TSV Wedel : Beiträge steigen um bis zu 80 Prozent: Zukunft des Vereinsheims weiter offen

Die Mitgliederversammlung behält das Heft des Handels in der Hand. Das Vereinsheim darf nicht ohne ihre Zustimmung verkauft oder verpachtet werden.
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Die Mitgliederversammlung behält das Heft des Handels in der Hand. Das Vereinsheim darf nicht ohne ihre Zustimmung verkauft oder verpachtet werden.

Mitglieder beschließen Rettungspaket und beauftragen den Vorstand zu verhandeln.

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24. Juli 2015, 10:00 Uhr

Wedel | Die Mitgliedsbeiträge des Wedeler TSV steigen um bis zu 79 Prozent. Der langjährige Vorsitzende Jürgen Brenker legte sein Amt aus familiären Gründen nieder. Matthias Dugaro wird den Verein bis zur nächsten ordentlichen Hauptversammlung führen und der Vorstand wurde beauftragt, den Verkauf oder die Verpachtung des Vereinsheims voranzutreiben. Eine finale Entscheidung über das Vereinsheim sollen allerdings die Mitglieder fällen. Das sind die Ergebnisse der fast fünfstündigen außerordentlichen Mitgliederversammlung des Wedeler TSV.

Mit 50 Minuten Verspätung ging es los – zwischenzeitlich waren Stühle und Stimmkarten ausgegangen. Insgesamt 257 stimmberechtigte Mitglieder waren in die Sporthalle an der Bekstraße gekommen. „Ich gebe heute eine Status- und keine Ursachenanalyse. Diese würde uns nicht weiterhelfen. Wenn sich der Verein wieder in einem ruhigen Fahrwasser befindet, können wir alles aufarbeiten“, sagte Sven Behrendt, kommissarischer Leiter für Finanzen. „Nachdem ich die Aufgabe hier übernommen hatte, war schnell klar, dass kein Geld mehr da ist“, sagte Behrendt. Durch Mitgliedsaustritte würden dieses Jahr weitere 31.600 Euro fehlen. Zudem hätte ein Sponsor seine Zusage über 10.000 Euro zurückgezogen.

Bevor er die aktualisierten Zahlen präsentierte, bat er: „Ich bin nur der Bote der Nachricht und hoffe, Sie köpfen mich nachher nicht dafür.“ Statt eines Gewinns in Höhe von 650 Euro, der auf Hauptversammlung im März den Mitgliedern präsentiert worden war, hatte Behrendt einen Verlust von 86.450 Euro für das Jahr 2015 errechnet. Derzeit seien keine liquiden Mittel mehr vorhanden. Auch die Gelder aus den Abteilungen seien bereits abgezogen worden. Zudem wurden Spartenbeiträge nicht gezahlt und Rückzahlungen von internen Krediten und Termingeldern seien nicht mehr möglich. „Wir haben erstmals auch signifikante Außenstände bei Lieferanten“, erläuterte Behrendt. Diese lägen bei 22.500 Euro. Gesamtsumme der Verbindlichkeiten: 146.490 Euro. Sollten die Beitragserhöhungen sowie Spendensammlungen nicht greifen, müsse der Verein im September laut Behrendt den Insolvenzantrag stellen.

Das Problem des TSV: Das eigene Vereinsgelände. „Der Wedeler TSV kann sich bei der aktuellen Mitgliederzahl keine eigene Immobilie leisten“, so Behrendt. 107 Prozent der Einnahmen würden derzeit für Gebäudekosten und das notwendige Personal wie Hausmeister ausgegeben. 45 Prozent für die restlichen Personalkosten. „Diese sind sogar unterdurchschnittlich“, sagte Behrendt. Derzeit gäbe der Verein für jeden eingenommenen Euro einen Euro fünfzig aus. Eine Finanzierung über Kredite sei ausgeschlossen. „Es ist uns schlichtweg nicht möglich, jemanden, der Zins und Tilgung nicht zahlen kann, weiter zu kreditieren“, stellte Sparkassen-Vorstand Marc Cybulski klar und ergänzte: „Wir stehen zu diesem Verein, aber wir müssen ihn in die Lage bringen, dass wir ihm helfen können.“

Dafür soll der Verkauf oder die Verpachtung des Vereinsheims sorgen. Derzeit lägen zwei Kaufangebote in Höhe von 315.000 und 400.000 Euro vor. Das geringere Angebot soll einer der Geldgeber der Sportsbar „Highlight“ unterbreitet haben. Zum zweiten Angebot durfte sich Behrendt nicht äußern: „Auch wenn die Spekulationen jetzt losgehen, kann ich Ihnen sagen, dass es ein Mitglied ist, das dem Verein sehr nahe steht.“ Darüber hinaus gebe es ein Angebot für eine Verpachtung des Vereinsheims. Der Wedeler TSV würde in beiden Fällen Mieter werden. Eine Übernahme durch die Stadt sei derzeit unwahrscheinlich, aber eine weitere Option. Wie die Verwaltung auf Anfrage dieser Zeitung mitteilte, war am Mittwoch ein Gutachter vor Ort, um den Wert des Gebäudes zu ermitteln. Mit Ergebnissen werde binnen zwei Wochen gerechnet.

Die Mehrheit der TSV-Mitglieder stimmte nach ausgiebigen aber sachlichen Diskussionen dafür, den Vorstand zu beauftragen, einen Verkauf oder eine Verpachtung des Gebäudes vorzubereiten. Das letzte Wort wollten aber die Mitglieder behalten, denn die finale Entscheidung soll nicht wie geplant im Vereinsrat, sondern in einer Mitgliederversammlung fallen.

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