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Wedel-Schulauer Tageblatt

23. Oktober 2017 | 00:31 Uhr

Chagall-Ausstellung zum Jubiläum

vom

shz.de von
erstellt am 13.Aug.2013 | 01:14 Uhr

Wedel | "Ich las die Bibel nicht, ich träumte sie", hat der große jüdische Maler Marc Chagall einmal gesagt. Solche "Traumbilder" zur Bibel zeigt die Ausstellung "Marc Chagall, Bilder zur Bibel", die die Wedeler Auferstehungskirche ab 30. August anlässlich ihres 50-Jahre-Jubiläums präsentieren wird. Die Bilderschau umfasst 42 Originallithographien und zeigt den kompletten Zyklus "La Bible" (1956), der Motive der Erzväter, Könige und Propheten thematisiert. Außerdem sind die vollständige Reihe "Dessins pour la Bible" (1960), die Frauen des Alten Testamentes vorstellt sowie die Schöpfungsgeschichte ins Bild setzt zu sehen. Der Beitrag der Frauen zur biblischen Geschichte interessierte Chagall besonders, so die Kirche in einer Pressemitteilung.

Über seine Beziehung zur Bibel soll Chagall gesagt haben: "Seit meiner frühesten Jugend schon hat mich die Bibel in ihren Bann gezogen. In Zeiten des Zweifels haben ihre Größe und dichterische Weisheit mich getröstet. Die Bibel schien mir und scheint mir heute noch die reichste poetische Quelle aller Zeiten zu sein. Die Bibel ist wie ein Echo der Natur, und ich habe danach gestrebt, dieses Geheimnis weiterzugeben."


Bilder sollen Menschen die Bibel näher bringen

Der Geige spielende Esel, die schwebenden Liebespaare und fliegenden Uhren: Chagall möchte in seinen Werken nicht die Realität abbilden, sondern einen "Seelenzustand" widerspiegeln. Er erklärt: "In meiner Kunst füge ich den Regeln des Impressionismus und des Kubismus die Dimension des Psychischen hinzu." Dieses Selbstverständnis Chagalls lasse uns seine oft eigenartig anmutende Bildkomposition verstehen, so die Kirche: Wie in Traumbildern verbindet er kaleidoskopartig verschiedene Bildelemente, die zwar aus der Wirklichkeit bekannt sind, die aber in ihrer neuen Anordnung nicht mehr der Realität entsprechen.

Chagall gilt als einer der bedeutendsten Maler des 20. Jahrhunderts. Er wurde 1887 in Witebsk im heutigen Weißrussland als ältestes von neun Kindern einer jüdischen Familie geboren. Er wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf und wurde schon in frühester Kindheit mit der Bibel vertraut gemacht. Der Chassidismus, eine jüdische Glaubensbewegung, gilt neben seiner Heimatstadt als Nährboden für seine Kunst. Der tänzerische Überschwung und die ekstatische Farbgebung seiner Bilder haben hier ihre Wurzeln.

1910 verließ Chagall Russland, um die Werke der westlichen Avantgarde in Paris zu studieren. Er ließ sich von Arbeiten Cezannes, Gaugins und Van Goghs inspirieren. Dennoch blieb er künstlerisch ein Einzelgänger, der keiner Stilrichtung zugeordnet werden kann. 1914 hatte Chagall seine erste Einzelausstellung in Berlin, die ihn in ganz Europa bekannt machte.

Nachdem er 1941 gezwungen wurde, in die USA zu emigrieren, erlebte er aus der Ferne mit, wie nahezu das gesamte Ostjudentum unterging. Verständlich ist, dass Chagall sich in dieser Zeit besonders stark der biblischen Thematik zuwandte: Viele Bilder mit dem Motiv des Gekreuzigten entstanden, Bilder, die das Leiden des jüdischen Volkes zum Thema haben. 1947 kehrte Chagall nach Frankreich zurück mit der Vision, die Bibel zu malen, weil er davon überzeugt war, dass so viel Grausamkeit nur Menschen begehen konnten, die die Bibel nicht kannten. Chagall setzte sich zum Ziel, Menschen unserer Zeit, denen es schwer fällt, in der Bibel zu lesen, weil sie eher einen Zugang über das Visuelle haben, Hilfen zu geben, die Bibel vom Bild her zu entdecken.

Die Vernissage beginnt am Freitag, 30. August, um 19 Uhr in der Auferstehungskirche (Boockholtzstraße). Die Ausstellung dauert bis Sonntag, 8. September. Führungen finden täglich um 17 Uhr statt, Donnerstag auch um 19 Uhr. Eintritt ist kostenfrei.

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