zur Navigation springen

Alarm in Wedel : Das Strandbad verliert dramatisch Sand

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Der weiße Sand wird weggespült. Trümmerschutt, Holzpfähle und altes Wurzelwerk kommen im blanken Lehmboden hoch.

Wedel | Inge Zeißler ist keine, die sich laut und polternd aufregt. Die Wedelerin ist eher ruhig, wirkt ausgeglichen. Doch wenn ihr etwas aufstößt, wenn sie sich ärgert, kann sie sehr beharrlich sein und überaus nachdrücklich werden. Und Zeißler regt sich zurzeit auf, außerordentlich sogar: Nämlich darüber, dass der Sand im Strandbad dramatisch zurückgeht. Darauf will sie hinweisen, das will sie stoppen, für dieses Thema will Zeißler die Wedeler wachrütteln.

„Welche Stadt hat solch einen Strand?“, schwärmt die leidenschaftliche Spaziergängerin. „Ich finde ihn einfach unheimlich toll.“ Bereits im vergangenen Sommer habe sie jedoch bemerkt, dass der Sand weniger wird. „Wenn man nicht mehr auf Sand geht, sondern auf Matschboden, fällt das auf“, sagt Zeißler trocken. Innerhalb der letzten zwei Monate hat sich der Prozess allerdings dramatisch beschleunigt, so ihre Beobachtung. Der Sand wird vorwiegend vom Wasser weggespült, immer stärker und immer schneller. Mittlerweile sind bei Ebbe nicht nur kleine Findlinge freigespült. Auch die Reihen an Holzpfählen starken immer höher aus dem Boden heraus. Überall sieht man hochgespülte Ziegelsteine liegen. Sogar alte Bögen, an denen früher die Boote festgemacht wurden, ragen inzwischen mit ihren Köpfen hervor.

„Wenn man nicht mehr auf Sand geht, sondern auf Matschboden, fällt das auf“, sagt Inge Zeißler trocken.
„Wenn man nicht mehr auf Sand geht, sondern auf Matschboden, fällt das auf“, sagt Inge Zeißler trocken. Foto: Inge Jacobshagen
 

Zeißler ist zur Schatzsucherin geworden. Sie hat haufenweise verrostete große Nägel, Patronenhülsen, altes Glas – das sei dickwandiger, erklärt sie auf Nachfrage – und Schneckenhäuser im Lehmboden entdeckt. Der Bauschutt rührt aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Uferseiten der Elbe wurden damals überall mit Trümmersteinen befestigt. „Die kommen jetzt hoch“, weiß Zeißler. Die Schneckenhäuser hat sie im östlichen Strandabschnitt gefunden. In der Nähe der neuen Mole liegt Wurzelwerk frei von Bäumen, die dort vor 150 Jahren standen. Damals der Lebensraum der Muscheln und Schnecken.

Den Flugsand fangen neue Weidenbüsche auf

Anfang Juni fand Zeißler dort im Schlick sogar eine vollkommen unversehrte kleine alte gläserne Nivea-Probeflasche. Sie fragte beim Konzern an, von wann die sei. Zwischen 1935 und 1937 habe sich das Produkt im Sortiment befunden, lautete die Antwort. Auch eine besondere Colaflasche, ebenfalls unbeschädigt, sprang Zeißler ins Auge. Die wurde zwischen 1946 und 1970 hergestellt, bekam sie hier beschieden.

Um den Sand aufzuhalten, der im trockenen Zustand häufig vom Süd-West-Wind in den neuen Hafen gepustet wird, hat die Stadt Weidenbüsche angepflanzt. Doch was tut sie, um den Sand zu halten, der vom Wasser weggespült wird, fragt sich Zeißler. „Es kommt nichts von alleine zurück“, konstatiert sie knapp.

Nägel, Glas, Schnecken: Fundstücke aus vergangener Zeit.
Nägel, Glas, Schnecken: Fundstücke aus vergangener Zeit. Foto: Inge Jacobshagen
 

„Das Thema ist uns bekannt“, versichert Bauamtsleiterin Gisela Sinz-König auf Nachfrage. „Wir sehen das und beobachten das intensiv.“ Bevor gezielte Maßnahmen ergriffen werden können, müsse erstmal die Ursache gefunden werden. Wieso die Unterspülungen in letzter Zeit so massiv auftreten, weiß die Stadt noch gar nicht. Dafür, dass es mit dem Hafenumbau zusammenhängt, gebe es laut Sinz-König keine Hinweise. „Noch in diesem Jahr werden wir in einen Erfahrungsaustausch mit den anderen Gemeinden an der Elbe treten“, kündigt sie an. Auch das Wasser- und Schifffahrtsamt werde in die Ursachenforschung einbezogen. „Uns ist das Strandbad wichtig“, betont die Bauamtsleiterin. Für Zeißler geht es darum das, was noch da ist, zu retten – möglichst schnell „das Augenmerk auf den Strand neben dem Hafen zu lenken“.

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 25.Jul.2017 | 16:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen