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Wedel-Schulauer Tageblatt

14. Dezember 2017 | 02:11 Uhr

„Das ist ein katastrophaler Zustand“

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Mehr als 100 Wedeler Grundschulkinder ohne Betreuungsplatz /Räume und Erzieher fehlen / Elterninitiative sammelt Unterschriften

shz.de von
erstellt am 04.Feb.2014 | 16:00 Uhr

Zum neuen Schuljahr 2014 / 2015 fehlen in Wedel Schulbetreuungsplätze für mehr als 100 Kinder. Die Jungen und Mädchen stehen derzeit noch auf der Warteliste. „Das ist ein katastrophaler Zustand“, bringt Antonia Makrellis ihr Unbehagen auf den Punkt. Gemeinsam mit Kerstin Herrmann, Britta Wien-Hansen und Claudia Meyer gründeten die vier Frauen eine Elterninitiative für mehr Schulbetreuungsplätze. Denn sie alle sind berufstätige Mütter. Und sie alle haben noch keinen Betreuungsplatz für ihre künftigen Erstklässler.

Im Rahmen der Initiative sammelten die Frauen Unterschriften, sie hängten die entsprechenden Listen in Kindergärten aus. „Etwa 120 Unterschriften kamen dabei zusammen“, sagt Herrmann. Die aktuellen Zahlen sprechen für sich: An der Altstadt-Schule fehlen 45 Plätze, an der Moorwegschule 40 und an der Albert-Schweitzer-Schule rund 30 Plätze.

Die Eltern werden langsam unruhig. Sofern sich die Situation bis nach den Sommerferien im August nicht ändert, müssten sie ihre Kinder jeden Tag um 12 Uhr von der Schule abholen. „Dabei arbeiten die meisten von uns in Hamburg und haben Fahrzeiten von einer Stunde“, sagt Herrmann. „Und selbst mit einer halben Stelle wäre das nicht machbar“, fügt Makrellis hinzu.

Was sie auch deutlich machen wollen: Die Zahlen der benötigten Betreuungsplätze in der Rolandstadt werden nicht weniger. „Viele junge Familien ziehen mit ihren Kindern nach Wedel. Deswegen wird eine langfristige Lösung gebraucht“, sind sie sich einig.


Im schlimmsten Fall droht der Jobverlust


Die Kindertagesstätten seien mittlerweile gut auf die Ganztagsbetreuung ausgerichtet. Dass die Kinder nun auch nachmittags in der Schule versorgt werden sollen sei eine logische Konsequenz, so Makrellis und Herrmann.

Selbst wenn auf Tagesmütter ausgewichen werden wollte: Es gibt laut Familienbildung keine Kapazitäten, so Herrmann. „Wir haben uns nach der Babypause mühsam in den Job zurückgekämpft und sind nun der Gefahr ausgesetzt, ihn im schlimmsten Fall zu verlieren“, sagt die dreifache Mutter Makrellis.

Es würden zwar auch Arbeitsgemeinschaften für die Schüler angeboten werden, „aber als Berufstätige kann man sich nicht darauf verlassen“, so Makrellis. Herrmann kenne Eltern, die ihre Kinder bereits mit dem Eintritt in den Kindergarten für die Betreuung in der Schule anmeldeten. Mittlerweile ist der Anmeldezeitraum jedoch befristet: Seit den Sommerferien 2013 war das möglich, vor wenigen Tagen war Anmeldeschluss.

In der Politik ist die Problematik bekannt. Die Wedeler Fraktion vom Bündnis 90 / Die Grünen reichte für den Ausschuss für Bildung, Kultur und Sport am Mittwoch bereits einen Antrag ein. Sie fordern den bedarfsgerechten Ausbau der Schulkinderbetreuung ab August dieses Jahres.

Etwa 100 Kinder unterzubringen sei aus „heutiger Sicht nicht denkbar“, so Burkhard Springer, Fachdienstleiter für Bildung, Kultur und Sport. Wenn sich an dem aktuellen Bedarf nichts ändert, rechnet er mit drei neuen Betreuungsgruppen an den Wedeler Grundschulen. Das wären rund 60 neue Plätze. Speziell bei der Altstadt-Schule müsste auf schulnahe Gebäude ausgewichen werden, denn dort sind nicht genügend Räume vorhanden. Drei Gruppen würden den Zuschussbedarf seitens der Stadt um etwa 60 000 Euro erhöhen. Dann könnte auch wieder eine Gebührenerhöhung auf die Eltern zukommen. Erst vergangenes Jahr wurde eine Erhöhung von zehn Prozent beschlossen.

Außerdem komme ein Mangel an Erziehern hinzu. Dazu seien die Arbeitszeiten – sie beschränken sich auf den Nachmittag – nicht attraktiv, so Springer. Vor allem sei nun eine schnelle Entscheidung seitens der Politik wichtig. „Wir brauchen den Handlungsauftrag, die Eltern brauchen die Sicherheit“, sagt er.

Makrellis und Herrmann haben bereits nach Alternativen Ausschau gehalten. Sicher sei, dass nicht die Großeltern der Kinder verpflichtet werden könnten. „Zumal die meistens gar nicht in Wedel wohnen, viele sind Zugezogene“, weiß Herrmann. Vielmehr sieht sie die Stadt in der Pflicht, das Problem in den Griff zu bekommen. Deswegen werden die Vertreter der Initiative am morgigen Mittwoch, 5. Februar, beim Ausschuss für Bildung, Kultur und Sport die Einwohnerfragestunde nutzen, um ihr Anliegen kundzutun. Sie hoffen auf weitere Unterstützer.

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