Schleswig-Holstein Musikfestival : Das David Orlowsky Trio in Haseldorf

Tanzbar: Das Orlowsky Trio – Florian Dohrmann (v. l., Bass), David Orlowsky (Klarinette) und Jens-Uwe Popp (Gitarre) – brachte den fast ausverkauften Rinderstall in Schwung.
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Tanzbar: Das Orlowsky Trio – Florian Dohrmann (v. l., Bass), David Orlowsky (Klarinette) und Jens-Uwe Popp (Gitarre) – brachte den fast ausverkauften Rinderstall in Schwung.

Das David Orlowsky Trio begeistert das Publikum mit seinem Auftritt im Haseldorfer Rinderstall beim Schleswig-Holstein Musik Festival.

shz.de von
29. Juli 2015, 14:00 Uhr

Haseldorf | Sie mutet für europäische Ohren orientalisch an, klingt mal fröhlich, rhythmisch und rasend schnell, mal elegisch und melancholisch: Klezmer, die traditionelle jiddische Volksmusik, liegt voll im Trend. Darauf spezialisiert hat sich das preisgekrönte David Orlowsky Trio, das mit seinem Programm „Klezmer Perspectives“ beim Schleswig-Holstein Musik Festival (SHMF) am Montagabend im Haseldorfer Rinderstall einen Querfeldeinmarsch durch die bunte Vielfalt dieser Musik präsentierte.

Die Künstler David Orlowsky (Klarinette), Jens-Uwe Popp (Gitarre) und Florian Dohrmann (Bass) spielten vor vollem Haus: Fast alle der 1200 Plätze waren besetzt. Orlowsky beeindruckte aber nicht nur mit seinem Spiel, er gab auch kleine Anekdoten zu den einzelnen Liedern zum Besten, die fast alle von seinem Trio eigens bearbeitet wurden. Etwa, dass Dave Tarras von seinen Zeitgenossen als zu perfekt und daher langweilig bezeichnet wurde und dass der Naftule Brandwein sich selbst ganz Bescheiden zum „König des Klezmer“ erklärte. Den beiden Klezmer-Größen war das Konzert gewidmet.

Jeder der drei Musiker hatte mehrere Soli, doch vor allem Orlowsky demonstrierte eindrucksvoll das komplette Spektrum seines Instruments: Töne aus dem Nichts, höllisch schnelle Tonrepetitionen, Triller und Verzierungen, Frullato, nahtlose Glissandi und sogar hämisches Lachen. Popp und Dohrmann zeigten sämtliche Zupftechniken auf ihren Instrumenten, die auch für Percussion herhalten mussten. Dazu noch eine Portion Witz: „Brandwein drehte sich immer um, wenn er wusste, dass Klarinettisten im Publikum sind, damit die bloß nicht seine Grifftechnik abgucken können“, hatte Orlowsky schmunzelnd erklärt und wandte das Prinzip dann gleich selbst an – genauso wie Bassist Dohrmann.

„Viele Menschen sprechen uns nach den Konzerten an und sagen, dass sie gern zu unserer Musik getanzt hätten“, erklärte Orlowsky. „Wir haben da die Methode des Sitztanzens erfunden, das dürfen Sie gern ausprobieren.“ Gesagt, getan: Im ganzen Saal sah man nickende Köpfe und wippende Füße. Kein Wunder, ist Klezmer doch ursprünglich Tanzmusik. Das phänomenale Klangspektakel des Orlowsky Trios erntete eruptiven Beifall und kam so gut bei den Fans an, dass in der Pause nicht nur etliche CDs, sondern vor allem Notenhefte über die Theke gingen. Diese wurden nach dem Konzert bei einer Autogrammstunde signiert.

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