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Wedel-Schulauer Tageblatt

18. November 2017 | 13:19 Uhr

„Der Schwede ist auf Konsens aus“

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Wedel-at-Business 200 Gäste beim Wirtschaftsforum / Wichtig für Handelsbeziehungen ist es, die Mentalität des Partners zu kennen

shz.de von
erstellt am 16.Sep.2017 | 16:00 Uhr

Vor dem informellen Austausch gab’s die Tipps von den Experten. Donnerstagabend hatte die Stadt zum dritten Mal zum Wirtschaftsforum Wedel-at-Business eingeladen. Diesmal in den Schuppen 1, weil der Businesspark wegen momentaner Streitigkeiten nicht zur Verfügung steht, wie Moderator Holger Scholze dem Bürgermeister entlockte. Mehr als 200 Gäste kamen.

Das Schwerpunktthema „Deutsch-skandinavische Beziehungen“ wurde auf der Bühne von zwei Fachleuten in Bezug auf die heimischen Chancen abgeklopft. Sowohl Ulrich Ueckerseifer, studierter Medienwissenschaftler, Wirtschaftsexperte und Journalist, als auch Sven Oksaar, Honorarkonsul Schwedens, Vorstandsmitglied der schwedischen Handelskammer in Deutschland sowie Fachanwalt für Unternehmensrecht in Hamburg, stellten dabei an die allererste Stelle jedweder Bemühungen das Verstehen der anderen Mentalität. „Schweden und Deutsche produzieren viele Dinge gleich“, erläuterte Ueckerseifer die Gemeinsamkeiten. Zudem hätten beide eine große Qualitäts- und Effizienzorientierung. Aber es gebe auch Unterschiede: Schweden arbeite in flachen Hierarchien und sei sehr viel konsensfixierter. Das konnte Oksaar bestätigen. „Der Schwede ist auf Konsens aus“, sagte er. Bei einem geschäftlichen Problem frage er: „Wie können wir das gemeinsam lösen?“ Der Deutsche hingegen gucke in den Vertrag, was der über die Gewährleistung sage.


Für Ansiedlung einen Partner suchen


Aber das „durch und durch sozialistische und sehr egalitäre Land“, kenne auch den Neid, so der Honorarkonsul. Nivellierung könne auch provozieren, wenn nämlich der Nachbar plötzlich ein größeres Auto fahre, obwohl seine Einkommensverhältnisse, in die in Schweden jeder Einblick hat, das nicht hergeben. Journalist Ueckerseifer betonte, dass eine Ansiedlung für ein Unternehmen in Skandinavien gut mit einem Partner funktioniere, da deren Mentalität sehr auf eine Win-Win-Lösung ausgerichtet sei.

Deutschland ist bereits der wichtigste Handelspartner Schwedens, wusste Handeskammervorstand Oksaar. Mit 1900 schwedischen Niederlassungen in Deutschland und 900 deutschen Niederlassungen in Schweden sei die Verzahnung eng. „Schweden wickelt über den Hamburger Hafen mehr ab als über alle seine eigenen Häfen zusammen.“ Wirtschaft und Handel seien Schwedens erstes, zweites und drittes Interesse, betonte er. Und das höre nicht an der Ländergrenze auf. Wedel zähle für die Schweden zur Metropolregion.

Die Fehmarnbeltquerung gebe eher dem Tourismus als den Handelsbeziehungen einen Schub, befanden beide. Und sie betonten, dass es bei einer Expansion vor allem auf die kreativen Ideen ankomme. Einen kreativen Kümmerer schlug Ueckerseifer deswegen auch als konkrete Anregung für Wedel vor. Und der Journalist hatte darüber hinaus attraktive Beispiele aus Dänemark im Gepäck. Beispielsweise eine Kleinstadt, auch mit Kraftwerk, Pharmaunternehmen und Landwirtschaft, die die Branchen gewinnbringend zusammengebracht hat. Das Kraftwerk liefere dort dem Pharmaunternehmen seinen Dampf, das Pharmaunternehmen seine überschüssigen Hefekulturen der Landwirtschaft und die stecke diese zusammen mit Stroh in seine Biogasanlagen.

 

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