Der Tonnenhafen von Wedel

Alte Luftaufnahme des Tonnenhafens.
Foto:
1 von 3
Alte Luftaufnahme des Tonnenhafens.

Verantwortung für Seezeichen vom Hamburger Hafen bis zur Deutschen Bucht / Erstes Elbemodell untersucht Auswirkung der Tide

shz.de von
15. Mai 2018, 16:00 Uhr

Eine echte Boje würde mit ihrer Größe die Kapazitäten des Technicons wohl sprengen, sagt Gerhard Kuper, guckt sich im Ausstellungsraum um, und lacht. Andererseits hat auch noch niemand bisher den Museumsaktiven ein originales Seezeichen aus dem Wedeler Tonnenhafen zur Verfügung gestellt – was den Anreiz, Platz in der industriegeschichtlichen Sammlung zu schaffen, bestimmt steigern würde. So bleiben dem Team für die Dokumentation der Wedeler Einrichtung lediglich Fotos und Unterlagen – davon allerdings jede Menge – und der Bericht von Zeitzeugen.

Besonders lebendig können Helmut Brandt und Hartmut Kieselbach vom Tonnenhafen erzählen. Brandts Vater war von 1948 bis 1963 bei der Bundesanstalt für Wasserbau beschäftigt, die auf dem 2,5 Hektar großen Gelände im nordwestlichen Teil quasi als Untermieter das erste Elbemodell baute. Bis 1962 wohnte die Familie zudem vor Ort im sogenannten Beamtenhaus. Der Sohn hat also viel vom Leben und Treiben im Hafen mitbekommen. Kieselbach leitete 15 Jahre lang – bis 2000 – die Institution, die vom Wasser- und Schifffahrtsamt, einer Behörde des Bundes, betrieben wird.

„Im Winter wurden dort die reparaturbedürftigen Seezeichen – Tonnen – gelagert und renoviert“, erläutert Kieselbach eine der Aufgaben des Hafens. Ausgetauscht wurden zwei Mal im Jahr bis zu 135 Stück, die den zu bearbeitenden Bereich von der Hamburger Hafengrenze bis Cuxhaven sicherten. Tonne 1 befand sich auf dem Feuerschiff Elbe 1, das als Anlaufstation die Mündung in der Deutschen Bucht anzeigte. In aufsteigender Nummerierung ging es die Elbe hoch. Vor Wedels Yachthafen ist Tonne 122 vertäut. Sommer- und Wintertonnen unterscheiden sich durch die Beleuchtung, erklärt Kieselbach. Auf den Sommertonnen fing es mit Öllampen an, dann wurde auf Gas umgeschaltet, dann auf Elektro mit Batterie gewechselt. „Die Batterie tauschte der Tonnenleger, wie er es einrichten konnte.“ Aktuell werden die Elektroleuchten Solar betrieben. Zudem sorgt ein Akku für Stromreserven.

Die Tonnen wurden im Ganzen ausgewechselt, nur der Stein und die Kette blieben an Ort und Stelle, berichtet Kieselbach. Wintertonnen froren auch schon mal ein und rissen ab. Ein großer Verlust, würden auf ihnen Lampen im Wert von rund 70 000 DM sitzen. „Aber die Elbe gibt alles wieder her“, weiß der ehemalige Leiter. Wieder aufgetaucht wurden sie abgespritzt und kamen ins Lager.

Die älteste Fotoaufnahme im Technicon zu dem Thema Tonnenhafen stammt von 1928 und zeigt Schwimmbagger, die Steine für dessen Anlage versenken. Wedel hatte sich auf eine Ausschreibung der damaligen Wasser- und Schifffahrtsdirektion beworben und mit der Auflage, auch für Unterkünfte zu sorgen, den Zuschlag bekommen. 1982 / 83 wurde komplett umgebaut. Ein neuer Werkstattbereich inklusive Slipanlage, Verwaltung und Kantine entstand. Er wurde hochgelegt, denn „jede Sturmflut ging rüber“, wie Kieselbach erzählt. Die alten Gebäude standen im Hochwasserbereich. Regelmäßige Sturmfluten hatten große Teile der Unterlagen bereits vernichtet.

Brandt erinnert sich noch gut an die Eimerbagger, die bereits in seiner Jugend für eine Vertiefung der Elbe sorgten und im Tonnenhafen gewartet und repariert wurden. „Das Quietschen der Eimer am Kettenrad, das war unsere Sommermelodie“, erzählt er und lacht. Im unterirdischen Bunker, in dem Hitler einst U-Boote bauen lassen wollte, zündeten sie Böller. Das erste Elbemodell, das den Strom von der Mündung bis Bleckede im Maßstab 1:100 abbildete, war 200 Meter lang und 40 Meter breit. Die Tide wurde hier simuliert, um die Auswirkungen von Baumaßnahmen am und im Fluss zu untersuchen. Mit Verschlickung habe man sich damals im Hafen noch nicht herumschlagen müssen.

zur Startseite
Karte

Kommentare

Leserkommentare anzeigen