Premiere : „Boeing-Boeing“: Ein Feuerwerk der Comedy-Pointen auf der Batavia

Dienstmädchen Berta (Andrea Schultze) versucht verzweifelt, eine Anruferin abzuwimmeln.
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Dienstmädchen Berta (Andrea Schultze) versucht verzweifelt, eine Anruferin abzuwimmeln.

Die Boulvevard-Komödie von Marc Camoletti behandelt die Geschlechterklischees der 1960er Jahre.

shz.de von
18. Dezember 2017, 13:00 Uhr

Wedel | Junge Männer runzelten die Stirn. Sie wollten „sein Problem“ lösen – an der Bar. Sein Problem selbst hatte gerade Pause. Die erste Halbzeit hatte es bereits absolviert – auf der Bühne des Theaterschiffs Batavia. „Boeing – Boeing“ heißt es, 1960 von Marc Camoletti als Boulvevard-Komödie zu Papier gebracht, 1965 in Hollywood zu einem Film-Klamauk aufgemotzt, und jetzt in der Rolandstadt angekommen, in der deutschen Fassung von Elisabeth Cordier, Anneliese Hohenemser und Peter Loos. Für die Wedeler Version zeichnet Regisseurin Angelika Strub verantwortlich.

Auch ältere Batavia-Enthusiasten nutzten die Pause zur Lösungssuche: „Das Problem ist, dass es in dem Stück nur zwei Männer gibt, aber vier Frauen“, sinnierte einer von ihnen. Seine logische Schlussfolgerung: Das kann nicht gutgehen.

Ein Mann, drei Verlobte

Es geht aber gut, denn mit Scharfsinn ist „Boeing – Boeing“ nicht beizukommen. Was sich da abspielt, ist Comedy. Slapstick. Pointen-Feuerwerk. Hannes Grabau hat dazu ein herrlich biederes Bühnenwohnzimmer gebaut und Christiane Schröder hat die Mimen eingekleidet, schön sittsam, wie sich das in den prüden 1960ern so gehörte.

Etwas roten Faden gibt es schon: Christian (Tom Grucza) hat sich gleich mit drei Schönheiten verlobt, mit Janet (Martina Königbauer-Grucza), Jaqueline (Anne Wrage) und Judith (Nele Bieringer). Die wissen natürlich nichts voneinander, sind allesamt Stewardessen (so hieß das damals, heute wären sie Flugbegleiterinnen), treffen ihren Galan zwischen zwei Einsätzen und schon müssen sie weiterdüsen. So weit so gut. Aber irgendwann landen alle drei gleichzeitig in Fuhlsbüttel. Und dann wird es am Boden ungemütlich. Doch die Turbulenzen lösen sich in Wohlgefallen auf, ohne jede Rücksicht auf logische Gesetzmäßigkeit, ganz so wie sich das für diese Art Komödie gehört.

Die Figuren sind köstliche Klischees aus der 1960er Mottenkiste, geschlechtsspezifisch, Mann gegen Frau, oder als regionale Vorurteile: die Gewissenhaftigkeit und Ordnungsliebe der Schweizerin Judith, das Pflichtbewusstsein des tugendhaften deutschen Dienstmädchens Berta (Andrea Schultze), die Koketterie der Französin Jaqueline, die Herrschsucht der Amerikanerin Janet, die ihre Männer ausbeutet und versklavt.

Bei den Herren gibt es nur zwei Typen, den blauäugigen Provinzler Robert aus Heide (Marco Messal) und Christian, den Mann von Welt aus Wedel. Sie alle tragen dazu bei, dass in den Zuschauerreihen vor Lachen kein Auge trocken bleibt.

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