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Das Zwergenland in Wedel : Das Aus kommt nach 53 Jahren

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Der kleine Kindergarten am Redder schließt aus wirtschaftlichen Gründen zum 31. März. Kinder werden von anderer Kita übernommen.

shz.de von
erstellt am 19.Feb.2015 | 10:00 Uhr

Wedel | Kleine Hände wirbeln bunte Tücher über den flauschigen Marienkäferteppich. Ein grüner Mini-Drache bahnt sich seinen Weg Richtung Kuschelhöhle, wo zwei Steppkes entspannt schnatternd auf dem Rücken liegen. Plastikgeschirr rasselt aus einem Korb auf den Boden der Holz-Hochebene der Kinderküche. Im kleinen Gruppenraum ein Nachwuchs-Zugführer, der einen Lego-Zug auf die Reise schickt. Alltag im Zwergenland, dem familiäre Kindergarten direkt neben einem Wohnhaus am Redder. Er ist Anneke van Loos Heimat. Sie selbst war ein Zwergenland-Kind, ihre Mutter die Leiterin. Wie zuvor die Großmutter, die die Einrichtung vor 53 Jahren gründete. Jetzt steht sie vor dem Aus.

Schon als van Loo zur Schule kam, sei ihr klar gewesen: Auch sie wird diesen Kindergarten übernehmen. „Das war immer mein Traum“, sagt die heute 36-Jährige. 2002 ging er in Erfüllung und bescherte ihr einen Herzensjob. Er blieb es – trotz der Entbehrungen, der wirtschaftlich harten Zeiten, der permanenten unbezahlten Überstunden. Häufiger habe sie existenzielle Sorgen gehabt, habe gekämpft, es geschafft. Das ist vorbei. Am vergangenen Donnerstag musste van Loo den Eltern ihrer Kinder kündigen, fristgerecht zum 31. März. Dann ist das Zwergenland Geschichte.

Das Aus – es ist eine „emotionale Katastrophe“, so van Loo. Doch sei der Punkt gekommen, an dem klar ist, dass die Kita einfach zu klein sei, um unter den gegebenen Umständen überlebensfähig zu sei. Zwischen 15 und 20 Kinder von zwei bis sechs Jahren, davon bis zu fünf Krippenkinder: Da ist kein Spielraum, vier Weggänge zum April, die sich jetzt abgezeichnet haben, zu kompensieren. Denn, so die 36-Jährige: Gelder fließen von der Stadt pro betreutes Kind. Das funktioniert bei Auslastung, nicht aber, wenn mehrere Schützlinge fehlen und trotzdem die Fixkosten etwa für ihre zwei Kolleginnen weiterlaufen.

Was das Zwergenland gebraucht hätte, wäre ein Defizitausgleich für den Betrieb. Dann ließen sich auch magere Zeiten überbrücken. Das konnte sie bei der Stadt jedoch nicht durchsetzen. Ein Systemproblem, dass der Einrichtung bereits seit Jahren zu schaffen mache, sagt van Loo. Ohne Zorn auf die Verwaltung, wohlgemerkt.

Größere Investitionen von Stadtseite nicht möglich

Die Stadt habe sie tatkräftig unterstützt innerhalb des Möglichen. Auch bei kleineren Investitionen. Größere seien nicht möglich gewesen, weil der Kindergarten mit gemieteten Räumen bei van Loos Eltern keine ausreichende Dauer der Institution habe garantieren können, so die Wedelerin. Ganz aktuell steht erst wieder ein Wasserschaden auf der Liste, die schon häufig nur mit privatem finanziellen Engagement habe abgearbeitet werden könne.

Nun also der Schlussstrich– vor Ende des Kita-Jahrs. Warum? Ohne Aussicht auf Fortbestand laufe sie Gefahr, ihre Kolleginnen zu verlieren und keine Betreuung mehr gewährleisten zu können, so die Zwergenland-Leiterin. Was bleibt, ist ihre Sorge um die restlichen 13 Kinder – sechs von ihnen im Vorschulalter. „Es wäre großartig, wenn die als Gruppe umziehen könnten“, so van Loos Hoffnung gestern Morgen. Am Nachmittag dann die erlösende Nachricht für die Eltern: Mit Hilfe der Stadt wurde eine Lösung gefunden.

„Eine Super-Lösung“, sagt Zwergenland-Mutter Kirstin Rossmann, merklich erleichtert. Und glücklich darüber, dass ihre Söhne Mattis und Thies einen Platz bekommen und mit den anderen Kameraden zusammenbleiben kann. Die Gruppe werde in der neuen DRK-Kita Spatzennest unterkommen, so Rossmann. Und laut Auskunft der Verwaltung soll auch für die Erzieherinnen eine mögliche Perspektive gefunden sein. Das sind tröstende Nachrichten – auch für van Loo.

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