Neuerscheinung : „Der Leuchtturmhüter“: Neues Buch von Ole West und Matthias Brodowy

Ole West zeigt in dem Buch ausschließlich neue Werke.
1 von 2

Ole West zeigt in dem Buch ausschließlich neue Werke.

Die beiden Kreativen arbeiten nach „Einmal Labskaus und zurück“ bereits zum zweiten Mal gemeinsam.

Avatar_shz von
15. Dezember 2017, 12:30 Uhr

Wedel | Sie haben es wieder getan – gut so. Mit ihrem 2016 erschienenen und selbst treffend so genannten Kuddelmuddelbuch „Einmal Labskaus und zurück“ haben der Wieder-Wedeler Ole West und der Wahl-Hannoveraner Matthias Brodowy gezeigt: Hier haben sich zwei gefunden. Wests Bilder und Brodowys Worte: Das passt. Brandneues Beweismaterial: „Der Leuchtturmhüter“. Ganz frisch aus dem Druckstock ist es auf dem Markt – ach ne, das waren ja noch andere Zeiten und Welten.

Womit wir auch beim Thema wären. Leuchtturmhüter. Mal abgesehen davon, dass man da doch unwillkürlich irgendwie an West selbst denkt, der mit den maritimen Signalgebern auf Seekarten-Hintergrund – ja was? Ist es übertrieben zu sagen: weltweit Bekanntheit erlangt hat? Schließlich hängen seine Leuchttürme in allen möglichen Ländern. Titel und Thema, sie kommen unwillkürlich irgendwie auch als Hommage des West-Werke-Sammlers Brodowy an den Grafiker, Maler und mittlerweile Freund daher.

Das Covermotiv zu „Der Leuchtturmhüter“.
Ole West

Das Covermotiv zu „Der Leuchtturmhüter“.

Mal abgesehen also davon und zurück zu den „anderen Zeiten und Welten“ – und damit mitten rein ins neue Buch. Enno Tütken ist besagter Leuchtturmhüter – Hüter, nicht Wärter, darauf legte er Wert. Leuchttürme, die er 40 Jahre lang als Angestellter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts wartete, waren stets Sehnsuchtsorte für ihn. Sie wurden es umso mehr, als die Technisierung den Menschen, der sich um sie kümmert und in ihnen arbeitet, überflüssig macht. Ohne Menschen erscheinen sie für Enno unvollständig.

Treffende Details, träumerische Sujets

Klar, dass er da sofort zur Stelle ist, als er die Chance hat, selbst in einen Leuchtturm einzuziehen. Hier hat er, was er sucht und braucht: Watt, das Meer in seiner Urgewalt, die Gesellschaft der Möwen, seine Ruhe. Wenn ihn nicht gerade die Touristen behelligen. Der Turm, er ist Zuflucht für Enno, der mit Fortschritt, gesellschaftlichen Oberflächlichkeiten und Digitalisierung so gar nichts am Hut hat. Eine eigene Welt, in die er nur zwei Freunde lässt: Olaf, den ehemaligen Bremser auf einer Holzachterbahn, und Fokke, einen Kapitän, von dem man sagt, er sei mit seinem Schiff untergegangen.

Brodowys Ton mit treffenden Detailschilderungen aus dem Land des Küstenschnacks und Wests oft träumerischen Sujets, die nur zum Teil die Geschichte ganz direkt illustrieren, ist anzumerken: Die zwei haben sich was gegönnt. Autor und Maler ergehen sich in ihrer Leidenschaft fürs Martitime. Ihr Zentralmotiv Leuchttürme – oft gesehen von West. Und doch schafft er es mit seinen wortwörtlichen Bildern im Kopf oder auch einer Rückkehr seiner „komischen Vögel“ – alles Arbeiten aus diesem Jahr –, dass man sich immer noch nicht an ihnen satt sieht.

Ein romantisches Buch? Unbedingt. Dabei kommt es nicht sentimental daher, aber mit einer Portion Wehmut. Ein Ton-in-Ton-Buch von zwei Seelenverwandten.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen