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Wedel-Schulauer Tageblatt

11. Dezember 2017 | 14:55 Uhr

Der Duft der weiten Welt in der Villa

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Kochbuch-Projekt mit Wedeler Flüchtlingen

shz.de von
erstellt am 16.Jan.2016 | 16:00 Uhr

Kochen mit Flüchtlingen in der Wedeler Villa. Da läuft die Klischee-Maschine im Kopf heiß. Exotische Gewürze, Gerüche wie auf einem Basar. Tatsächlich schwebt ein kräftiger Duft nach Bratfett in den Räumen in der Mühlenstraße 35. Dieses Mal wird honduranisch gekocht und in dem mittelamerikanischen Land erfreut sich das Ausbacken in viel Öl offenbar großer Beliebtheit.

Stimmengewirr erfüllt die Villa. In der Küche brutzelt es gleich in mehreren Pfannen, im Nebenzimmer diskutieren einige Männer und Frauen über ein arabisches Rezept. Immer mittendrin: Lili Nahapetian, die Kamera im Anschlag. Die Fotojournalistin ist eine der Organisatorinnen des Kochtreffs, gemeinsam mit Maliwan Binder und Manuela von Winterfeldt.

„Wir wollen Brücken bauen“, erklärt Nahapetian. Die Wedelerin stammt aus einer armenischen Familie, wuchs im Libanon und im Iran auf. Binder erblickte in der thailändischen Hauptstadt Bangkok das Licht der Welt. Sie wissen wie es ist, fremd in Deutschland zu sein. Sie wissen aber auch wie es ist, hier eine neue Heimat zu finden. Deswegen wollen sie auch denjenigen helfen, die momentan neu in die Bundesrepublik kommen. Jeden Dienstag, von 10 bis 14 Uhr, wird in der Villa der Herd angeworfen. Gemeinsam Kochen, gemeinsam Essen, gemeinsam Aufräumen. Die Gäste sind Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan, Eritrea oder Iran – aber auch alteingesessene Wedeler und Besucher aus dem nahen Hamburg. Die Besetzung wechselt, meist versammeln sich zirka 15 Menschen in der Mühlenstraße. Neue Teilnehmer sind stets willkommen.

Über eine Whatsapp-Gruppe wird im Vorfeld geplant, was auf den Tisch kommt. Binder kauft dann gemeinsam mit Flüchtlingen die Zutaten ein. Das ist nicht immer einfach. „Oft fahren wir nach Hamburg in arabische Geschäfte“, berichtet sie. Manchmal ist zunächst überhaupt nicht klar, was für Zutaten überhaupt gemeint sind. Neben Wörterbüchern ist die Google-Bildersuche auf dem Smartphone zu einem der wichtigsten Hilfsmittel geworden.

„Jeder bringt seine Kompetenzen ein“, sagt Nahapetian. Mohamed Salloum betrieb in Syrien ein Restaurant, keiner kann die Speisen so schön auf den fertigen Tellern anrichten wie er. Mustafa war in Afghanistan Fotograf, er hilft Nahapetian bei der Bilddokumentation. Von Winterfeldt hält unterdessen die Rezepte schriftlich fest.

All das ist genauso wichtig, wie den Löffel zu schwingen. Denn das Kochtreff ist nur der Anfang. Gemeinsam soll in der Villa ein Kochbuch entstehen. Mit Gerichten aus aller Welt. Keine zusammengetackerten Seiten, sondern ein professionell gestaltetes Hardcover. Derzeit klopft das Team noch verschiedene Möglichkeiten der Finanzierung ab.

Von den Einnahmen soll der Fortbestand des Angebots finanziert werden. Außerdem soll das Buch einen Hauch der exotischen Gerüche aus der Wedeler Villa −in die Welt hinaustragen. Einen Eindruck vom fröhlichen Miteinander. Und natürlich auch den feinen Geruch von Bratfett.

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