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Wedel-Schulauer Tageblatt

22. August 2017 | 09:59 Uhr

Tiefgang in Wedel : Der mit den Händen sieht

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Dunkel und kalt: Taucher holen Schlickproben vom Grund der Baustelle im Wedeler Stadthafen. Eine Spundwandrammung wird vorbereitet.

Um in den dicken Trockentauchanzug hineinzukommen, benötigt Matthias Wendt Babypuder, um sich ebenso mühsam wieder herauszuschälen Spüli. „Ja klar“, sagt er, „der hält ja auch hundert Prozent dicht.“ Sonst sagt der Berufstaucher nicht so viel. Ist halt ein Auftrag wie jeder andere auch, den er gerade in Wedels Stadthafen erledigt.

Sicherheit ist oberste Pflicht, immer. Wenn Wendt gleich in die drei bis fünf Grad kalte Elbe steigt – unter der Sprungschicht herrscht sommers wie winters die gleiche Temperatur, erklärt Einsatzleiter Frank Braun, weswegen sein Kollege auch „dicke Wolle“ drunter anhabe – dann ist der Taucher mit zwei Schläuchen und einem Rückengerät gesichert. Luft kommt von oben durch den einen Schlauch, durch den anderen kommuniziert Wendt während des Tauchgangs mit dem Mutterschiff. Das Atemgerät auf dem Rücken dient der Reserve. Dass es eingesetzt werden muss, komme häufiger vor, erklärt Braun – völlig ruhig und unaufgeregt. In Schiffswracks blieben Taucher leicht mal hängen oder klemmen sich ein. Dann müssen sie abgeschnitten werden. Die Reserveluft reicht für eine Stunde Rettungsarbeiten.


„Natürliche Schwebstoffe“


Auch dass sie im Elbwasser rein gar nichts sehen können, ficht die Taucher nicht an. Wendt hält seine Hände hoch: „Die zehn Finger, das sind die Augen des Tauchers“, erklärt er. In Wedel geht es nun, gegen 13.30 Uhr, kurz vor dem Scheitelpunkt von Ebbe und Flut, nur zwei bis drei Meter in die Tiefe. „Mir geht es selbstverständlich gut“, sagt Wendt noch, kurz bevor er untergluckert. Dann dringen auch schon seine Beschreibungen des Flussgrundes an die Oberfläche: „Der Boden ist sehr sehr schlammig, jetzt kommt eine Schicht Steine, Tiefe zehn bis 20 Zentimeter, vorne.“ Der Empfänger an Bord knistert und rauscht.

Frank Spieckermann vom Planungs- und Ingenieurbüro Inros Lackner erklärt, wieso zurzeit im Wedeler Stadthafen getaucht wird. Um die Spundwand später rammen zu können, die im Bogen die Hafeneinfahrt vor Schwell schützt und die Wassertiefe im Segelhafen konstant halten soll, müssen Bodenproben aus einem zehn Meter tiefen Kolk, der direkt vor der Hafeneinfahrt liegt, genommen werden. Drei Eimer á zehn Liter holen die vier Mitarbeiter der Firma Hansataucher hoch, an zehn Stellen messen sie die Dicke der Schlickschicht. Der Schlick geht ins Labor. Dass die Proben belastet sind, glaubt Bauleiter Spieckermann nicht. „Das sind natürliche Schwebstoffe, die aus dem Fluss eingeschwemmt wurden“, vermutet er. Später muss der Kolk neu verfüllt werden, als stabiler Untergrund für die Spundwand.

Die Hafenarbeiten klappten zurzeit wunderbar, berichtet der Ingenieur: „Wir warten, dass es kälter wird, weil dann der Klei in der Elbe verklappt werden darf.“ Im westlichen Hafenbecken werden die Deckwerksteine abgebaut – und vor Ort gebrochen. Am Hafenkopf die Entwässerungsleitung verlängert. „Wir sind im Zeitplan“, so Spieckermann.

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erstellt am 09.Okt.2013 | 16:00 Uhr

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