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Flüchtlinge in Rissen : Bürgerinitiative warnt vor „Überforderung des Stadtteils“

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Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Pläne für 800 Wohnungen am Krankenhaus - jetzt warnt eine Bürgerinitiative vor einer „Überforderung des Stadtteils“. Am Mittwochegibt es eine öffentliche Diskussion.

shz.de von
erstellt am 17.Nov.2015 | 12:15 Uhr

Rissen | Seit Jahren liegt die Fläche hinter dem Rissener Asklepios Klinikum, wo einst der Standort des Technischen Hilfswerks war, brach. Der Bebauungplan 45, der die Bebauung des etwa 420.000 Quadratmeter großen Geländes vorsieht, wurde bisher nicht umgesetzt. Geplant waren 150 bis 230 Wohneinheiten in Einzel-, Doppel- und Reihenhausbebauung ohne Geschosswohnungsbau. Zudem sollte eine Kita entstehen. Die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr sollte mit der Buslinie 1 erfolgen. Diese Pläne sind vorerst vom Tisch.

Der Bezirk Altona hat das Areal für die Unterbringung von Flüchtlingen vorgeschlagen. Bis zu 800 Wohnungen in mehrgeschossigen Häusern sollen entstehen und bis zu 4000 Flüchtlingen Platz bieten. Später sollen aus den Wohnungen Sozialwohnungen werden. Die genauen Pläne zur Änderung des Bebauungsplans „Rissen 45“ werden morgen ab 19 Uhr in der Sitzung des Planungsausschusses in der Aula der Schule Iserbarg, Iserbarg 2, in Rissen vorgestellt.

„Die Unterlagen werden sehr kurzfristig fertig“, sagte gestern Laura-Jane Hentzien vom Bezirksamt Altona auf Anfrage. „Wir planen, diese am Mittwochvormittag online zu stellen.“ Und ergänzte: „Die Pläne sind dann aber nicht in Stein gemeißelt.“ Eine Stunde vor Beginn der Veranstaltung sollen sie in der Schule ausgehängt werden. „An den bisherigen Planzahlen hat sich meiner Kenntnis nach bisher nichts geändert“, sagte Hentzien.

Das stößt der Bürgerinitiative „Vorrang für Integration und Nachhaltigkeit Rissen“ (VIN) auf, die von Christopher Deecke, Nicola Herz-Paassen, Klaus Kamlah, Thomas Kretzmann, Michael Neumaier, Anke Linda Schmidt, Klaus Schomacker, Christina Schröder und Reginald Stadlbauer ins Leben gerufen wurde. Diese hat es sich zum Ziel gesetzt, „die Politik bei der Findung integrationspolitisch sinnvoller und nachhaltiger Maßnahmen zur Flüchtlingsunterbringung zu unterstützen“. VIN setzt sich dafür ein, dass der rechtskräftige Bebauungsplan für 230 Wohneinheiten umgesetzt und nicht weiter aufgestockt wird. „VIN-Rissen lehnt die geplante Unterbringung in großen Einheiten unter ghettoähnlichen Verhältnissen ab. Erfahrungen aus der Vergangenheit zeigen, dass dadurch die Integration von Migranten erschwert oder sogar unmöglich gemacht wird“, heißt es auf der Webseite der Initiative, die zudem eine „Durchmischung“ des Wohngebietes fordert.

Ehemaligen THW-Gelände

So sollen auf dem ehemaligen THW-Gelände nur 30 Prozent der Wohnungen für Flüchtlinge bereitgestellt werden. Kamlah hatte im Namen der Bürgerinitiative auf der Sitzung des Hauptausschusses der Bezirksversammlung Altona den Vorschlag eingebracht, zunächst die Diskussionen über die Erweiterung der Flüchtlingsunterkunft in Sieversstücken abzuwarten. Die SPD-Fraktion hatte dem Vorschlag eine klare Absage erteilt. Die Linke und die AfD sprachen sich für eine vorherige Prüfung des Ausbaus von Sieversstücken aus. Darüber hinaus fordert die VIN einen Ausbau der Infrastruktur mit Kita, Beratungsstelle für Flüchtlinge und eine Verbesserung der Verkehrsanbindung. Bei 4000 neuen Bürgern im 15  058 Einwohner zählenden Stadtteil (Stand: 31. Dezember 2014) wären bestehende Einrichtungen überfordert und überlastet.

„Wer die Zukunft sinnvoll gestalten will, sollte heute eine gute Grundlage legen. Es kann nicht sein, dass ein Handlungsdruck, so groß er auch sein mag, dazu führt, grundlegende Erkenntnisse der letzten Jahrzehnte zu ignorieren und damit die Probleme der nächsten Jahrzehnte zu schaffen“, mahnt VIN auf seiner Webseite. Von populistischen und fremdenfeindlichen Tendenzen distanzieren sich die Initiatoren deutlich: „VIN Rissen lehnt die Unterstützung von Personen ab, die diesem Gedankengut nahestehen. Wir bekennen uns zur Flüchtlingshilfe und wenden uns gegen die Überforderung unseres Stadtteils, um die Integration der Menschen in die Mitte unserer Gesellschaft zu ermöglichen.“

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