Wedel : Der holprige Start ins neue Leben

Auch qualifizierte Flüchtlinge finden in Wedel nur schwer Arbeit.

shz.de von
30. Mai 2015, 16:00 Uhr

Wedel | Es ist eine der offiziellen Anlaufstellen für Einwanderer in Wedel – die Beratungsstelle des Diakonievereins Migration. In ihrem Jahresbericht blickt die Einrichtung jetzt auf 2014 zurück. Ein Jahr das von der globalen Flüchtlingskrise geprägt war.

„Der Beratungsschwerpunkt hat sich im Laufe des Jahres in Richtung neu ankommender Flüchtlinge verschoben“, schreibt Judith Steeck, die 2014 für die Beratungsstelle verantwortlich war, in ihrem Bericht. Viele der Flüchtlinge kämen aus dem vom Bürgerkrieg gebeutelten Syrien und erhielten daher oft sehr schnell eine Aufenthaltserlaubnis. Die Mitarbeiter des Diakonievereins unterstützten diese Menschen vor allem bei der Frage nach einer ersten sozialen Absicherung, wie Arbeitslosengeld II, Kindergeld oder Krankenversicherung. Viele der Neuankömmlinge hätten einen Beruf gelernt oder sogar eine Hochschule besucht. Dennoch sei es für diese Menschen sehr schwierig, den Einstieg ins Arbeitsleben zu finden. Grund seien mangelnde Sprachkenntnisse und fehlende Qualifizierungsangebote, um für den deutschen Arbeitsmarkt fitgemacht zu werden. „Der Arbeitsauftrag des Jobcenters, das eine schnellstmögliche Eingliederung in die Arbeitswelt forciert, wird als wenig hilfreich wahrgenommen“, heißt es im Bericht. Die konkrete Zusammenarbeit mit dem Jobcenter in der Rolandstadt beschreibt der Diakonieverein aber als sehr kooperativ.

Gelobt wird auch der Einsatz der Wedeler Volkshochschule. Steeck: „Viele Ratsuchende konnten in für sie geeignete Sprachkurse vermittelt werden.“ Ebenfalls wichtig: Die Sprachpartnerschaften im Stadtteilzentrum „Mittendrin“. Positiv vermerkt der Diakonieverein auch, dass sich Schulen in Wedel immer besser darauf eingestellt hätten, Kinder ohne Deutschkenntnisse zu unterrichten.

Das ehrenamtliche Engagement der Wedeler Bevölkerung bezeichnet Steeck als beeindruckend. Im Laufe des Jahres hatten sich ehrenamtliche Gruppen gegründet, die Flüchtlinge bei Behördengängen unterstützen oder Sprachunterricht geben. In den Räumen der Freien Evangelischen Gemeinde Wedel wird mit dem Willkommenscafé ein regelmäßiger Treffpunkt angeboten. Der Diakonieverein mahnt aber an, dass die Ehrenamtlichen dringend fachliche Unterstützung bräuchten. Die derzeit vorhandenden Strukturen bezeichnet Steeck als „nicht ausreichend“. Die Stadtverwaltung hatte im April zehn Arbeitsstunden einer Fachkraft zu diesem Zweck freigeräumt.

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