Haseldorf : Börteboot nach 62 Jahren zurück im Heimathafen

Das Börteboot hat es noch vor Niedrigwasser in den Hafen geschafft.
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Das Börteboot hat es noch vor Niedrigwasser in den Hafen geschafft.

Großer Bahnhof für kleines Schiff. Sohn des Erbauers Gustav Dohse mit im Begrüßungskomitee.

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21. Mai 2015, 16:15 Uhr

Haseldorf | Der Vorsitzende des Kulturvereins Haseldorfer Marsch, Thomas Herion, hatte den offiziellen Pressetermin zum Empfang des 1953 auf der Schwartz-Werft erbauten Helgoländer Börtebootes in seinem Heimathafen Haseldorf auf 15 Uhr terminiert. Das war gut durchdacht. Denn wenn ein Schiff auf der Elbe bei starkem Westwind vom Hamburger Hafen nach Haseldorf mit nicht eben schnellen 13 Knoten über Grund in der Stunde unterwegs ist, kann die genaue Zeit der Ankunft in Haseldorf nur schwer eingeschätzt werden. Sollte es das Börteboot nicht rechtzeitig schaffen, vor der Ebbe in das tideabhängige Hafenbecken des Wassersportclubs (WSC) einzulaufen, wäre Herion noch genug Zeit für Plan B geblieben. Er hätte das Boot mit den Gästen zum Hafen am Sperrwerk gelotst.

Der Tide-Kalender zeigte, dass das hochseetüchtige, zehn Meter lange und drei Meter breite historische Börteboot – aus massivem Eichenholz, mit acht Tonnen Gewicht und mit einem Tiefgang von etwa einem Meter – eigentlich bis spätestens 13 Uhr sein Ziel erreicht haben müsste. So harrten bereits ab 12.30 Uhr Organisator Herion, der stellvertretende Vorsitzende des WSC-Haseldorf Klaus-Dieter Sellmann, Hafenmeister Uwe Koopmann, sein Vize Bruno Klapp und viele Schaulustige voller Spannung auf die Ankunft der „Heimkehrer“.

Nach 62 Jahren sollte das einzige in Haseldorf gebaute Börteboot das erste Mal wieder seinen Heimathafen anlaufen. Für den weit über 80 Jahre alten Gustav Dohse war die Situation besonders faszinierend, hatte doch sein gleichnamiger Vater damals als Schiffzimmermeister auf der Schwartz-Werft am alten Haseldorfer Hafen das Börteboot Nummer 3 gebaut. Die speziellen Holzboote wurden ab 1952, als die Hochseeinsel Helgoland wieder zu Deutschland gehörte, im Auftrag des Kreises Pinneberg auf mehreren Werften an den Küsten gezimmert.

Bis zu 25 Angestellte arbeiteten auf der  1805 gegründeten Bootswerft Schwartz. (Foto: Heer)
Bis zu 25 Angestellte arbeiteten auf der 1805 gegründeten Bootswerft Schwartz. (Foto: Heer)
 

Sie werden noch heute zum Ausbooten der Passagiere zwischen den auf Reede vor Helgoland ankernden Seebäderschiffen und der Landungsbrücke genutzt. 50 Personen können die Boote, diemit einem bis zu 180 PS-starken Dieselmotor ausgerüstet sind, transportieren. Leider neigt sich diese Tradition des Ausbootens mit den sicheren „Helgoländer Börtebooten“ allerdings dem Ende zu. Auf der Insel sollen in den nächsten Jahren die Fähren direkt am Kai anlegen. Viele der Traditionsboote sind inzwischen bereits verkauft, wurden liebevoll restauriert und befinden sich beispielsweise im Besitz des „Vereins zum Erhalt der Helgoländer Börteboote“ oder wie die „Nr.3“ in der Obhut der Schiffergilde Bremerhaven.

Von hier aus startete auch die Bremer Crew der „Nr. 3“ mit Rainer und Inge Krampitz sowie dem Maat Horst Lerch an Bord. Erst gings nach Hamburg, dann nach Haseldorf. Die erfahrene Mannschaft sollte das Begrüßungskomitee nicht enttäuschen. Gerade noch kurz vor der Ebbe manövrierten die Bremer ihr Schiff mit wehenden Fahnen und unter Jubel der Wartenden durch die komplizierte Einfahrt bis zum Anlegesteg. Mit einem „so großen Bahnhof“ hätten sie nicht gerechnet, freute sich Kapitän Krampitz.

Auch Bürgermeister Uwe Schölermann (CDU) war zu diesem historischen Ereignis gekommen und begrüßte die Gäste herzlich. Ein nochmaliger Besuch des Börtebootes sowie anderer antiker Schiffe der Gilde ist für das nächste Jahr vom Kulturverein Haseldorfer Marsch bereits fest im Kalender eingeplant.  

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