zur Navigation springen

„In der Zeit anders abgebogen“ : Besuch beim Steampunk-Künstler in Wedel

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Fritz Eckert ist Steampunk-Künstler „Aeon Junopher“.Einer der führenden Köpfe der Steampunk-Maker-Szene in Deutschland.

Wedel | Drei Stunden lang suchte Fritz Eckert bei „Elektro Meyer“ nach passenden Teilen für sein nächstes Kunstwerk. Alles unter den wachsamen Blicken der Kameraleute des NDR. Denn Eckert gilt unter seinem Künstlernamen „Aeon Junophor“ als einer der führenden Köpfe der Steampunk-Maker-Szene in Deutschland. Für das Fernsehen dokumentierte das Kamerateam, wie aus Elektroschrott und -resten die besonderen Werke entstehen. „Upcycling“ nennt Eckert den Prozess. Er will aus Altem etwas Neues, Besseres und oft auch Anderes erschaffen. Seine Nische nennt der 53-jährige aus Hetlingen „Functional Steampunk“.

Designelemente des viktorianischen Zeitalters sollen dabei nicht nur optisch überzeugen, sondern auch funktionieren. „Es geht um die Ästhetik der Technik. Man muss bei einer Maschine auch spüren, wie wuchtig sie ist“, sagt Eckert, der in Hamburg sein Bauingenieursstudium abgeschlossen hat. „Es ist so als wenn man in der Zeit anders abgebogen ist. Ich nutze die heutigen Funktionen, aber die Dinge sehen anders aus“, beschreibt Eckert. Er will Dingen eine neue Funktion und Bedeutung geben.

„Bei den Dreharbeiten hatte ich keine Idee im Kopf. Ich habe auch keine Pläne. Meine Werke entstehen aus der Intuition heraus“, so der Steampunk-Künstler. Seine Lieblingsmaterialien: Kupfer, Messing, Sperrholz und Vulkanfiber – ein seit 1855 bekanntes Verbundmaterial auf der Basis von Zellstoff. „Wer mal einen Waschmaschine angeschlossen hat, kennt die roten Ringe. Das ist Vulkanfiber. Ein großartiges Material“, so Eckert, der auch eine Ausbildung zum Tischler abgeschlossen hat.

In seiner Werkstatt entstand unter den Augen der Fernsehleute ein Hörbuch. „Ich spiele oft mit den Begriffen“, sagt Eckert. In ein altes Buch baute er einen MP3-Player und einen Lautsprecher ein. „Es kann aber auch nur einen Titel abspielen“, so Eckert. Passenderweise „Toller Dampf voraus“ des britischen Fantasy-Kult-Schriftsteller Terry Pratchett.

„Das Interesse für alte Technik und Mechanik war schon immer da, aber ich wusste nicht, dass es Steampunk ist“, sagt Eckert. 2011 saß das Mitglied der Frewilligen Feuerwehr Hetlingen am Küchentisch und bastelte aus Verbindungsstücken einen Leuchtturm. Seine Tochter stellte fest: „Das ist ja Steampunk.“ „Von da an hatte das Kind einen Namen“, so Eckert. Sein Traum: Einmal einen VW Käfer oder einen Oldtimer umbauen. Oder einen ganzen Raum gestalten. „Vielleicht wie das Labor von Professor Rotwang in Metropolis. Mit ganz vielen Schalttafeln und Lampen“, sagt Eckert und seine Augen strahlen.

Doch als nächstes ist ein Buch geplant. „Der Franzis Verlag hat angefragt und natürlich wollen wir das gern umsetzen“, sagt Eckert. Wir sind seine Mitstreiter „Telemann von Phone“, „Horatius Steam“, „Leander Lavendel“, „Titus Timeless“ und „Remington Brass“.

Gewandung: So tritt „Aeon Junopher“ bei offiziellen Anlässen auf.
Gewandung: So tritt „Aeon Junopher“ bei offiziellen Anlässen auf.
 

Hobby sei es für Eckert schon lange nicht mehr. Er sprich selbst von Kunst: „Die beginnt, wenn man seine Werke ausstellt und eine Botschaft transportiert. Und natürlich, wenn andere sich dafür interessieren und die Stücke kaufen wollen.“ Wie sein Umfeld auf sein Hobby reagiert und wenn er von Zeitmaschinen und Plasmaströmen spricht? „Positiv“, sagt Eckert und ergänzt: „Seitdem sie es wissen, bekomme ich aus allen Ecken und Enden Dinge, aus denen ich etwas bauen soll. Manchmal kann ich es sogar wirklich gebrauchen.“ Dann wird es upcycelt und in einem seiner „Bautagebücher“ dokumentiert.

Steampunk hat sich seit den ersten literarischen Strömungen in den 1980er-Jahren mittlerweile zu einem eigenen Kunstgenre und einer kulturellen Bewegung entwickelt. Moderne und futuristische technische Funktionen werden dabei mit Mitteln und Materialien des viktorianischen Zeitalters kombiniert, wodurch die Technik einen Retro-Look erhält. Häufige Elemente des Steampunks sind dampf- und zahnradgetriebene Mechanik, viktorianischer Kleidungsstil und ein viktorianisches Werte-Modell, eine gewisse Do-it-yourself-Mentalität und Abenteuerromantik.
zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen