zur Navigation springen
Wedel-Schulauer Tageblatt

23. August 2017 | 08:40 Uhr

Wedel : China-Flagge weht vor dem Rathaus

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Wang Shugang erhält 16. Ernst-Barlach-Preis. „Ehrung für einen großartigen Künstler und aufrichtigen Menschen.“

Wedel | „Heute ist das erste Mal in der Geschichte Wedels, dass die Flagge der Volksrepublik China auf dem Rathausplatz weht“, erklärte Bürgermeister Niels Schmidt. Grund war die Eröffnung der Ausstellung von Wang Shugang und dem Bejing Berlin Projekt im Ernst-Barlach-Museum sowie die Verleihung des Ernst- Barlach-Preises an den 54-jährigen Künstler. Zu dieser war auch Shi Mingde, Botschafter der Volksrepublik China in der Bundesrepublik Deutschland, angereist, der die Geste von Schmidt zu würdigen wusste: „Das ist sehr gut bei uns angekommen.“

„Wang Shugang ist ein Künstler des interkulturellen Austauschs“, lobte der Diplomat, der den Bildhauer schon seit mehr als zehn Jahren kennt. Während die chinesische Kultur auf Harmonie basiere, sei die europäische eher eine Streitkultur. „Man streitet, um zur Harmonie zu kommen“, so Mingde. Der Bildhauer, der mit einer Deutschen verheiratet ist, sei daher ein gutes Beispiel für den Austausch zwischen beiden Ländern. „Mit diesem Preis setzen sie ein Zeichen für die Völkerverständigung und Stabilität in dieser Welt“, so der Botschafter.

„Sie sind wohl durch die Armut zur Bildhauerei gekommen“, scherzte Gregor Jansen, Leiter der Kunsthalle Düsseldorf, in seiner Laudatio. Shugang kam im zweiten Jahr der chinesischen Kulturrevolution in die Schule, wo früh sein künstlerisches Talent entdeckt wurde. Als er elf Jahre alt war, wurden seine Propagandacomics in Japan ausgestellt. Später konnte er sich die Ölfarben fürs Malen nicht leisten und widmete sich Skulpturen aus Ton und anderen Stoffen.

Eine Käthe-Kollwitz-Ausstellung 1982 in China und eine Tibet-Reise 1984 hätten Shugang künstlerisch geprägt. 1989 wanderte der Künstler nach Deutschland aus, wo er in Essen lebte. In der Zeche Zollverein richtete er ein Atelier ein. Nachdem er seine heutige Frau Julia kennengelernt hatte, kehrte er 2000 nach China zurück. „Ein Neuanfang mit 40 Jahren“, so der Laudator. Von da an habe sich der Bildhauer mit seinen Werken der Toleranz und der Vernunft gewidmet. „Es ist eine Ehrung für einen großartigen Künstler und aufrichtigen Menschen“, so Jansen.

Jürgen Doppelstein, Vorsitzender der Ernst-Barlach-Gesellschaft, überreichte den Preis an den Künstler und wandte sich anschließend an den chinesischen Botschafter: „Meine persönliche Bitte an Sie ist, dass Sie sich dafür einsetzen, dass Ernst Barlach in China bekannter wird.“ Nach einer kurzen Pause setzte er schmunzelnd fort: „Das Nationalmuseum wäre ein passender Ort.“ Den Ball griff der Botschafter auf: „Ich verspreche es Ihnen. Ab heute.“ Anschließend ließ er sich durch die Ausstellung führen – wie zahlreiche Besucher, die den Weg ins Ernst-Barlach-Museum gefunden hatten.

Der Ernst-Barlach-Preis ist mit 5000 Euro dotiert und wurde 1991 erstmals von der Ernst- Barlach-Gesellschaft Hamburg verliehen. Wang Shugang ist der 16. Preisträger der in unregelmäßigen Abständen verliehenen Auszeichnung. Die Ausstellung ist montags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr im Ernst-Barlach-Museum Wedel (Mühlenstraße 1) zu sehen. Der Eintritt für Erwachsene kostet sieben Euro.
Karte
zur Startseite

von
erstellt am 01.Sep.2014 | 12:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen