Rock'n'Roll aus Marsch & Geest : Der Ritterschlag für „Selfish“

Sie sind „Selfisch“: Florian Zahn (Gitarre, von links), Markus Langhof (Bass), Sascha Sell (Gesang), Andreas Markmann (Schlag-zeug) und Kai Höpermann (Gitarre).
Sie sind „Selfish“: Florian Zahn (Gitarre, von links), Markus Langhof (Bass), Sascha Sell (Gesang), Andreas Markmann (Schlag-zeug) und Kai Höpermann (Gitarre).

Zum 15-jährigen Bandbestehen spielt die "pünktlichste Band der Welt" als alleinige Vorband vor „Torfrock“.

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25. November 2013, 12:00 Uhr

Zeit, sich die Rosinen rauszupicken: Seit 15 Jahren ist die Band „Selfish“ eine lokale Musikgröße für Rock und Alternative, bekannt durch ihre Auftritte auf dem Wedeler Hafenfest und Ochsenmarkt oder dem Heistmer Tower-Festival. Etwa 100 Gigs ist sie erfahren. Vier Studio- und eine Live-CD weist sie vor. In Holm kann sie als Band-Urvater gelten. Am kommenden Wochenende steht ein Höhepunkt ihrer Geschichte an: Als alleinige Vorgruppe von „Torfrock“ spielt „Selfish“ in der „Angelnhalle“ Süderbrarup – ein Ritterschlag für die Hobbymusiker.

Seit Mai 1998 machen Andreas Markmann (41, Schlagzeug), Kai Höpermann (49, Gitarre) und Sascha Sell (39, Gesang) gemeinsam unter dem Namen „Selfish“ Musik. 14 Mitglieder zählt die bewegte Bandgeschichte seitdem. Zwischenzeitlich war die Truppe mit Background-Sängerinnen sogar sieben Köpfe stark. Ihr erster Auftritt war in der Wedeler „Villa“. Die Gründungsmitglieder wohnen in Hetlingen und auch ihre erste CD-Release-Feier fand in der Marschgemeinde statt. Holm ist seit Anbeginn an Heimstatt ihrer Proben. Mit eigenen Händen haben sie mit Gemeindegeld den Probenraum im ersten Stock des Jugendhauses ausgebaut und damit anderen Holmer Jugendbands den Weg bereitet.

Seitdem kennt Florian Zahn (31) die Selfish-Urväter. Höpermann hat ihm als 16-Jährigen im Jugendhaus Gitrarrenunterricht gegeben. „Er hat mir die ersten Griffe beigebracht“, erinnert sich Zahn. Seit Februar 2012 ist der Holmer selbst Band-Mitglied. Zwischenzeitlich studierte und wohnte er in Hamburg. Mittlerweile ist er wieder nach Holm gezogen. „Es lebt vom Drumherum. Ich wurde schnell und offen empfangen“, so Markus Langhof (29), der seit seit 2009 dabei ist. Auf eine Onlinewerbung hin hatte er sich beworben, als ein Bassist gesucht wurde.

Wichtig ist den „alten Hasen“ die Chemie untereinander. Bei Langhof stimmte sie. Sogar im Hetlinger Freundeskreis ist der Bassist aufgenommen worden. „Meine Schwester kennt ihn und er ist bei Familienfeiern dabei“, sagt Sell. Sogar Langhofs Zuzug in die Marschgemeinde ist geplant. Das hätte sich der gebürtige Appener vorher nicht vorstellen können.

Ausgiebig frötzlend scheint es untereinander zuzugehen, wenn sich „Selfish“ donnerstags zum Proben in Holm trifft. Jeder bekommt mal sein Fett weg. Das Publikum „schunkelt“? „Sag das nie wieder!“, ermahnt Markmann Zahn, als der von der Lust vor einer Menschenmasse zu spielen erzählt. Das ist der große Antrieb der Truppe: auf der Bühne „Abrocken“ (Höpermann) und den Menschen „Entertainment“ (Langhof) bieten. So wie als Einheizer von „Torfrock“. Zu ihrem Cover-Repertoire gehören dabei Lieder von Gruppen wie „Blink 182“, „3 Doors down“ oder „Green Day“. Früher haben „Selfish“ in Hamburg noch an Bandwettbewerben teilgenommen. Highlight war 2006 der dritte Platz beim „Emergenza-Festival“ in der aus-verkauften Markthalle vor 1600 Menschen.

„Das war geil, aber heute sind wir zu alt dafür“, findet Markmann. Das passt gefühlt nicht mehr. Den Drang auf professionell ausgestatteten Bühnen vor möglichst vielen Menschen zu spielen, hat das Erlebnis befeuert. Drei Mal haben sie in den vergangenen Jahren deshalb auch beim Heistmer Tower-Festival gespielt: vor mehr als 2000 Menschen. „Es macht Spaß, wenn das Feedback da ist“, so Zahn.

Für den „Torfrock“-Ritterschlag am kommenden Wochenende als alleinige Vorband lassen die Männer eine alte Tradition wiederaufleben: Der Auftritt am Sonnabend wird zum verlängerten Wochenende und ausgiebigen Bandausflug genutzt. Die rechtzeitige Anreise wird vermutlich wieder das Urteil der Torfrockmanagerin über die Band bestätigen, von dem Sell ungeniert erzählt: Für sie sind sie „die pünktlichste Band der Welt“. Markmann begehrt protestierend auf: Das ist gar nicht Rock’n’Roll und muss nicht öffentlich werden.

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