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Von Wedel war fast keine Rede : Bürgergespräch mit Olaf Scholz in Wedel

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Die Gelegenheit, Wedeler Anliegen nach vorne zu bringen, nutzte allerdings nur eine Besucherin.

shz.de von
erstellt am 15.Feb.2017 | 16:00 Uhr

Wedel | „Sie können mich alles fragen“, bot Olaf Scholz (SPD) Montagabend im Schulauer Fährhaus den Besuchern an. Da war er vom Podium schon hinuntergekommen und stand mit Mikrofon in der Hand inmitten des Publikums. Die Landes-SPD hatte den Hamburger Ersten Bürgermeister zum Bürgergespräch nach Wedel eingeladen, und gut 150 Neugierige waren gekommen. Egal ob Kommunal-, Landes- oder Bundespolitik, jedes Thema sei ihm recht, setzte Scholz nach.

Die Gelegenheit, Wedeler Anliegen nach vorne zu bringen, nutzte allerdings nur eine Besucherin. Bonny Redelstorff ging es um die S-Bahn-Verbindung von Wedel in die Hansestadt. Die zeitweilig kürzere Taktung der S  1 sei ein Gewinn, doch besonders die jungen Leute bräuchten dringend auch einen erweiterten Fahrplan mit der Option späterer Fahrten. „Kann die Bahn nicht wenigstens am Wochenende bis 3 Uhr nachts durchfahren?“, fragte sie. Das Publikum zeigte durch lautes Klatschen demonstrativ seine Unterstützung. Scholz’ Antwort fiel hingegen diplomatisch aus. Der Bürgermeister betonte die Wirtschaftlichkeit des Nahverkehrs. Die Züge sollten auch voll sein, forderte der Hamburg-Chef. Mit der höheren Taktung habe man sich an das Thema herangetastet. Jetzt müsse man abwarten „wie’s sich entwickelt“.

Ansonsten gingen die Fragen aus dem Auditorium thematisch bunt durcheinander, berührten aber keine gemeinsamen kritischen Hamburg-Wedel-Themen wie Wärmeversorgung respektive Kraftwerk oder Businesspark mehr. „Was passiert, wenn der Schulzeffekt ausfällt?“, wollte ein Gast wissen. Für ihn sei der große Zuspruch für die Partei ein SPD-Effekt, stellte Scholz klar: „Ich glaube, dass das nicht so kurzfristig ist, das trägt“, versicherte der Sozialdemokrat.

Nicht über jedes Stöckchen springen

Für den Umgang mit der AfD hatte der Hamburger Bürgermeister klare Handlungsoptionen parat. „Bei der AfD sind Leute, die sind ziemlich rechtsextrem, das müssen wir auch so benennen“, sagte er. „Aber wir dürfen nicht über jedes Stöckchen springen, das sie uns hinhalten“, warnte Scholz. Bedeute: Sachbezogen diskutieren ja, aber nicht auf jede provokante Grenzüberschreitung eingehen: „Dann werden die eine ganz kleine Nummer.“

In Bezug auf die Elbvertiefung verbreitete Scholz Zuversicht. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig sehe, dass der Hamburger Hafen auch für den Nachbarn ein großer Arbeitgeber sei. Im Übrigen werde nur so tief ausgebaggert wie eben nötig. Gleichzeitig würden Maßnahmen realisiert, um die Strömung zu verringern. Das Gericht habe die Vertiefung nicht verworfen, sondern lediglich weitere Ausgleichsflächen für den Schierlingswasserfenchel gefordert, betonte Scholz.

Klare Antworten gab Hamburgs Bürgermeister auf die Frage nach der HSH-Nordbank-Misere. Eine doofe und ärgerliche, aber mittlerweile überschaubare Sache sei das. Von der Garantiehaftung über 160 Milliarden Euro seien noch „knapp über zwei Milliarden nach“. „Wir haben das Gespenst noch, aber es ist im Keller und es ist ein Gitter davor“, beschrieb er bildlich. Er glaube, dass ein Käufer gefunden werden könne.

„Ich wünsche mir eine Partei, die eine Haftungsgrundlage für betrügerische Vorstände schafft. Könnte das die SPD sein?“, fragte eine Besucherin zum Schluss der Veranstaltung. Man könne etwas tun, aber es sei nicht ganz so einfach zu gestalten, blieb Scholz vage. Dummheit sei kein Haftungsgrund, das lerne jeder Jurastudent frühzeitig. Aber der Wille, etwas zu verändern, sei bei der SPD da. 

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