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Wedel-Schulauer Tageblatt

22. November 2017 | 10:33 Uhr

Das Geheimnis um die Lutherbank

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Enthüllung An einem verborgenen Ort arbeitet Kettensägenkünstler Dirk Roßkamp an einem Standbild des Reformators

Eine Enthüllungs-Geschichte – und im Mittelpunkt steht Martin Luther. In der Kirchengemeinde Haselau wächst die Spannung seit Tagen. Am Sonntag, 9. Juli, wird im Rahmen eines Festes endlich das Geheimnis gelüftet: Nach einer Andacht um 15 Uhr wird Pastor Andreas-Michael Petersen vor der Heiligen-Dreikönigskirche das Tuch von der neuen Attraktion, der Lutherbank, entfernen. Geschaffen wurde das Werk vom Kettensägenkünstler Dirk Roßkamp, der seit fünf Jahren in Haselau lebt.

500 Jahre Reformation: In Haselau wird das Jubiläum mit einer Reihe von Veranstaltungen gefeiert. Mit der neuen Bank soll auch etwas Nachhaltiges geschaffen werden. Und das wird charmant zelebriert: Auf der Homepage www.kirche-haselau.de ist ein 42 Sekunden dauernder Youtube-Beitrag zu finden, der holzschnittartig in Detailbildern den Fortschritt der Arbeiten dokumentiert.

Wo Roßkamp mit seinen fünf Kettensägen aus dem etwa zwei Meter hohen und 1,20 Meter breiten Kastanienstamm das Standbild Luthers herausarbeitet, ist streng geheim. Auf die Idee ist Petersen beim Kirchtrumfest gekommen. Dort hatte der Pastor Arbeiten Roßkamps gesehen. Ursprünglich wollte der Gottesmann, der in seiner Freizeit begeisterter Imker ist, eine Klotzbeute kreieren lassen. „Es ist eine uralte Tradition, ausgehölte Baumstämme als Bienenbehausungen zu nutzen“, erläutert Petersen. Die Klotzbeuten wurden oft kunstvoll verziert oder waren Skulpturen. „So einen Luther hätten wir auch auf dem Kirchhof aufstellen können“, sagt der Pastor. Doch der Kirchengemeinderat hat zu seinem Bedauern abgewunken – zu gefährlich. So wurde aus dem summenden Luther kurzerhand eine Ruhebank.

Roßkamp ist seit zehn Jahren mit seinen Kettensägen künstlerisch tätigt. „Auslöser war ein Handwerkermarkt in Schweden“, erinnert er sich. Das wollte er auch ausprobieren. Und ist nun von der Bildhauerei infiziert. Ob Eule, Hund, Bär oder Troll – der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Petersen ist fasziniert von der Arbeitsweise Roßkamps. „Er sieht das Stück Holz und fängt an zu sägen.“

Doch Luthers Geburt geht nicht ohne Komplikationen ab. „Jeder Stamm hat seine Tücken“, weiß Roßkamp. In diesem Fall war es ein nicht zu sehender Nagel, der etwa 20 Zentimeter eingewachsen war. Da flogen dann die Funken. Kastanienholz hat er gewählt, weil es lange haltbar ist. Öl soll diese Eigenschaft noch unterstützen. An der richtigen Mischung arbeitet Tischler Jürgen Wulff, der auch die Bank zur Skulptur herstellt.

Nach der Enthüllung können sich Besucher am Sonntag mit Luther auf ein Polaroidfoto zur Erinnerung ablichten lassen. Zudem gibt es Lutherbier, Kaffee und Kuchen sowie Kirchwein.


Zwei weitere Höhepunkte


Und es gibt zwei weitere Höhepunkte. Zum Turmjubiläum erhielt die Gemeinde vom Verein Historische Sammlung eine kleine Schiffsglocke und ein selbstgedrehtes Seil. „Das war ein tolles Geschenk, sehr überwältigend“, sagte Petersen. Die Glocke wird einen Platz im Eingangsbereich der Kirche erhalten.

Zudem wird im Küsterhaus neben der Kirche die Ausstellung „Was ist der Mensch?“ eröffnet, eine Schau mit 366 Bildern von Persönlichkeiten, die der inzwischen verstorbene Mediengestalter Hanfired Kimstädt mit seinem Gesicht versehen hatte. Sie ist bis 10. September zu sehen.

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