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„Schluss mit Eiertanz ums Kraftwerk“ : Bleibt das Kraftwerk in Wedel bis 2021 am Netz?

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Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Der BUND Hamburg fordert eine „klare Ansage des Senats“. Hamburgs Energiesenator Jens Kerstan (Grüne) hält eine Laufzeitverlängerung für möglich.

shz.de von
erstellt am 30.Okt.2015 | 12:15 Uhr

Wedel | Das alte Wedeler Kohlekraftwerk könnte länger in Betrieb bleiben als bisher geplant. Eigentlich sollte die Anlage bis zum Jahr 2019 durch ein modernes Gaskraftwerk ersetzt werden. Gegenüber dem Radiosender NDR 90,3 äußerte der Hamburger Energiesenator Jens Kerstan (Grüne) jedoch Skepsis, dass dieser Zeitplan eingehalten werden kann. Möglicherweise müsse das Kohlekraftwerk noch einige Jahre länger unterhalten werden. Der NDR spricht von einer möglichen Laufzeit bis zum Jahr 2021.

Jan Dube, Sprecher der Hamburger Behörde für Umwelt und Energie, bestätigte gegenüber dieser Zeitung, dass eine Verlängerung denkbar ist: „Eines der Szenarien beschreibt  die Möglichkeit, das bisherige Kraftwerk  nachzurüsten und für eine sehr begrenzte Zeit länger laufen zu lassen, um die Versorgungssicherheit zu garantieren.“  Er betonte aber, dass dies nur eine mögliche Vorgehensweise sei. Derzeit ließe sich noch nicht sagen, welche Entscheidung gefällt wird.

Laut Vertrag mit Betreiber Vattenfall muss bis zum Jahresende 2015 beschlossen werden, wohin die Reise geht. Dube bezeichnet diese Entscheidung aber als „schwierig.“ Hintergrund für das Zögern seien Veränderungen auf dem Energiemarkt, so die Behörde. Dube sagte: „Derzeit regelt der Bund die Förderung für die Kraft-Wärme-Kopplung neu, der Strompreis schwankt und die Weichenstellungen der Energiewende sind noch nicht abgeschlossen.“ Es sei daher denkbar, dass es am Ende überhaupt kein Gaskraftwerk in Wedel geben wird. Derzeit werte man in Hamburg die Daten zum Fernwärmenetz aus, die Betreiber Vattenfall  bereitgestellt habe.   

Bliebe das Kraftwerk am Netz, müsste es ertüchtigt werden, da sich die Grenzwerte für Luftschadstoffe, Lärm- und Staubemissionen verschärfen. Vattenfall-Sprecherin Karen-Kristina Hillmer sagte: „Das Kraftwerk hat eine unbegrenzte Betriebserlaubnis solange alle gesetzlichen Vorschriften und Regelungen eingehalten werden.“ Und Vattenfall würde weiter investieren. 

Die mögliche Laufzeitverlängerung des Wedeler Kohlekraftwerks sorgt für Aufregung. Die Bürgerinitiative „Stopp! Kein Mega-Kraftwerk Wedel“ kämpft seit Jahren gegen den Bau der neuen Anlage, aber auch gegen die Lärmemissionen des bestehenden Kohlekraftwerks. Sprecherin Kerstin Lueckow kritisiert die Signale aus Hamburg: „Das klingt, als würde der Beschluss schon wieder verschoben. Wir warten seit dreieinhalb Jahren und haben ein Recht auf eine Entscheidung.“ Sie beklagt, dass Betreiber Vattenfall wichtige Daten über den Einsatz von Fernwärme zu spät an die Stadt Hamburg weitergereicht habe.

Auch Manfred Braasch, Landesgeschäftsführer des BUND Hamburg, findet in einer Pressemitteilung deutliche Worte: Der Eiertanz um das Kraftwerk müsse beendet werden. „Es bedarf eines klaren Alternativszenarios für den Ersatz des Kraftwerks, erst dann kann über einen längeren Betrieb in Wedel entschieden werden.“ Jeder weitere Monat, in dem das alte Kraftwerk laufe, sei schlecht für den Klimaschutz. Braasch äußert aus diesem Grund Bedenken, dass eine längere Laufzeit der alten Anlage bereits jetzt „hoffähig“ gemacht werde. Der BUND fordert eine klare Ansage des Senats zu diesem Thema.

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