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„Wir bleiben in Habachtstellung“ : Bewegender Abschied von Absolventen, Wechslern und der Institution Förderschule

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

„Es kommt nicht darauf an, ob jemand Ingenieur, Professor oder Millionär ist, sondern dass er freundlich und offen ist und fleißig seinen Pflichten nachkommt“, gab Wedels Stadtpräsident Ulrich Kloevekorn (CDU) den Abgängern mit auf den Weg.

Wedel | Abschlussfeiern in der Pestalozzischule: Sie waren schon immer etwas Besonderes. Kaum mehr als eine Handvoll Schüler, die in quasi-familiärer Atmosphäre oft sichtlich berührt Abschied nehmen von ihren Lehrern, ihren Vertrauenspersonen, die ihnen in geschütztem Rahmen Perspektiven und Selbstbewusstsein gegeben haben. Auch gestern die ebenso gewohnte wie bezeichnende Szenerie – und doch war sie anders.

„Ich habe hier Hilfe und tolle Freunde gefunden, die man sonst selten findet. Danke für das schöne Miteinander an dieser Schule“, sagte Evelyn, die die Rede für ihre Klassenkameraden hielt, wenn die Tränen sie ließen. Sie flossen auch, als sie hinzufügte: „Und auch so einen netten Schulleiter werde ich nie wieder finden.“

Kay Jensen nahm es spürbar bewegt. Er war es während der gesamten Feierstunde im Autal 37. Evelyns Tränen – sie standen für seine eigenen, gestand Jensen. Er selbst wollte keine zeigen, wollte „nicht das Ende beweinen“, das nicht nur den Abschied von seinen Absolventen bedeutete, sondern auch das Aus für die von ihm so geliebte Förderschule. Dennoch bliebe ihm ein „verschmitztes Lächeln“, so Jensen. „Denn wir sind nicht untergegangen, sondern bleiben in Habachtstellung. Wir haben zukunftsweisende Strategien und geben das Heft nicht vollständig aus der Hand“, sagte der Schulleiter, froh über das, was bleibt: das Förderzentrum (wir berichteten).

Dort wird weiter der sonderpädagogische Förderbedarf für die Schulen in Wedel und Umgebung koordiniert und unter anderem die Schulkindbetreuung geleistet. „Hier laufen mehr Kinder rum als je zuvor. Das macht mich glücklich“, so Jensen hin- und hergerissen. Mit Blick auf seine scheidenden Schützlinge sagte er nur wenige Sekunden später: „Ohne euch wird etwas fehlen in dieser Schule.“ Sechs Neuntklässler entließ er mit Förderschulabschluss oder Abgangszeugnis in die Welt, respektive in berufsvorbereitende Maßnahmen. Drei jüngere Pestalozzi-Schüler wechseln an andere Einrichtungen in Wedel.

„Es kommt nicht darauf an, ob jemand Ingenieur, Professor oder Millionär ist, sondern dass er freundlich und offen ist und fleißig seinen Pflichten nachkommt“, gab Wedels Stadtpräsident Ulrich Kloevekorn (CDU) den Abgängern mit auf den Weg. Zudem versäumte er es nicht, Jensen und seinem Kollegium für ihre Arbeit ausdrücklich zu danken. Und konstatierte zum Aus des Förderschul-Modells: „Ich hoffe, dass die Entscheidung wieder rückgängig gemacht wird. Ich halte sie für verkehrt.“

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