Verkehr : Bleibt die Ampel im Wedeler Businesspark dunkel?

Die Ampel an der Kreuzung im Businesspark Wedel wird vermutlich vorerst nicht eingeschaltet.
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Die Wedeler diskutieren darüber, ob die Ampel an der Kreuzung im Businesspark vorerst ausgeschaltet werden sollte.

Nach der Kritik des Stadtpräsidenten beim Neujahrsempfang befasst sich der Planungsausschuss mit der geplanten Anlage.

shz.de von
11. Januar 2018, 16:30 Uhr

Wedel | Der geplante Ampelbau an der Ecke Industriestraße/Tinsdaler Weg und damit am Eingang zum künftigen Gewerbegebiet Businesspark schlägt weiter Wellen. Nach der öffentlichen Kritik an der Installation einer Lichtzeichenanlage anstelle eines Kreisverkehrs durch Stadtpräsident Ulrich Kloevekorn (CDU) in seiner Neujahrsansprache (wir berichteten), brachte Manfred Eichhorn (SPD) das Thema im Planungsausschuss aufs Tapet. Sein „dringender Hinweis“ an die Verwaltung: Die neue Ampelanlage möge abgeschaltet bleiben, bis der Businesspark tatsächlich mit Unternehmen besiedelt ist. „Oder sie soll nur im Berufsverkehr laufen, aber nicht 24 Stunden“, so Eichhorn.

Er halte die aktuell aufgestellte provisorische Ampel für ein reines „Verkehrshindernis“. Eine Einschätzung, die viele Bürger, die ihn angesprochen hätten, teilten, so der Sozialdemokrat. Auch Seniorenbeiratsvorsitzender Bruno Helms plädierte für eine  Stilllegung der neuen Anlage, solange der Businesspark nicht verkehrlich angebunden werden muss. Die FDP wollte von der Verwaltung zunächst geprüft wissen, ob die Ampel bis zur Besiedelung des Gewerbegebiets tatsächlich benötigt wird. „Richtig ist: Der jetzige Zustand dort weicht von dem ab, der kommt“, sagte Martin Schumacher, planungspolitischer Sprecher der Liberalen. Bei den Untersuchungen zu dem Knotenpunkt sei von einem zukünftigen Szenario ausgegangen worden, bei dem Hunderte Autos in kurzer Zeit bewältigt werden müssten. „Mir hat seinerzeit eingeleuchtet, was die Gutachter gesagt haben“, so Schumacher.

Eben diese Gutachter  hatte Kloevekorn harsch kritisiert. Er frage sich, ob sie tatsächlich ergebnisoffen überlegt hätten oder ob es nicht doch eine mächtige „Ampellobby“ gebe, so der Christdemokrat am Sonntag in seiner Ansprache. Zu jedem Gutachten gebe es auch eine Gegenposition. Man müsse nur den Gutachter wechseln und ihn bezahlen, hatte es bei Kloevekorn geheißen. Eine Rede, die wiederum Schumacher zu Kritik reizte: „Ich finde, was der Stadtpräsident da abgelassen hat, ist jenseits der Grenzen, die er, der übrigens selbst der Ampel zugestimmt hat,  in seiner Funktion einhalten müsste. Ich weiß nicht, was der Stadtpräsident geraucht hat, aber es war schlechtes Zeug.“

Ausschusschef Michael Schernikau (CDU) erklärte: Kloevekorn habe ein Beispiel dafür gebracht, an welcher Stelle er sich mehr eigenverantwortliche Aufklärung gewünscht hätte. „Ob er dabei den richtigen Ton getroffen hat, sei dahingestellt. Aber das sei ihm zugestanden.“ Bürgermeister Niels Schmidt (parteilos) sagte: Auch er habe Gespräche mit vielen Bürgern geführt, die einen Kreisel bevorzugt hätten. Letztlich sei das auch eine „Glaubensfrage“, aber es gebe für Untersuchungen verkehrsgutachterliche Instrumente. „Ich habe solche nicht. Und ich bin auch schon in Kreiseln gefahren, die nicht funktionieren.“ Theoretisch könne man den Beschluss ja noch revidieren, so Schumacher. Angesichts der öffentlich geäußerten Kritik aber plädiere er dafür, das Gutachten, das dem Ampelbau zugrunde liegt, auch schnell öffentlich zu diskutieren.

Bauamtschefin Gisela Sinz-König fasste darauf  kurz die zentrale Position aus der Untersuchung  des Verkehrsplanungsbüros Argus von 2012 zusammen: Ein Kreisel können den Verkehr lediglich bewältigen, wenn die Arme ähnliche Verkehrsströme haben. In den Morgenspitzen sei dies nicht der Fall. Während Autos dann im westlichen Arm über eine Minute bis zur Einfahrt warten müssten, würde die Zeit in anderen Armen nur zehn bis 20 Sekunden betragen. „Die Ampel soll den zukünftigen Verkehr abwickeln. Jetzt sieht das vielleicht noch überdimensioniert aus“, so Sinz-König.  Die Ampel sei  für ein Gewebegebiet geplant, und man werde die Situation dort wohl erst in ein paar Jahren richtig bewerten können. „Vielleicht ändert sich dann die Meinung.“

Die Frage von Grünen-Fraktionschef Olaf Wuttke, ob bei den Verkehrsströmen eine Verbesserung der ÖPNV-Anbindung für das Gewerbegebiet berücksichtigt worden sei, beantwortete Schernikau aus der Erinnerung mit Ja. „Und ich habe keinen Zweifel, dass die Entscheidung wieder so getroffen würde“, so der Ausschusschef.

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