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Wedel-Schulauer Tageblatt

20. Oktober 2017 | 20:09 Uhr

Brückenschlag mit Musik und Sprache

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

10 000 Kinderbücher sollen Schülern in Kabul beim Deutschlernen helfen

Aus einer kleinen Idee sei eine Lawine geworden, mit der niemand gerechnet habe. So umschreibt Hetlingens Bürgermeisterin Monika Riekhof (CDU) den Erfolg einer Aktion, die einen doppelten Brückenschlag von der Elbe nach Afghanistan zur Folge hat: 10  000 Kinderbücher sollen in die afghanischer Hauptstadt Kabul geschickt werden.

Die Idee wurde anlässlich der Proben des Elbkinderland-Projektchors unter der Leitung von Kinderliedermacher Rolf Zuckowski (Foto) bei der Abschieds-Gala von „Appen musiziert“ im Herbst 2015 geboren.

Netzwerken ist eine Leidenschaft Riekhofs. Die Hetlingerin ist ehemalige Vorsitzende des Hetlinger Elbkinderchors, der dem Hetlinger Männergesangverein angeschlossen ist. 130 Kinder aus elf Elbkinderchören kamen zu „Appen musiziert“, wurden in Hetlingen untergebracht. Weil sie Unterstützung brauchte, funkte sie Oberst Markus Kurczyk an, den Kommandeur der Unteroffizierschule der Luftwaffe in Appen. Der Chef der Marseille-Kaserne ist ebenfalls begeisterter Networker, fragte: „Was springt dabei für die Kinder aus Kabul heraus?“ Denn der Diplom-Sozialpädagoge war viele Monate lang in Afghanistan stationiert, Land und Leute sind ihm ans Herz gewachsen.

Herausgesprungen ist für die Kinder in Kabul nicht nur eine Bücherlieferung, sondern auch ein Lied, das nach Kurczyks Aussagen von Kindern der Millionen-Metropole gesungen wird. Der Projektchor nahm eine Video-Botschaft für Kabuler Kinder auf, gesungen wurde der Zuckowski-Titel „Lieder, die wie Brücken sind.“ Eine Reaktion aus Kabul gibt es auch – wie wurde kürzlich beim Neujahrsempfang der Gemeinde Hetlingen präsentiert. Die DVD erzeugte bei vielen Gästen Gänsehaut-Gefühl: Die Kinder aus Kabul sangen das Zuckowski-Lied in deutscher Sprache. Auf der DVD ist sogar noch mehr zu sehen: Die Schüler interpretieren auch die Deutsche Nationalhymne.

Deutsch lernen – dabei sollen die Bücher helfen. Riekhof, Vize-Chefin des Vereins Elbkinderland, hat 26  000 Bücher von der Kulturstiftung „Selbstlos“ bekommen, von denen etwa 15  000 über den Kreis Pinneberg an Flüchtlinge verschenkt werden sollen. Die restlichen gehen nach Kabul. Dort gibt es vier Schulen, je zwei für Mädchen und Jungen, die mit deutschen Mitteln unterhalten werden, an denen auch Lehrer aus der Bundesrepublik Dienst tun und Deutsch unterrichtet wird. Kurczyk ist dort bestens vernetzt, war Deutscher Berater des Verteidigungsministers, hatte seinen ersten Einsatz 2006.

Wie die Kinderbücher in deutscher und englischer Sprache nach Kabul kommen, daran feilt Kurczyk derzeit noch. „Die Einfuhr der Bücher ist nicht leicht“, sagt der Kommandeur. Am besten müsse der Transport persönlich begleitet werden. Kurczyk hat sein Organisationstalent für die Kinder von Kabul schon einmal unter Beweis gestellt. 2012 organisierte der vierfache Vater eine Mini-Fußball-WM für etwa 200 Jungen. 16 Botschaften stifteten damals zur Ausrichtung je 1000 Euro. Die Matches wurden von Frauen gepfiffen: Die Mitglieder der weiblichen afghanischen Fußballnationalmannschaft waren die Schiedsrichterinnen.

Kurczyk betont, dass die Afghanen unglaublich freundliche Menschen seien. „Die haben auch ein Recht auf Karriere und Familie, und unser Ziel muss es sein, dass es dort vor Ort geht.“ Deshalb ist er vom Engagement Riekhofs so angetan: „Wir müssen uns für die Menschen dort interessieren, wo sie leben, und nicht erst dann, wenn sie hier sind.“

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www.elbkinderland.de

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