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Wedel-Schulauer Tageblatt

23. Oktober 2017 | 21:23 Uhr

Bravo-Rufe für den Ausnahme-Star

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Schleswig-Holstein Musik Festival Lucas Debargue begeistert beim Klavierkonzert im Haseldorfer Rinderstall

Der junge Pariser Pianist Lucas Debargue wurde nach seinem Konzert im Rahmen des Schleswig-Holstein Musik Festivals mit Beifall und Bravo-Rufen überschüttet. Das Publikum war von seinen Künsten am Klavier tief beeindruckt. Mit Recht, denn der Musiker, der als Nachzügler und Außenseiter der Klassik-Szene gilt, hat es sich im Haseldorfer Rinderstall nicht leicht gemacht. Er hat zwei langsame und zwei schnelle Scarlatti-Sonaten, Maurice Ravels „Gaspard de la nuit“ (Schatzmeister der Nacht) und die Sonate in h-Moll von Franz Liszt präsentiert – das Ganze mit unglaublicher Präzision, Einfühlungsvermögen und schwindelerregender Fingerfertigkeit.

Besonders das Ravel-Stück gilt als eines der schwierigsten und virtuosesten Stücke des Komponisten. Kein Wunder, dass Debargue vor Beginn eine Minute Ruhe benötigte, um sich auf die Musik zu konzentrieren. Während des Spiels ging der Musiker vollkommen in seiner Notenwelt auf. Den Applaus nahm er bescheiden, fast schüchtern entgegen.

Wer Debargue hört, kommt nicht auf die Idee, dass der eigenwillige Pianist ein Autodidakt am Klavier ist. In seiner Jugend bekam er einige Jahre gängigen Klavierunterricht an einer Musikschule. Seine Familie war überhaupt nicht musikalisch interessiert. So wurde er nie, wie sonst bei solchen Talenten üblich, von Eltern oder Klavierlehrern gedrillt. In der Pubertät kehrte er dem Klavier den Rücken und stieg in eine Rockband ein. Mit 17 Jahren begann er ein Kunst- und Literaturwissenschaftsstudium, experimentierte nebenher mit Jazz. Hätte ein Freund ihn nicht um Mitwirkung bei einem Musikfestival gebeten, wer weiß, ob der junge Musiker das Klavier je wieder angefasst hätte.

Aber es kam anders: Debargue sagte die Teilnahme zu und nahm das Klavierspiel wieder auf. Dann bekam er Kontakt zu der Russin Rena Shereshevskaya. Die Pianistin und Musikprofessorin erkannte das Talent sofort, nahm ihn in ihre Pariser Musikklasse auf und bereitete ihn auf internationale Wettbewerbe vor. 2015 gewann Debargue auf Anhieb den vierten Platz beim Moskauer Tschaikowsky-Wettbewerb und ist seither in der Klassik-Szene ein Star. Über ihn wurde mehr gesprochen und berichtet als über die besser Platzierten. Das liegt sicherlich an seiner Technik – die Presse hat ihn auch „Lucas mit den Spinnenhänden“ genannt. Aber natürlich ebenso an seiner ungewöhnlichen Vita.

Auch beim Haseldorfer Publikum war Debargues irrwitzige Spieltechnik Thema. Fünf Damen vom Landfrauenverein Haseldorfer Marsch kamen ins Staunen und Schwärmen: „Wie kann man so über die Tasten fliegen? Und dem Instrument dann auch noch so schöne Musik entlocken? Unglaublich.“ Die Landfrauen waren begeistert über das 27-jährige Ausnahmetalent und freuten sich generell über die Möglichkeit, in der Nachbarschaft hochkarätige Musiker zu erleben. „Wir sind immer dabei, wenn das Schleswig-Holstein Musik Festival läuft“, so ihr Tenor.

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