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Wedel-Schulauer Tageblatt

17. Dezember 2017 | 00:03 Uhr

Wedel : Das Kiwi-Kino feiert Hansjörg Martin

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Der Wedeler Autor hat den deutschen Kriminalroman neu erfunden. Kino-Initiative zeigt zwei Verfilmungen und lädt Weggefährten ein.

shz.de von
erstellt am 09.Apr.2015 | 16:15 Uhr

Wedel | Wenn Helmut Plüschau und Hannes Grabau von ihrem Freund Hansjörg Martin erzählen, wird’s spannend – und amüsant. „Er war hier nicht wohl gelitten – etwas obstinat“, erklärt der ehemalige langjährige SPD-Landtagsabgeordnete Plüschau und schmunzelt süffisant. „Etwas gegen den Strich gebürstet“, erläutert er und versichert: „Wir waren sehr eng befreundet.“ Käpt’n Grabau erinnert sich daran „welche Größen aus Literatur und Journaille auf der Batavia aufliefen“, als der „Vorprescher des Heimatkrimis“ auf dem Theaterschiff seinen 60. Geburtstag feierte. Das muss sehr vergnüglich gewesen sein.

Genau solche lokalen Einblicke hätten sie sich als Rahmenprogramm vorgestellt, hakt wiederum Peter Jochimsen ein – und lacht. Der ehemalige Leiter der Volkshochschule steht der Initiative „Kino in Wedel“ (Kiwi) vor. Die plant eine große „Hansjörg Martin Nacht“. Mit zwei Romanverfilmungen des Schriftstellers, der den deutschen Kriminalroman neu erfand, zahlreiche Drehbücher, auch für den Tatort, schrieb sowie Hörspiele, Feature und sogar Kinder- und Jugendbücher verfasste. Daneben soll es einen Einblick in Leben und Schaffen des Wedelers geben, der seit 1963 in der Rolandstadt lebte. Weggefährten berichten über ihren Freund, Sohn Till, heute Lehrer in Hamburg, sowie Tochter Susanne über ihren Vater. „Sohn Thomas hat noch nicht geantwortet, aber ich hak nochmal nach“, verspricht Plüschau.

Am Mittwoch, 22. April, geht es um 19.30 Uhr los. Kinoraum ist diesmal das Unterdeck der Batavia. Zuerst wird „Einer fehlt beim Kurkonzert“ gezeigt. Regielegende Jürgen Roland verfilmte den Krimi in den 1960er Jahren auf der Insel Norderney – als Fernsehspiel damals noch auf  16-Millimeter-Zelluloid, und führt sogar selbst in die Handlung ein, weiß Kiwi-Aktivistin Nadia Al Kureischi. Im Anschluss gibt’s den Klassiker „Bei Westwind hört man keinen Schuss“, von Sepp Strubel Mitte der 1970er realisiert. Das besondere hier: Autor Hansjörg Martin tritt in einer Minirolle als Polizeiarzt auf.

Die Wedeler Initiative Kiwi versteht sich als gemeinnütziger Kulturverein, der „das Prinzip Kino wieder zurückbringen will in die Stadt“, erläutert Jochimsen. Kino als Kunstform wiederentdecken, Filmsprache verstehbar machen, nicht allein rezipieren, sondern auch analysieren, allerdings ohne den Unterhaltungscharakter zu vergessen – lautet der Anspruch. Kiwis Vision ist es natürlich, wieder ein festes Lichtspielhaus in der Stadt zu etablieren, so Jochimsen. Bis dahin jedoch findet der Verein andere Projektionsmöglichkeiten. Jeden zweiten Donnerstag im Monat lädt er zum Kiwi-Treff in den Vorführraum der VHS.

In der „Hansjörg Martin Nacht“ will Kiwi den Romanautor als Wedeler, als Verfilmbaren, als Regionalkrimischreiber zeigen. Martin habe den deutschen Krimi revolutioniert – und dafür 1986 das Bundesverdienstkreuz und 1989 den renommierten Glauser-Ehrenpreis bekommen, beschreibt Jochimsen seine Leistungen. Weil er als erster zeigte, dass Verbrechen nicht nur  im Umfeld der amerikanischen Mafia, sondern auch beispielsweise im beschaulichen Aurich stattfinden, sich durchaus  aus der Mitte der bürgerlichen Gesellschaft entwickeln. 

Plüschau und Grabau erinnern sich einfach an einen guten Freund. Dessen Markenzeichen: Kamelhaar-Duffelcoat, Baskenmütze, karierter Schal. In „Blut ist dunkler als rote Tinte“ hat Martin Plüschau sogar als Hauptakteur verewigt, Grabau spielt in dem Krimi einen Wirt. Es ging um die so genannte Haschaffäre, verrät der SPD-Politiker – und lacht. Genaueres plaudert er womöglich in der „Hansjörg Martin Nacht“ aus.

Die „Kino in Wedel Initiative“ (Kiwi) und das Theaterschiff Batavia, Brooksdamm, veranstalten am Mittwoch, 22. April, die große „Hansjörg Martin Nacht“. Beginn ist um 19.30 Uhr, das Ende offen. Grundsätzlich verkauft der Verein seine Tickets nicht, er bittet jedoch um eine Spende. Eine Vorbestellung ist dennoch sinnvoll. Das Kino unter Deck fasst etwa 80 Zuschauer. Die Batavia ist telefonisch unter 04103-85836 zu erreichen.
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