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Wedel-Schulauer Tageblatt

13. Dezember 2017 | 16:21 Uhr

Wedel : Das Verbrechen niemals vergessen

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Arbeitskreis gegen Rechtsradikalismus und Ausländerfeindlichkeit gedenkt dem „Fall Putten“ vom Oktober 1944.

shz.de von
erstellt am 18.Nov.2014 | 16:00 Uhr

Wedel | Irmgard Jasker vom Arbeitskreis gegen Rechtsradikalismus und Ausländerfeindlichkeit der Stadt Wedel und Joke Veenendaal lagen sich Sonnabend zum Abschied lange in den Armen. Beide lachten, als sie über das Wiedersehen im kommenden Jahr sprachen. Nicht selbstverständlich, denn der Grund für den Besuch von Veenendaal war ein trauriger. Zusammen mit 50 Bürgern der niederländischen Gemeinde Putten besuchte sie die Rolandstadt, da sich der Todestag ihres Vaters Wilhelm Jan Johannes van den Bosch und der von 15 weiteren Niederländern zum 70. Mal jährte.

Van den Bosch stammte aus Nijkerk und war im Oktober 1944 zu Besuch in Putten als es zum „Fall Putten“ kam (siehe Infokasten). „Unsere Väter waren gleich alt und beide Schmiede“, erläuterte Jasker die enge Verbindung. Im Gegensatz zu ihrer Freundin aus den Niederlanden sei es ihr aber vergönnt gewesen, ihren Vater lebenslang an ihrer Seite zu haben bis er im Alter von 94 Jahren starb. „Diese Chance hatte Joke nie“, sagte Jasker sichtlich berührt und ergänzte: „Wir dürfen nie vergessen, was damals passiert ist.“

Jasker und Maarten Slooves begrüßten die niederländischen Gäste in der Mensa der Gebrüder-Humboldt-Schule. Nach dem gemeinsamen Essen erinnerten Stadtpräsidentin Renate Palm (WSI), die Bundestagsabgeordnete Valerie Wilms (Bündnis 90 / Die Grünen), Stadtvertreterin Barbara Kautz (Die Linke), Felix Schnoor (Bündnis 90/Die Grünen) und Marianne Wilke von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN / BdA) an die Ereignisse vor 70 Jahren und forderten dazu auf, die Erinnerung lebendig zu halten, damit die Greultaten niemals in Vergessenheit geraten. „Dass sie hier sind, zeigt, dass man aus der Gewaltspirale ausbrechen kann“, sagte Wilms. Wilke versprach, die Erinnerung an die Ereignisse in Wedel lebendig zu halten. Zusammen mit Jasker habe sie sich bereits mit Stadtbücherei-Chefin Andrea Koehn, in Verbindung gesetzt, um einen eigenen Bereich für Literatur rund um das Thema Putten einzurichten. Jasker erinnerte zudem an Jannes Priem, der als letzter Überlebender des Wedeler Konzentrationslagers im vergangenen Jahr verstarb.

Gemeinsam fuhren die Gäste aus den Niederlanden und die Wedeler zum Friedhof am Egenbüttelweg, um am Gedenkstein Rosen und eine Blumenschale niederzulegen. Jasker verlas die Namen der im November 1944 in Wedel getöteten Niederländer. Nach einer kurzen Andacht löste sich der Trauerzug auf. Anschließend setzten die Gäste aus den Niederlanden ihre Reise fort - nach Ladelund, dem KZ-Standort an der dänischen Grenze, an dem sich Holländer und Deutsche seit Jahrzehnten am Volkstrauertag begegnen.

Nachdem niederländische Partisanen in der Nacht zum 1. Oktober 1944 vier deutsche Offiziere in einem Auto beschossen und einen von ihren getötet hatten, führte die SS unter der Führung des damaligen Wehrmachtbefehlshabers der Niederlande, General der Flieger Friedrich Christiansen, in der niederländischen Ortschaft Putten eine Razzia durch. 661 Männer ab 16 Jahren wurden gefangen genommen und in das Konzentrationslager Amersfoort gebracht. Von dort wurden sie auf andere Lager aufgeteilt – unter anderem auf das Konzentrationslager in Neuengamme, das eine Außenstelle in Wedel besaß. Dort kamen im November 1944 16 Niederländer ums Leben.  Putten ist noch heute der zentrale Gedenkort der Niederlande für die Opfer des Zweiten Weltkriegs.
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