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Wedel-Schulauer Tageblatt

21. August 2017 | 03:25 Uhr

SHMF 2015 : Brahms mit russischer Seele

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Grande Dame des Klaviers brilliert in Haseldorf: Elisabeth Leonskaja wird mit Bravo-Rufen und Ovationen gefeiert.

Bei ihrem Auftritt in rotem Kleid – gepaart mit brillantem Klavierspiel – erinnerte Elisabeth Leonskaja an eine Tolstojsche Fürstin. 1000 Musikliebhaber aus Bayern, Hessen, Monaco und sogar Japan waren in den Haseldorfer Rinderstall gekommen, um eine der großen Pianistinnen der Gegenwart zu erleben. „Wunderbar“, kommentierte eine Zuhörerin einzelne Sätze – und sprach damit stellvertretend für das gebannt lauschende Publikum beim vierten Konzert im Rahmen des Schleswig-Holstein Musik Festivals (SHMF) in der Marschgemeinde.

Mit der sehr diffizilen Sonate f-Moll op. 5 von Johannes Brahms eröffnete Leonskaja das Konzert. Das Stück zählt zu den Werken, mit denen Brahms schon 1853 Robert und Clara Schumann verzauberte. Robert Schumann bezeichnete die Sonate als „verschleierte Sinfonie“. Dessen Frau Clara bewunderte hingegen Brahms „schöne Hand“, die nach ihren Worten „größte Schwierigkeiten mit größter Leichtigkeit besiegte.“

Die 1945 in Tiflis geborene Leonskaja hauchte Brahms ihre russische Seele ein. Das fünfsätzige Werk präsentierte sie in dem für sie typischen perfekt kontrollierten Spiel. Mal führte sie die linke, mal die rechte Hand in einer vollendeten Symbiose von Strenge und Gelassenheit.

Mit ihrer Methode der unaufdringlichen Verfeinerung präsentierte Leonskaja das Andante espressivo und das Intermezzo, also die als Kernstück des Werks geltenden Sätze zwei und vier. Anwesende Pianisten wie die aus Japan angereiste Tomoko Nishio zeigten sich von der Interpretation der Grande Dame der Russischen Schule beeindruckt. „Es ist sehr schwierig, Brahms zu spielen. Leonskaja spielt wunderbar“, lobte Nishio, wenn sie auch die Qualitäten des Flügels als „nicht ausreichend“ bezeichnete.


    Lob für die gute Akustik des Rinderstalls

Gastgeber Udo Prinz von Schoenaich-Carolath-Schilden war von der hohen Anzahl der Besucher erfreut. Der Hamburger Musiker und Klavierstimmer Gerd Stange lobte die Akustik in der Scheune. Prinz Carolath hatte den ehemaligen Rinderstall vor Jahren mit Segeltuch und Holz verkleiden lassen. „Dabei begleitete mich der bekannte Akustiker Professor Maron“, berichtete der Prinz.

Nach der Pause ging es weiter mit der Grande Sonate G-Dur op. 37 von Peter Tschaikowsky. Leonskaja präsentierte eine hervorragende Interpretation der hochvirtuosen Sonate. Nach dem beseelenden Vortrag gab es Bravo-Rufe, donnernden Applaus und vier Zugaben.

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erstellt am 04.Aug.2015 | 14:00 Uhr

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