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Justin Bieber, Ice-T und Co. : Der Caterer aus Wedel, der für die Promis kocht

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Kai Picht weiß, was Justin Bieber, Gangsta-Rapper Ice-T und Jan Fedder am liebsten essen. Der 47-Jährige ist seit 23 Jahren im Geschäft. Eine Reportage.

shz.de von
erstellt am 04.Okt.2015 | 11:00 Uhr

Wedel | Teenieschwarm Justin Bieber liebt Tortellini und Spanferkel, Gangsta-Rapper Ice-T Tiefkühlfischstäbchen und TV-Polizist Jan Fedder („Großstadtrevier“) Senfeier. Wer könnte das besser wissen als Kai Picht? Der 47-jährige Wedeler hat sie nämlich alle schon bekocht. Seit 1995 betreibt der gebürtige Flensburger ein Catering-Unternehmen.

Caterer, also die professionellen Bereitsteller von Speisen, Getränken und allerlei Zubehör, gibt es mittlerweile in fast jeder deutschen Stadt. Sie stehen ihren Kunden vor allem dann zur Seite, wenn es für Gesellschaften unterschiedlicher Größen etwas zu feiern, besprechen oder auch zu trauern gibt. „Anlässe gibt es viele. Und auch die Örtlichkeiten kennen keine Grenzen“, sagt Picht. Anlässlich der Grundsteinlegung des Hamburger Brahmsquartiers habe er Festzelte in einer Baugrube aufgestellt und dort Speisen und Getränke serviert. Zur Zeit liefert Picht mit seinem neunköpfigen Team an fünf Tagen die Woche Essen für die Filmcrew am Set der Fernsehproduktion „Großstadtrevier“.

 

Picht, der das Geschäft seit mittlerweile 23 Jahren kennt, gehört mit seiner Berufserfahrung längst zu den „alten Hasen“. Er ist immer da, wo etwas los ist. Häufig in Hamburg und Umgebung. Im Auftrag namhafter Konzertagenturen – von Flensburg bis nach München. Picht begann seine Karriere als Küchenhilfe  im Wedeler „BWC“. Dort jobbte er während des Abiturs. „Die Tresenjobs waren  schon vergriffen“, erinnert sich der Lebenskünstler, der auch ohne klassische Koch-Ausbildung am Ende die Erfolgskarte zog. Über Stationen wie die „Große Freiheit 36“ schaffte er es an die Seite zahlreicher Spitzenköche, um ihnen insbesondere während der veranstaltungsarmen Winterzeit zu Weiterbildungszwecken im In- und Ausland über die Schultern zu schauen. Erfahrungen, die der Sohn eines Fahrlehrers und einer Erzieherin heute in seine Produkte einfließen lässt.

Es ist früher Vormittag. Vor wenigen Minuten haben sich in der Produktionswerkstatt an der Osdorfer Landstraße in der ehemaligen Küche eines Pizza-Lieferanten auch Küchenchef Nils Eichfelder (31) und Koch Ralf Hitzigrath (55) eingefunden. „Ja, bis 17 Uhr ist alles da, geht klar. Und 50 Caipi-Gläser extra, verstanden“: Während Picht fast pausenlos mit Kunden und Zulieferern telefoniert, wetzen die beiden Köche schon einmal ihre Messer. Denn es gibt einiges zu tun.

Zubereitet wird in der Küche eines früheren Pizza-Lieferanten in Hamburg-Osdorf.
Zubereitet wird in der Küche eines früheren Pizza-Lieferanten in Hamburg-Osdorf.
 

Eine größere Privatfeier sowie ein Firmenjubiläum sollen beliefert werden. Auf dem Zubereitungsplan stehen exotische Fruchtfleischspieße mit Kokos, Honig und Krokant, Mini-Schwarzbrötchen mit Räucherfisch, gebackene Zucchini-Röllchen mit Kräuterkäsefüllung, Yakitori-Hähnchen-Spieß mit Soja, Zwiebeln und Chili sowie Mangocreme, Beerengelee, Pistaziencreme nebst Mousse au Chocolat zum Nachtisch. „Währenddessen muss man auch immer die Logistik im Auge behalten“, erklärt Picht, dessen Ensemble aus vier Köchen, Spülern, Servicekräften, Auf- und Abbauern und einigen Logistikern besteht.

Wer fährt wann wohin und kann auf dem Rückweg noch wo was mitnehmen oder schnell einkaufen? Pichts Notebook ist noch ein ganz klassisches. Aus echtem Papier. Mit bis zum Rand beschriebenen Seiten. „Hier behalte ich den Überblick. Das kann mir kein Handy der Welt bieten“, sagt der Unternehmer bei einer Tasse Kaffee. Hinter dem Regal, in dem sich Kochbücher aus der ganzen Welt stapeln, füllt Ralf Hitzigrath gerade die Zuccini-Röllchen. Hitzigrath war früher einer der Lehrmeister von Kai Picht. Heute ist er sein Angestellter. Und das sehr gern. Denn: „Immer nur „à la Carte“ arbeiten wird auf Dauer langweilig. Hier ist es deutlich abwechslungsreicher. Und wenn wir fürs Großstadtrevier produzieren, können wir sogar völlig frei entscheiden, was wir ihnen kreieren“, sagt Hitzigrath. Er freue sich wie Kollege Eichfelder auch darüber, mal vor die Tür zu kommen. „Schließlich fahren wir das Essen in Kisten verpackt manchmal auch  höchst persönlich an den Drehort. Da gibt es dann ja immer auch für einen selbst viel zu sehen“, so Eichfelder.

 

Ob für kleine Gruppen oder 500 Personen: Der Essenslieferant ist für alle Fälle gerüstet. Und für alle Situationen. „Man bekommt oft mit, wie die Stars hinter der Bühne so ticken. Das ist schon lustig. Ich habe schon mit Brian von den Backstreet-Boys zusammen Rührei gekocht, einen Dankeschön-Kniefall des Grafen von Unheilig erlebt und mit Heino Ingwer-Tee getrunken“, erzählt Picht. Promis würden mit zunehmendem Alter immer umgänglicher und legten Star-Allüren ab, sagt er. Nach der Verpflegung von rund 1500 Bands und Künstlern, darunter auch Tina Turner, Jennifer Lopez, David Guetta oder die Eagles, dürfe sich Picht dieses Urteil erlauben. Dass das Geschäft brummt, belegt auch die Tatsache, dass Picht zwischenzeitlich die Küche in der Hamburger Markthalle pachtete. Er sagt auch mal Nein. „Um unserem Leistungsstandard gerecht bleiben zu können, müssen wir in starken Auftragszeiten auch schon mal Aufträge ablehnen. Zum Glück geschieht das aber eher selten“, sagt Picht.

Die Küche meldet Vollzug. Zig Warenkörbe werden in den Transporter getragen, um in Kürze im kulinarischen Rampenlicht zu stehen. Das Telefon steht nicht still. Der Geschäftsmann ist schon wieder am Draht. Nach der Party ist vor dem Fest. Und der nächste Hunger kommt bestimmt.

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