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Sozialausschuss : Das DRK wirbt für Senioren-WG-Projekt

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Komplex für betreute selbstbestimmte Wohngemeinschaften kommt gut an. Investitionsvolumen: sechs Millionen.

shz.de von
erstellt am 15.Jun.2017 | 14:00 Uhr

Wedel | Ambulant betreute, selbstbestimmte Wohngemeinschaften für Senioren, die noch rüstig sind, und auch für bereits demenziell erkrankte alte Menschen: Braucht Wedel das? Das DRK plant auf dem Gelände der ehemaligen Rettungswache an der Pinneberger Straße ein Bauprojekt, das zugeschnitten auf die Bedürfnisse zweier solcher Senioren-WGs ist. Der Planungsausschuss musste sich mit dem Thema beschäftigen, weil die ersten Entwürfe eine B-Plan-Änderung nötig machen. Vor etwaigen Beschlüssen solle erst einmal der Fachausschuss drübergucken und eine Einschätzung über das Wohnprojekt abgeben, befanden dessen Mitglieder. Deswegen stellten DRK-Geschäftsführer Heico Lange und Birgit Stockmann, Leiterin der Wedeler Sozialstation, auch den Mitgliedern des Ausschusses für Jugend und Soziales in der jüngsten Sitzung ihre Idee vor.

Allerdings bereits in einer abgespeckten Form. Nach Beratungen mit der Stadt sei man von zwölf WG-Zimmern in beiden Etagen, Erdgeschoss und erstem Stock, auf je neun Wohnräume heruntergegangen, erläuterte Lange. Der gesamte Baukörper sei so in der Breite reduziert. Der jeweilige Gruppenraum ist mit der Küche zu einem Gemeinschaftsraum verschmolzen. Im Staffelgeschoss seien allerdings nach wie vor neun separate Wohnungen geplant. Deren Größen reichen von 50 bis 72 Quadratmeter, für Angehörige oder für den freien Wohnungsmarkt. „Wir sprechen immer noch über eine Machbarkeitsstudie“, betonte Lange immer wieder. Damit wies er bewusst auf den wandelbaren Charakter des Entwurfs hin.

Pflegedienstleiterin Stockmann erläuterte, wieso das DRK überhaupt dieses ungewöhnliche Wohnexperiment wagen will. Allein zu Hause, wenig Sozialkontakte und steigende Pflegebedürftigkeit: Immer häufiger hätten die ambulanten DRK-Pflegekräfte von der Einsamkeit alter Menschen in Wedel berichtet. Der wolle man durch das gemeinsame WG-Leben offensiv zu Leibe rücken. Die Betonung liege bei der Idee auf „selbstbestimmt“. Die Bewohner – älter als 65 Jahre, mit körperlicher Einschränkung und Pflegegrad unten, mit dementieller Erkrankung oben – organisieren und verantworten ihre Tagesgestaltung selbst, aber in Absprache mit den Wohngenossen. Haushaltskasse, Speiseplan, Tagesstruktur, Anschaffungen und neue Mitbewohner, alles ein Fall fürs gemeinsame Mietergremium. Bei den Demenzkranken helfen die Angehörigen oder Betreuer. Gemeinsam soll hier sogar definiert werden, welcher Grad der Erkrankung in der WG noch tragbar ist.

Welcher ambulante Dienst die Bewohner in ihrer individuellen Pflege betreut, ist wiederum die Entscheidung jedes Einzelnen. Ehrenamtliche sollen dafür gewonnen werden, den Mehrzweckraum mit Programm zu füllen. In Barmstedt gebe es bereits gute Erfahrungen mit solch einer WG-Form, berichtete Stockmann. In Berlin seien vor allem die Plätze für demenziell Erkrankte schnell weggegangen. Die Erfahrungen sind durchweg positiv. Auch in Wedel lägen bereits Anfragen vor.

Wunsch nach sozialer Komponente

Das Konzept kam auch beim Fachgremium gut an. Allerdings bedauerten die Politiker über die Fraktionsgrenzen hinweg, dass es keine Sozialquote gebe. „Ich hätte mir so etwas auch für sozial Schwächere gewünscht“, sagte Jutta Kross (SPD), gerade vor dem Hintergrund steigender Altersarmut. Bauunternehmen verlangten momentan mehr Geld, die Finanzierung des Fünf-bis-Sechs-Millionen-Projekts spreche dagegen, erwiderte DRK-Geschäftsführer Lange. Dennoch banden die Ausschussmitglieder den sozialen Aspekt in ihre Empfehlung für den Planungsausschuss mit ein. Sie nähmen das Projekt wohlwollend zur Kenntnis, formulierten sie, doch bestehe der Wunsch nach einer sozialen Komponente.  

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