Wedel : Das Kraftwerk ist leiser geworden

Die Westfassade des Kraftwerks aus den 1960er Jahren steht unter Denkmalschutz. Entworfen wurde die Halle von den Architekten Bernhard Hermkes und Gerhard Becker. Hermkes konzipierte auch die Großmarkthalle in Hamburg und die Kennedybrücke.
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Die Westfassade des Kraftwerks aus den 1960er Jahren steht unter Denkmalschutz. Entworfen wurde die Halle von den Architekten Bernhard Hermkes und Gerhard Becker. Hermkes konzipierte auch die Großmarkthalle in Hamburg und die Kennedybrücke.

Knapp siebenstellig sind die Investitionen, die Vattenfall in Maßnahmen zur Lärmminderung gesteckt hat. Entladung bleibt ein Problem.

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13. Dezember 2014, 10:00 Uhr

Wedel | Seit geraumer Zeit streiten sich Anwohner und Vattenfall um den Lärm, den das alte Kohlekraftwerk verursacht. Nächtliches  Brummen, ein zu schrilles Alarmsignal und zu laute Schlaggeräusche, wenn der Entladekran arbeitet, das waren die Hauptkritikpunkte der Elbhochuferbewohner von nebenan. In zwei rechtlichen Anordnungen wurde der Energieversorger zur Lärmminderung verpflichtet.

Vattenfall ging jetzt in die Offensive und erklärte während eines Ortstermins die Maßnahmen, die bisher „zur Reduzierung der Lärmemissionen in Wedel“ umgesetzt wurden – oder wegen technischer Schwierigkeiten noch in der Entwicklung stecken. Techniker schallisolierten bereits komplette Rohrleitungen und bauten Schalldämpfer in Dampfleitungen sowie in Pumpen ein. „Luft strömt laut ab“, erklärt Betriebsleiter Stefan Kroll. Vor die Sockelwand der Westfassade wurde Kalksandstein gesetzt. Innen 20 Zentimeter dicker Dämmstoff aufgetragen. Der gesamte Oberbau der Halle spiele in Bezug auf Lärm keine Rolle, erläuterte Kroll. Im Fuß des Gebäudes stehen die Turbinen.

Von denen ist nicht die kleinere von 1961, sondern die größere Baujahr 1993 der  Problemfall. Deren Geräusche hätten allerdings keine mechanische Ursache. Vielmehr entstünden sie durch Strömung des Dampfs, so Kroll. Eine Lärmschutzwand, die innerhalb der Halle vor der Turbine errichtet wurde, brachte keinen Nutzen. Sie soll durch eine nicht mit dem Boden verbundene bis unters Dach reichende Wand ausgetauscht werden. Auch an der Entkopplung der Turbine wird noch gearbeitet. Eine maßgeschneiderte Lösung ist in der Entwicklung.

Das Problem bei der Schiffsentladung draußen ist das Gelenk zwischen großem Kran und herunterzufahrendem Greifarm. Wenn die so genannte Katze über die Schwelle fährt, gibt es einen lauten Schlag. Die Idee hier: Die Katze soll quasi über die Schwelle gehoben werden.

Verändertes Alarmsignal

Kurz vor siebenstellig seien die Investitionskosten, die sie  bereits in die  Maßnahmen gesteckt hätten, teilte Markus Wonka vom Anlagenmanagement mit. „Beim Kran erwarten wir, dass es ein sechsstelliges Angebot wird.“

Das Alarmsignal, das angeht, wenn der Kran arbeitet, tauschte Vattenfall schon im Sommer aus. Für die Lösungen, die noch auf dem Weg sind, bleibt dem Energieversorger laut Anordnung Zeit bis Ende Januar 2015 beziehungsweise bis zum Anlagestillstand im kommenden Sommer. Doch schon jetzt gibt es Erfolge zu verzeichnen. Dass das Heizkraftwerk deutlich leiser arbeitet, kann auch Thomas Fels vom Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume bestätigen. Zwei Gutachten liegen dem verantwortlichen Sachbearbeiter vor. Gemessen wurde Mitte November. Die Ergebnisse in der Nacht zeigten 40 beziehungsweise 41 Dezibel an. Richtwert sind 40 Dezibel. Der Tagesrichtwert von 55 Dezibel werde zurzeit noch um 4 Dezibel überschritten, so Fels.

„Es hat sich was getan, es ist aber auch noch was offen geblieben“, kommentiert Anwohnerin Kerstin Lueckow die Bemühungen des Versorgers. Das Brummen sei nahezu ganz verschwunden. „Das ist prima.“ Vor drei und vor zwei Wochen habe sich jedoch das Alarmsignal plötzlich wieder verändert: Es klinge wie eine laut krächzende Krähe, so Luekow, und es sei auch dort zu hören, wo vorher Ruhe herrschte.

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