Concordia vorerst gerettet

Vorsitzender Rolf Herrmann (Mitte) ehrte Heini Jürgs (rechts) für 70-jährige Mitgliedschaft. Gerhard Koopmann ist seit sechs Jahrzehnten aktiv dabei.
Vorsitzender Rolf Herrmann (Mitte) ehrte Heini Jürgs (rechts) für 70-jährige Mitgliedschaft. Gerhard Koopmann ist seit sechs Jahrzehnten aktiv dabei.

Hartes Ringen um den Fortbestand des ältesten Vereins von Haselau / Männerchor will in kleiner Formation weitermachen

shz.de von
13. Januar 2018, 16:00 Uhr

Es war eine emotional aufgeladene Stimmung: Auch während der diesjährigen Jahreshauptversammlung des Männergesangvereins Concordia Hohenhorst von 1892 hing das Damoklesschwert der Vereinsauflösung über den Mitgliedern. Der älteste Verein Haselaus hat, wie viele Chöre, mit schwindenden Mitgliederzahlen und dem wachsenden Altersdurchschnitt Probleme. Doch einfach aufstecken und den Deckel der Chorchronik für immer verschließen – das wollten einige der Sänger nicht. Unter ihnen Gerhard Koopmann: Er war gerade vom Vorsitzenden Rolf Herrmann für 60-jährige Mitgliedschaft ausgezeichnet worden und kämpfte wie ein Löwe für den Fortbestand des Chors. Mit Erfolg: Die Concordia ist gerettet – vorerst jedenfalls.

Wer im Chor ist bleibt. Das wurde während des Rechenschaftsberichts von Herrmann einmal mehr deutlich. Die durchschnittliche Mitgliedschaft der 13 Sänger: 41,5 Jahre, das mittlere Alter der Aktiven: 77,6 Jahre. Auch Chorleiterin Alla Kuklja, die mit Strenge regiert, ist bereits seit 2004 dabei. Das Vereinslokal ist von Anfang an der Jägerkrug Hohenhorst.

Für die Sänger ist die Teilnahme an der wöchentlichen Probe – immer donnerstags um 19.30 Uhr – nicht nur Pflicht. So wie für Hans Heinrich Jürgs, von allen nur „Heini“ genannt. Er gehört zu den Wiedergründungsmitgliedern nach dem Zweiten Weltkrieg, wie Herrmann betonte, bevor er ihn für seine 70-jährige Mitgliedschaft in der Concordia auszeichnete. Neben einer Urkunde bekam der begeisterte Sänger auch eine goldene Ehrennadel mit Eichenkranz, die die Zahl 70 ziert. „Der Verein wollte mich schon mit 15 Jahren haben“, sagte der Geehrte nicht ohne Stolz. Chorleiter war damals Dorfschullehrer Fritz Klostermann. Es sei eine schöne Zeit gewesen, resümierte Jürgs. Um anzukündigen, nach 70 Jahren kürzer treten zu wollen. Doch davon wollte Koopmann nichts hören. „Heini ist mein Werber“, verriet er und wischte dessen Rücktrittsgedanken energisch beiseite.

„Ich bin ein Kämpfer für die Musik und den Gesang“, sagte Koopmann sichtlich bewegt. Bis heute sei er mit Freude dabei. Die längste Zeit habe er unter Chorleiter Günter Kolodziej gesungen, der von 1954 bis 1997 die Concordia leitete. „Mit Frau Kuklja war es aber die schönste Zeit“, sagte er in Richtung der amtierenden Dirigentin. Und das solle auch so bleiben. Das Schlimmste, was man als Sänger erleben müsse, sei, wenn der Chor dem Erdboden gleichgemacht werde. Er regte an, in einer kleineren Gesangsgruppe aufzutreten. „In Hetlingen gab es das auch mal“, erinnerte er die Kameraden.

Dieter Günther, der seit Jahrzehnten mit seinen Solo-Beiträgen glänzt, meinte: „Wir sollten nicht sentimental werden.“ Aber Koopmann lies das unbeeindruckt. „Es stand mir bis zum Hals, als mir gesagt wurde, es ist der letzte Auftritt, das hat meine Person echt gekränkt“, gab er zu. Er habe bereits Abwerbeangebote bekommen. „Aber so einer bin ich nicht“, sagte er.

In das Loblied auf Kuklja stimmte auch Vorsitzender Herrmann mit ein. „Sie haben viel für unseren Chor getan“, lobte er. Sie habe den Sängern Qualität beigebracht, mit der man sich auch als kleiner Chor sehen lassen kann.


Eisbeinessen und Grillabend

Statt Auflösung soll nun in kleinerer Runde weitergesungen werden. Allerdings zogen sich drei Aktive zurück. „Wir sollten weitersingen, wir müssen das Niveau ja nicht so hoch schrauben“, appellierte Werner Konau. Der Antrag, die Concordia vorerst nicht aufzulösen, wurde mit acht Ja-Stimmen angenommen.

Zudem wurden zwei Termine zur Pflege der Geselligkeit festgezurrt: Am Freitag, 2. Februar, findet ab 18 Uhr ein Eisbeinessen statt. Und der traditionelle Grillabend wurde auf den 8. Juni terminiert. Anmeldungen nimmt der Vorsitzende unter Telefon (0 41 29) 7 34 entgegen.

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