zur Navigation springen
Wedel-Schulauer Tageblatt

26. September 2017 | 16:51 Uhr

Wedel : „Das ist ein Spiel mit dem Feuer“

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Flüchtlingsheim: Scharfe Kritik an CDU-Statements

shz.de von
erstellt am 06.Jun.2015 | 16:00 Uhr

Die geplante Notunterkunft für Flüchtlinge an der Ecke Feldstraße  /  Rudolf-Breitscheid-Straße: CDU Fraktionschef Michael Kissig nannte sie einen „Schlichtbau zu Luxuspreisen“ und forderte, den „Notunterkunftsirrsinn an der Feldstraße“ zu stoppen (wir berichteten). Linke-Fraktionschef Detlef Murphy (Foto) dagegen sieht das Projekt als Ausdruck dafür an, dass Wedel das Wort „Willkommenskultur“ tatsächlich ernst nehme und erklärte: Seine Partei werde dem Bau „selbstverständlich zustimmen“. So wie es alle Fraktionen im Bauausschuss außer der CDU taten. Bedeutet ein mehrheitliches Ja für den Baubeschluss.

Und mit noch einer Haltung blieb Murphy nicht allein: Mit seiner Empörung über Art und Wortwahl, mit der der CDU-Fraktionschef öffentlich gegen das Projekt geschossen hatte. Murphy monierte einen „erschreckenden Misston“ in Kissigs Presseerklärung, die auch auf der CDU-Homepage veröffentlicht und auf der Startseite der offizielle Stadt-Homepage „wedel.de“ verlinkt wurde. „Das ist ein Sprachgebrauch, den ich bislang nur von Pegida oder ähnlichen Gruppierungen kenne“, so der Kommentar des Linke-Chef zu Kissigs Formulierung „die große Zahl an Flüchtlingen, die die Landesregierung täglich an der Stadtgrenze ablädt“.

Die CDU treibe ein „Spiel mit dem Feuer“, wenn sie die Unterbringung von Flüchtlingen in Zusammenhang mit Wedels Haushaltslage bringe, so Murphy. Wieder ein Zitat: Mit dem Feldstraßen-Projekt sollten „Wunschträume durchgeboxt“ werden, „die Wedel noch weiter an den Rand des Ruins treiben“. Wer so etwas in den Raum werfe, dürfe sich nicht wundern, wenn das von Gruppierungen aufgegriffen werde, die in Wedel glücklicherweise noch nicht aufgetreten seien, sagte der Linke-Politiker.

„Sie haben mir aus der Seele gesprochen“, kommentierte Ausschusschef Thomas Grabau (Grüne) Murphys Statement. Zustimmung gab’s auch von ganz unerwarteter Seite: „Mit einem großen Teil kann ich übereinstimmen“, entgegnete Ulrich Kloevekorn, baupolitischer Sprecher der CDU, auf Murphys Kritik. Er habe sich selbst geärgert und seine Entrüstung auch kundgetan. „Das ist nicht mit der Fraktion abgestimmt worden“, sagte Kloevekorn. Fakt sei aber: Die CDU votiere gegen den Standort, weil sie andere für geeigneter halte.

Es waren indes nicht allein politische Vertreter, die harsche Kritik an Kissigs Statement und der CDU-Haltung äußerten. Auch Bauamtschef Klaus Lieberknecht war angefressen: „Die Diskussion, die die CDU losgetreten hat, ist kontraproduktiv, ja fast schon diffamierend.“ So seien es mitnichten „Holzkisten“, in denen die Bewohner untergebracht würden – ein Begriff, den CDU-Vertreter Kay Burmester im Planungsausschuss nutzte. Wie Architektin Merle Zadeh darstellte, entsprechen Holzmodule einer modernen Bauart für langlebige Gebäude. Die von ihr geplanten Unterkünfte können gegebenenfalls später auch anderweitig genutzt werden. Die Holzbauweise sei günstig angesichts der schwierigen Gründung und sehr schnell zu realisieren, so Zadeh.

Lieberknecht monierte auch die Kostendiskussion. Zwei Millionen statt der ursprünglich angesetzten 800  000 Euro sei der neuen Dimensionierung geschuldet. Statt von 15 gehe die Stadt mit der aktuellen Planung von bis zu 50 Personen aus. Es gebe keine Kostensteigerung. Die Verwaltung habe lediglich aufgezeigt, welche Möglichkeiten es auf dem Grundstück gebe, um zeitnah möglichst viele Unterbringungsplätze zu schaffen. Es sei durchaus möglich, zunächst auch nur einen Teil des Ensembles mit dem bereits geplanten Geld zu realisieren, so Liebernecht. Man werde nun Ausschreibungen und ähnliches zurückhalten, bis klar sei, ob das Bürgerbegehren zum Erhalt der Grünfläche komme oder nicht.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen