Haseldorf/Hetlingen : Breitband: Neue Chance nach Absage

Der Azv lässt Internet-Deal platzen. Verband expandiert.

shz.de von
09. Juli 2015, 16:30 Uhr

Haseldorf/Hetlingen | Schnelles Internet für alle Dörfer in Marsch und Geest – daran wird seit Jahren gestrickt. Nachdem der Verkauf der Breitbandsparte des Abwasserzweckverbands (Azv) vorerst geplatzt ist, gibt es einen ganz anderen Hoffnungsschimmer. Darüber hat Bürgermeister Uwe Schölermann (Foto, CDU) während der Haseldorfer Gemeinderatsitzung am Dienstagabend informiert. Parallel hatte nämlich sein Heistmer Amtskollege Jürgen Neumann (CDU) ins Moorreger Amtshaus gebeten – in seiner Funktion als Chef des vor einem Jahr gegründeten „Zweckverband Breitband Südholstein“. Sein Ziel: Den Verband massiv zu erweitern und sich vom Azv freizumachen. Die Haseldorfer gaben am Dienstag das Signal, sich dem neuen Zweckverband anschließen zu wollen.

Der neue Zweckverband war gegründet worden, um fließend die Azv-Breitband GmbH übernehmen zu können. Diese steht derzeit zum Verkauf. Heist, Holm, Hasloh und Lentföhrden (Kreis Segeberg) hatten sich dort mit je 20  000 Euro eingekauft. Diese vier Dörfer sind mit Glasfaserkabel vom Azv ausgerüstet worden und wollen nun per Zweckverband die Azv-GmbH gemeinsam mit dem Norderstedter Kommunikationsunternehmen Wilhelm-Tel übernehmen. Der Deal zieht sich bis heute hin. In einem Bieterverfahren war nur der neue Verband übrig geblieben. Doch dem Azv, der zwölf Millionen Euro investiert hat, war das Angebot zu niedrig. Er will den Verkauf neu ausschreiben.

Rainer Jürgensen, Moorreger Amtsdirektor, sagte über das Verbands-Treffen am Dienstagabend: „Ich bin froh nach Hause gegangen, jetzt geht es richtig los.“ Die Erweiterung sei die beste Chance für alle amtsangehörigen Dörfer.

Holms Bürgermeister Walter Rißler (CDU), der auch Amtsvorsteher des Amts Moorrege ist, steht voll hinter dem Expansionsgedanken Neumanns. Er versteht den Azv in Sachen Verkauf nicht: „Ich habe kein Verständnis für den Abbruch der Verhandlungen.“ Rißler verweist auf das täglich größer werdende Millionen-Defizit, das der Azv anhäuft, weil laut Beschluss der Verbandsversammlung keine weiteren Investitionen getätigt werden können. Zur Kasse gebeten werden dafür die Bürger über die Abwassergebühren.

Dank des neu strukturierten Verbands seien, so Neumann, individuelle Lösungen für die Gemeinden möglich. Auch Zuschüsse könnten eingeworben werden. Ob Wilhelm-Tel weiterhin Partner bleibt, wird sich zeigen. Neumann: „Wir müssen ausschreiben.“

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