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Wedel-Schulauer Tageblatt

19. Oktober 2017 | 00:46 Uhr

Wedel : Das ist die Flüchtlings-Agenda

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Knapp 200 Bürger erleben sachorientierte Einwohnerversammlung. 118 Plätze noch in 2015 benötigt. Bedenken am Moorweg.

shz.de von
erstellt am 23.Sep.2015 | 16:00 Uhr

Wedel | Die Flüchtlingssituation in Wedel stand als einziges Thema auf der Tagesordnung der Einwohnerversammlung – es war genug, um rund 200 Bürger in den Ratssaal zu locken. „Überwältigend, wie viele Menschen gekommen sind“, sagte Stadtpräsidentin Renate Palm (WSI) in ihrer kurz gehaltenen Begrüßung. Es zeige, wie aktuell das Thema in Wedel ist, so Bürgermeister Niels Schmidt. Schmidt sprach von einer internationalen humanitären Katastrophe, die auch für die Kommune eine Riesenherausforderung darstelle. Welche, belegten der Verwaltungschef und seine Mitarbeiter durch Zahlen und einen Abriss der Situation, die sich „von Woche zu Woche ändert“.

Die Zahlen: Laut Sozialamtschef Oliver Wleklinski leben aktuell 410 Personen in elf städtischen Unterkünften und 20 angemieteten Wohnungen. 268 sind Asylbewerber, 129 Wohnungslose, 13 Aussiedler. 150 Asylbewerber sind bislang 2015 nach Wedel gekommen. Etwa die gleiche Zahl wird bis Ende des Jahres noch erwartet. Zum Vergleich: 2014 waren es 88 Asylbewerber, 2013 nur 49. Insgesamt rechnet Wedel für 2015 mit 430 Unterbringungsfällen. Bedeutet: Bis Ende des Jahres fehlen 118 Wohnplätze.

Die Pläne: Wleklinski: „Silvester bricht der Flüchtlingsstrom ja nicht ab. Wir müssen auch für 2016 und 17 planen.“ Bauamtschef Klaus Lieberknecht stellte konkrete Projekte vor. Die Feldstraße, wo bei Scheitern des Bürgerentscheids mit dem Bau eines Wohnhauses für rund 50 Personen begonnen werden soll. Maximal 30 Personen könnten in einem Bau auf dem Parkplatz Heinestraße unterkommen. Am Steinberg, wo Wedel auf Investoren setzt, die bauen und an die Stadt vermieten, soll ein Komplex mit bis zu 70 Plätzen entstehen. Schmidt verdeutlichte indes, dass eine Realisierung nicht vor 2016 möglich sei: „Diese Bauvorhaben helfen uns bei der aktuellen Suche nach 118 Plätzen nicht.“ Turnhallenbelegungen oder Zeltstädte seien keine Option, Wedel prüft jedoch die Belegung von Gewerbegebäuden. Zudem verwies der Bürgermeister auf mögliche Unterbringungen im TSV-Heim und im Haus Sonnenschein am Moorweg. Bis Ende Oktober sollen dort sechs Familien-Wohnungen für bis zu 40 Personen fertig sein.

Bedenken und Ängste: Während Ex-CDU-Ratsherr Horst Bastian den Parkplatz Heinestraße auf Grund der Verkehrssituation und des Stellflächenverlusts als Unterbringungs-Standort kritisierte, kamen skeptische Anwohnerbeiträge insbesondere aus der Nachbarschaft des früheren Altenheims Haus Sonnenschein. Von „Einpferchen“ war die Rede. Fragen nach Belegung – „nicht nur junge Männer?“ –, nach Betreuung oder Maßnahmen, die für und im Sinne der Anwohner ergriffen werden, wurden laut. Ebenso klangen Sicherheitsbefürchtungen an.

Wedels Unterkünfte: Rot gekennzeichnet die bestehenden, blau die geplanten.
Wedels Unterkünfte: Rot gekennzeichnet die bestehenden, blau die geplanten.
 

Bemühungen, Erfahrungen, Hoffnungen: Schmidt nannte den Unterbringungsdruck als Grund für eine enge Belegung, die zudem nicht immer gängigen Wohnstandards entsprechen könne. Für das „Haus Sonnenschein“ seien Familien vorgesehen – „aber wir müssen auch sehen, wer tatsächlich kommt“, so Wleklinski. Die Stadt sei laut Schmidt sehr bemüht, auf Sozialverträglichkeit der Bewohner untereinander wie auch mit der Nachbarschaft zu achten. „Natürlich gibt es auch mal Probleme, aber ich glaube, die haben wir im Griff“, so Schmidt. Von kriminellen Vorfällen sei bislang nichts in Wedel bekannt, sagte der Verwaltungschef.

Rückendeckung gab’s gleich mehrfach. Etwa durch einen Anwohner, der die Belegung des Haus Sonnenschein ausdrücklich begrüßte: „Wo kann Integration besser funktionieren als mitten in unseren Straßen?“ Applaus. Heidi Keck, ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe tätig, lobte die dezentrale Unterbringung in Wedel. Das entspanne die Lage und vermeide Konfliktpotenzial. Auch mit Hilfe der Bewohner seien „schöne, wohnliche Quartiere“ entstanden. Die mehr als 100 Ehrenamtler würden jeden Flüchtling kennen und begleiten, was ein gedeihliches Miteinander fördere. „Und ich kenne keinen einzigen negativen Zwischenfall im laufenden Jahr“, so Keck.

Nancy Gomez, ebenfalls ein Aktivposten der Wedeler Willkommenskultur, lobte darüber hinaus ausdrücklich Stadt, Politik und engagierte Bürger für den Umgang mit der Flüchtlingssituation: „Wedel ist ein gutes Beispiel für das ganze Land“, so Gomez.

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