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Gegen „Ab- und Ausgrenzung“ : Bündnis in Wedel will Bürgerbegehren stoppen

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Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Aufforderung: Wer aus ökologischen Gründen unterschrieben hat, soll schriftlich widerrufen.

shz.de von
erstellt am 23.Jun.2015 | 16:45 Uhr

Wedel | Sie sind bestürzt, empört und entschlossen: Ein breites Bündnis aus Organisationen, Initiativen und Privatpersonen will Zeichen setzen für die „Weltoffene Gemeinde Wedel“ und betont den Zusatz „auch an der Feldstraße“. Wie berichtet sammeln dort Anwohner Unterschriften für ein Bürgerbegehren zum Erhalt der Grünfläche. Eine Farce, so die Position der Kritiker.

Sie wenden sich in einer Presseerklärung entschieden gegen „Ab- und Ausgrenzungen, wie sie zurzeit von einer Initiative gegen den Bau einer Flüchtlingsunterkunft an der Feldstraße erfolgen“. Und sie fordern die bisherigen Unterzeichner auf, „ihre Unterschriften, die sie aus ökologischen Gründen für ein Bürgerbegehren gegeben haben, schriftlich zu widerrufen“.

Sachliche Auseinandersetzungen Ja, verbale Entgleisungen Nein, sagt Susanne Huchzermeier-Bock als Vertreterin der evangelischen Kirchengemeinde Altwedel. Ein Bürgerbegehren sei ein demokratisches Mittel. Aussagen, die zum Teil damit verbunden seien, nicht, so die Pastorin.

Aussagen wie die, von denen Thomas Ferenz berichtet. Er wohnt keine 100 Meter vom potenziellen Standort des geplanten Flüchtlingsheims entfernt. Ein Projekt, das er ausdrücklich begrüßt. Auch er sei angesprochen worden, ob er unterschreiben wolle. Er habe verneint. Laut Ferenz soll diese Reaktion mit der Frage quittiert worden sein, ob man denn mit Vergewaltigern vor der eigenen Tür leben wolle. Auch Sätze wie „Wozu brauchen Syrer ein Dach über dem Kopf“ seien gefallen, heißt es von Seiten des Bündnisses. Solchen Menschen müsse man die Maske runterreißen, sagt Ferenz. „Das sind Pharisäer.“

Es mache sie unglaublich wütend, dass suggeriert werde, von den Flüchtlingen gehe eine Gefahr aus, sagt Heidi Keck, Vize-Vorsitzende der Wedeler SPD. „Wenn von Kriminalität und Übergriffen die Rede ist: Genau das ist es, was den Flüchtlingen passiert – und nicht von ihnen ausgeht.“

„Den gemeingefährlichen Flüchtling gibt es nicht“

Sie selbst betreue mittlerweile 19 Menschen, die auf ihrer Flucht bis nach Wedel gekommen sind. Junge Väter, die Frau und Babys zurücklassen mussten, weil die Zwangsrekrutierung drohte, eine Mutter, die aus Furcht vor Isis eine monatelange Tortur mit ihren Töchtern auf sich nahm, zeitweise auf der Flucht inhaftiert wurde.

Es würden Ängste und Befürchtungen geschürt, die haltlos seien, so auch die Einschätzung von Hüseyin Inak vom Diakonieverein Migration. Er begleitet die Asylsuchenden bei ihrer Ankunft in Wedel, und er sagt: „Den gemeingefährlichen Flüchtling, den kennen wir nicht, den gibt es gar nicht.“

Inak ist Initiator des Bündnisses, dem auch Wedels Jugendbeirat, die Jusos und die Junge Union (JU) angehören. Diese unterstütze den zentral gelegenen Standort für ein Flüchtlingsheim an der Feldstraße ausdrücklich – auch gegen die Position der CDU im Wedeler Stadtrat, sagt JU-Vorsitzender Julian Fresch. Er nennt die geschilderten Szenen „erschreckend“ und macht deutlich: „Rassismus und Ausländerfeindlichkeit haben hier keinen Platz.“

Es sei ein „doppelzüngiges Spiel“, sagt Inak, und fordert: „Seid ehrlich!“ Alle Bedenken, die Naturschutz und Bebaubarkeit beträfen, seien mittlerweile ausgeräumt. Unterzeichner mit ökologischen Beweggründen sollten sich an die Initiative für das Bürgerbegehren wenden und fordern, die Unterschrift rückgängig zu machen. Denn, so heißt es in der Erklärung des Bündnisses: „Falls es zum Bürgerentscheid im Sinne der Initiative ‚Grünanlage an der Feldstraße‘ käme, läge ein deutlicher Schatten über der Auszeichnung unseres Gemeinwesens als ‚weltoffene Gemeinde Wedel‘.“ Laut Homepage zum Bürgerbegehren ist die notwendige Zahl von 1886 Unterzeichnern fast erreicht.

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