Ruhestand nach 24 Jahren : Der Bauamtschef klappt die Akten zu

Die Entwicklung der Maritimen Meile stand bei Klaus Lieberknecht ganz oben auf der Liste der Favoriten-Themen in seiner Position als Bauamtsleiter.
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Die Entwicklung der Maritimen Meile stand bei Klaus Lieberknecht ganz oben auf der Liste der Favoriten-Themen in seiner Position als Bauamtsleiter.

Klaus Lieberknecht geht am 29. März nach 24 Jahren auf seinem Posten in den Ruhestand.

shz.de von
24. März 2017, 12:00 Uhr

Wedel | Wenn Klaus Lieberknecht am Mittwoch, 29. März, das Rathaus verlässt, wird sein Blick auf „seine“ Stadt ein anderer sein. Am Tag nach dem Planungsausschuss, wo er immer seinen festen Platz auf dem Podium hatte, klappt der 63-Jährige seine Aktenordner zu und geht künftig nicht mehr als Bauamtschef, sondern als Bürger durch Wedel. Ein Bürger mit Zeit und Muße für die andere Seite des Lebens. Lieberknecht geht in den Vorruhestand.

Dass er das Dienstjubiläum nicht mehr vollkriegt, nimm er mit einem Lächeln und einem Schulterzucken: Im kommenden Jahr wäre Lieberknecht 25 Jahre in der Verwaltung und auf seinem Posten gewesen. Am 1. Juli 1993 beerbte er den 2004 verstorbenen Diethart Kahlert, als der spätere Bürgermeister Erster Stadtrat wurde. Bauen und Verwaltung, Lieberknecht hatte beides drauf. Nach dem Studium in Darmstadt hatte der Architekt und Stadtplaner bei der deutschen Bundespost im höheren bautechnischen Verwaltungsdienst gearbeitet, war unter anderem Referatsleiter in Hamburg.

Seine erste große Baustelle war gleich der Dauerbrenner, der die Stadt schon Jahre zuvor beschäftigte und noch immer bewegt: die Altstadtumfahrung, seinerzeit Südumgehung. „Eigentlich gar nicht mein Metier, aber spannend“, so Lieberknecht. Wie es ausging, ist Geschichte: Kurz vor dem Satzungsbeschluss für die Planfeststellung beerdigte die neue politische Mehrheit die Straße. Das Problem der fehlenden Altstadtberuhigung aber blieb und damit ein Dorn im Auge des Stadtplaners: Ein Altstadtkern, der durch die Bundesstraße zerschnitten wird und damit auch das Sanierungskonzept behinderte. „Schade, dass das nicht gelöst werden konnte“, sagt Lieberknecht.

Nach seinen Leib- und Magenthemen gefragt, muss Lieberknecht nicht lang nachdenken: Aufwertung der Maritimen Meile und der Hafenumbau seien trotz vieler Rückschläge und Unwägbarkeiten ein gutes und wichtiges Projekt. „Ich bin überzeugt: Wenn das fertig ist, wird es eine Bereicherung für Wedel sein“, sagt Lieberknecht – nicht ohne Bedauern, dass er nicht selbst die riesige Städtebaufördermaßnahme zuende begleiten kann.

Mehr Zeit für Familie und Reisen

Und was sieht er als weitere große Punkte auf der To-Do-Liste für die Stadt? „Wedel Nord ist ein ganz wichtiges Projekt. Bei unserer Lage in der Metropolregion ist es erforderlich, dass dort etwas entwickelt wird.“ Andererseits warnt Lieberknecht auch vor Gefahren des Siedlungsdrucks aus Hamburg, die da heißt zu starke Nachverdichtung. „Dies wird ein Thema sein für meine Nachfolgerin: aufzupassen auf die Verträglichkeit von Nachverdichtungsprojekten mit der gewachsenen Struktur Wedels.“ Stichwort Nachfolgerin: Er sei froh, dass der Übergang so reibungslos klappe und mit der ehemaligen Halstenbeker Bauamtsleiterin Gisela Sinz-König eine „gute Stadtplanerin gefunden wurde, die sicher auch eine gute Fachbereichsleiterin sein wird.“ Lieberknecht sagt das auch mit Blick auf „sein Team“, mit dem er gern zusammengearbeitet habe: „Wenn es mit der Mannschaft klappt, kann man viel bewegen“, so der 63-Jährige.

Viel bewegen, das will Lieberknecht unter anderem in der Familie: Die erste Enkeltochter ist dreieinhalb. Sie wird künftig mehr von ihrem Opa haben. Ansonsten will Lieberknecht sich zunächst ein halbes Jahr nehmen, um sich zu sortieren und zu reisen. Ein Hobby genau wie Theater, dem sich der Wedeler mit seiner Frau Beate künftig intensiver widmen möchte. Ein Ziel wird Wedels Partnerdistrikt Makete in Tansania sein, wo Lieberknecht bereits in Sachen Dorfentwicklung und Diakonie tätig war. Und auch in Richtung Ehrenamt gibt es erste Überlegungen.

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