaqueline Witt aus Wedel, die seit Jahren Ratten hält, hilft ihren Tieren, indem sie im Zimmer die Musik etwas lauter stellt. „Damit habe ich gute Erfahrungen gemacht. Durch den leicht erhöhten Geräuschpegel bekommen sie das, was von draußen kommt, nicht so extrem mit.“ Wer aber zum Beispiel Kaninchen oder ähnliche Tiere im Garten hält, sollte die Käfige absichern, damit Schutz vor Querschlägern besteht und die Tiere nicht den erschreckenden Lichteffekten ausgesetzt sind.

Von letzterem sind etwa auch Pferde stark betroffen, die optisch hochsensibel reagieren und zudem ein viel weiteres Gesichtsfeld haben als der Mensch. Die Knallerei setzt ihnen ebenso zu. Es hat schon Fälle gegeben, wo besonders empfindliche Pferde am Neujahrsmorgen tot in der Box lagen – Herzinfarkt durch Panik. In diesem Bereich ist in jedem Fall eine Stallwache nötig, die beruhigend eingreifen kann.



Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen