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Heizkraftwerk Wedel : Der lärmende Nachbar Vattenfall

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Anwohner kritisieren zunehmende Schallimmission durch den Kraftwerks-Betrieb und die Kohle-Entladungen. Vattenfall will Teile der Anlage besser isolieren.

Wedel | Vattenfall und die Nachbarschaft: Für so manchen Anwohner ein gespanntes Verhältnis – spätestens seit der Energie-Konzern Anfang 2012 seine Neubaupläne für ein Gas- und Dampfturbinenkraftwerk (GuD) vorgestellt hat. Was zahlreiche Elbhochufer-Bewohner akut jedoch umtreibt, ist weniger die Sorge um die Zukunft als vielmehr täglicher Gram und Ärger in der Gegenwart. Der Kohlemeiler aus den 1960ern – für viele Nachbarn wird er zunehmend zum Alt-Lasten-Problemfall.

Worum es geht? Um Lärm. Und das aus vielen Quellen. Lärm, der nach Wahrnehmung der Betroffenen in der Vergangenheit zugenommen hat. Beispiel eins: Die Kohleentladung am Anleger. 16 Stunden am Stück, mehrere Tage hintereinander wird der Brennstoff mit Kran und Förderbändern aus den Schiffen geholt. Begleitet durch Alarmsirenen, wenn der Kran fährt. Zulässige Entladezeiten: 6 bis 22 Uhr.

Nicht selten aber auch davor oder danach, berichten Rolf Schmersahl und Kerstin Lueckow. Sie wohnen in einer Reihenhauszeile am Elbhochufer neben dem Kraftwerk. Und sie haben nachgefragt, sich beschwert. Über nicht eingehalten Ladezeiten, über eine Zunahme nervenzehrenden Sirenengeheuls, über Lärmgrenzenüberschreitungen. 60 Dezibel hat Schmersahl in der vergangenen Woche in der Wohnsiedlung gemessen, Anfang dieser Woche waren es bis zu 65 dB(A). Erlaubt sind 55. Zu den Schiffsentladungen kommt der Betrieb auf der offene Halde, wo Raupenfahrzeuge die Kohle bewegen. „Uralte Raupen“, sagt Schmersahl – und sie seien zum Teil defekt. „Das geht heutzutage deutlich leiser.“

Elisabeth Holzhausen wohnt am Halden-Areal. Sie belastet dieser Betrieb nach Baumfällungen weit mehr als früher. Und die klagt zudem über einen hellen schrillen Ton, der durch die Fensterscheiben dringt, wenn die Anlage Volllast fährt. Bei Lueckow dagegen kommt vor allem ein Brummen im Haus an. Häufig würden auch die Scheiben vibrieren. „Das Werk ist lauter geworden“, konstatiert Schmersahl nüchtern. Er wohnt seit 1971 am Meiler. Für ihn hat die Lärmzunahme vor allem einen Grund: „Verschleiß“.

Dies ist indes nur die eine Seite des Problems. Die andere: Die Betroffenen fühlen sich mit ihren zahlreichen Beschwerden und in ihren Rechten nicht ernst genommen. Nicht von Vattenfall und nicht von der zuständigen Genehmigungsbehörde, dem Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR). Schmersahl: „Man hat das Gefühl, Vattenfall kann hier schalten und walten, wie der Konzern will.“ Und Lueckow macht deutlich: „Es ist ein Punkt erreicht, wo wir so weit sind, gegebenenfalls den Rechtsweg zu beschreiten.“ Darin haben sie Erfahrung: Lueckow und Schmersahl sind aktiv in der BI „Stopp! Kein Megakraftwerk in Wedel“, die Ende März Widerspruch gegen die Genehmigung für Vattenfalls GuD eingereicht hat.

Auf Nachfrage heißt es von Vattenfall-Sprecherin Barbara Meyer-Buckow: „Wir nehmen die Hinweise der Anwohner sehr ernst.“ Vattenfall habe auf Grund erhöhter Lärmwerte unabhängige Gutachter beauftragt. Laut LLUR sind bei Volllast die nächtlichen Grenzwerte um bis zu sieben dB(A) überschritten – trotz umgesetzter Schallschutzmaßnahmen. Weitere sollen jetzt folgen, etwa Schallisolierung von Rohrleitungen und zusätzliche Zu- und Abluftschalldämpfer.

Zum Teil seien die Arbeiten allerdings nur in Anlagen-Stillstandzeiten möglich, also Juli und August. Wobei LLUR-Sprecher Martin Schmidt verdeutlicht: Kurzfristige Maßnahmen sind umgehend umzusetzen, mittelfristige beim Anlagen-Stillstand, spätestens aber bis Ende 2014.

Was Kohleentladung und -lagerung angeht: Die werden unter generellen Betriebsgeräuschen des Kraftwerks betrachtet und dürfen zur Tageszeit laut Schmidt 55 dB(A) Tagesrichtwert nicht übersteigen. Für eine Überschreitung gebe es aber auch keine Anhaltspunkte. Eine Lärmbeschwerde einer Anwohnerin werde gerade geprüft.

Von Vattenfall-Seite heißt es zu den Schiffsentladungen: Es habe keine Mehrung gegeben, und die Warnsignale seien aus Sicherheitsgründen notwendig. „Es handelt sich aber hier um keine neuen Geräusche. Die Anlagenkonstellation ist unverändert“, so Meyer-Buckow. Und die Raupen auf der Halde? Die seien weder veraltet noch defekt, so die Konzernsprecherin. Und: „Kettenlaufgeräusche ergeben sich aus der normalen Nutzung. Diese Geräusche haben nicht zugenommen.“

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erstellt am 02.Mai.2014 | 12:00 Uhr

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