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Wedel-Schulauer Tageblatt

22. Oktober 2017 | 12:47 Uhr

Wedel : Das Job-Café hilft bei der Arbeitssuche

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Erste Erfolge: Arbeitskreis Bildung und Wirtschaft stellt Kontakt zwischen Unternehmern und Flüchtlingen in Wedel her.

shz.de von
erstellt am 12.Jan.2016 | 17:15 Uhr

Wedel | „In diesem Fall ist es so gelaufen, wie wir es uns immer wünschen, wenn der Arbeitgeber direkt mit dem Arbeitnehmer aus dem Saal geht“, sagte Ernst Hennings von der Agentur für Arbeit Elmshorn im Bauzentrum Lüchau. Dort arbeitet seit Anfang Januar Shadin Shamadi. Der 39-Jährige floh 2013 aus der iranischen Hauptstadt Teheran nach Deutschland. Dank des Job-Cafés des Wedeler Arbeitskreises Bildung und Wirtschaft steht er ab sofort wieder auf eigenen Füßen.

„Der erste Kontakt bam beim Job-Café zustande“, erläuterte Meike Michalowski, Personalabteilund beim Lüchau Baustoffhandel. Nach einem Vorstellungsgespräch, bei dem ein Übersetzer half, war die Entscheidung gefallen. „Wir haben ihn als angenehm und korrekt kennengelernt“, sagte Michalowski und ergänzte: „Auch wenn er überqualifiziert ist für den Job.“ In der Rolandstadt wird der 39-Jährige zunächst im Lager arbeiten. Mittelfristig soll er seine Lkw-Führerscheine machen, die der Baustoffhandel finanziert.

„Viele Flüchtlinge müssen sich beruflich komplett neu orientieren“, berichtete Jürgen Knauff, Leiter Arbeitgeberservice des Kreises Pinneberg der Bundesagentur für Arbeit. Die meisten hochqualifizierten Flüchtlinge müssten noch einmal studieren oder Teile nachholen. Shamadi ist Diplomtechniker für Webtechnik. „In Norddeutschland gibt es kein einziges Unternehmen im Textilgewerbe, wo es passen würde“, so Knauff.

Nachdem Shamadi beim Vorstellungsgespräch überzeugte, gab auch die Arbeitsagentur grünes Licht. „Wir haben dann auch bei der Wohnungssuche geholfen“, berichtete Michalowski. Ohne Nachweis über vorheriges Einkommen und Finanzunterlagen bei der Wohnungssituation im Hamburger Umland eine fast unlösbare Aufgabe. „Ohne Hilfe hätte er nichts bekommen. Wir haben auch die Kaution übernommen“, so Michalowski. Diese werde nach und nach zurückgezahlt.

„Wir suchen immer gute Leute“, sagte Baumarkt-Geschäftsführer Hauke Lüchau und ergänzte: „Wir sehen es als soziales Engagement, wir wollen aber natürlich selbst davon profitieren.“ Um den Mitarbeiterstamm auszubauen – aktuell beschäftigt das Unternehmen 110 Mitarbeiter in Wedel und 240 an den insgesamt sechs Standorten – sei er bereit, weitere Flüchtlinge einzustellen. „Wenn es passt, sagen wir nicht nein“, so Lüchau. Auch beim Sprachenlernen sei das Unternehmen behilflich.

„Die Situation, dass man eine Stelle ausschreibt und einen Mitarbeiter auswählt, gibt es nicht mehr“, erläuterte Wedels Wirtschaftsförderer Manuel Baehr. „Im Metallbau und KFZ-Gewerbe werden zahlreiche Arbeitskräfte gesucht“, berichtete Christian Fuchs, Vorsitzender der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU Wedel. Cornelia Mayer-Schwab, Leiterin der Volkshochschule (VHS) Wedel, bei der das Job-Café stattfindet, bietet auch individuelle Hilfe an: „Wir machen auch eins-zu-eins-Schulungen möglich. Unternehmen müssen uns nur ansprechen. Für April sei bereits die nächste Auflage des Job-Cafés geplant. Die Organisatoren wollen in Zukunft noch viel mehr potenzielle Arbeitgeber und Flüchtlinge zusammenbringen.

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