Bündnis gegen Rechts formiert sich

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22. Februar 2013, 01:14 Uhr

Wedel | "Wir schauen nicht weg." Darin waren sich mehr als 90 Bürger einig, die sich am Mittwochabend im Stadtteilzentrum "mittendrin" zu einem breiten Bündnis gegen Neonazi-Aktionen zusammenschlossen. "Ich habe mich sehr über die große Beteiligung gefreut", sagte Irmgard Jasker vom Arbeitskreis der Stadt Wedel gegen Rechtsradikalismus und Ausländerfeindlichkeit.

Wie berichtet, hatte der Arbeitskreis zu dem Treffen aufgerufen, nachdem aus Neonazi-Kreisen zu entnehmen war, dass die Rechtsradikalen in diesem Jahr keinen zentralen "Trauermarsch" in Lübeck planen. Stattdessen sollen in mehreren Städten Schleswig-Holsteins Demonstrationen stattfinden. Diese sollen unter dem Motto "Bombenterror in Schleswig-Holstein" stehen. Auf den Internetseiten wird betont, dass es für die einzelnen Aufmärsche keine einheitlichen Termine geben soll, sondern immer dann stattfinden, "wenn dieses Thema zur Tat ruft".

Für Wedel von entscheidender Bedeutung ist der 3. März. Vor 80 Jahren warfen alliierte Bomber ihre tödliche Fracht über der Rolandstadt ab. 37 Menschen starben damals.

Damit die für den 3. März geplante Gedenkveranstaltung rund um die Kirche am Roland nicht von rechtsradikalen Aufmärschen überschattet wird, formierte sich nun ein breites Bündnis. Nach intensiver, aber auch harmonischer Diskussion wurde ein Aufruf einvernehmlich verabschiedet. Darin heißt es: "Wir wollen verhindern, dass alte und neue Nazis unsere Trauer umwidmen und die Geschichte umschreiben." Denn: "Nie wieder wollen wir der Intoleranz, dem Hass, der Fremdenfeindlichkeit und der Menschenverachtung Raum geben. Deshalb wenden wir uns gegen die Kräfte, die in der Tradition des Faschismus stehen."

Für Sonnabend, 2. März, ist ab 12 Uhr eine Kundgebung vor dem Wedeler Rathaus geplant. Diese soll auch dann stattfinden, wenn keine Neonazis durch Wedel ziehen werden. "Nehmen wir es als Anlass zu feiern", sagte ein Teilnehmer im "mittendrin".

Jasker freute sich über das effektive und harmonische Miteinander beim Bündnistreffen. Es sei deutlich geworden: "Wedel ist eine weltoffene Gemeinde."

Auch die Kaufleute werden aktiv. Zum einen sind diverse Infostände entlang der Bahnhofstraße und B 431 geplant. Zum anderen will Jan Lüchau, Vorsitzender der Werbegemeinschaft Innenstadt-Kaufleute, unter dem Motto "Wedel ist bunt, nicht braun" eine Aktion starten und Schaufenster mit bunten Papier dekorieren. "Mir ist klar, dass man mit ein bisschen Papier keine Neonazis fern hält. Es geht viel mehr darum, Flagge zu zeigen und sie nicht willkommen zu heißen - auch nicht stillschweigend", so Lüchau.

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