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Wedel ehrt Künstler : Barlach – von Staub keine Spur

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Neuer Bildband soll das Image des Wedeler Künstlers modernisieren. Zirka 10000 Euro haben die Rolandstädter beigesteuert.

Zu verstaubt und kirchlich sei das Image, welches der Künstler Ernst Barlach im norddeutschen Raum habe, so Heike Stockhaus, Geschäftsführerin des Wedeler Ernst Barlach Museums und Kuratorin der zugehörigen Gesellschaft. „Dabei ist er aktueller denn je“, sagt sie. Und möchte mit einem frisch gedruckten Bildband vor allem eines: das Image entstauben. Das ist sichtlich gelungen. Auf 285 Seiten wird Barlach zu seinem 75. Todestag auf erfrischend leichte Art porträtiert. Dennoch wird man dem Expressionisten gerecht. „Ich kann mit Stolz verkünden, dass es so ein gutes Buch über Barlach noch nie gab und nie wieder geben wird“, sagte die Museumsleiterin jetzt bei der Pressevorstellung. Zumindest zu ersterem lässt sich zweifellos zustimmen.

Gemeinsam mit dem Fotografen Bernd Boehm konzeptionierte Stockhaus das Werk. Beide sind Barlach-Profis: Boehm setzte sich unter anderem in seinem 2006 veröffentlichten Film „Ernst Barlach – Mystiker der Moderne“ mit dem Expressionisten auseinander.


Der Fotograf kniet nicht vor Barlachs Erbe nieder


Der Film war auch bei den Filmfestspielen in Montreal, Kanada, vertreten.

Boehm arbeitete 20 Jahre als Werbefotograf in Amerika und hatte die Top-Models dieser Welt vor der Linse. Für das Buch lieferte er die Bilder und hatte die Gestaltung im Blick. Stockhaus schwärmt von der „Chance, mit Boehm einen Fotografen zu haben, der nicht vor dem Erbe Barlachs niederkniet, sondern sich seiner annimmt.“ Sie selbst kümmerte sich um Archivmaterial und verfasste die Texte für den Bildband. Stockhaus studierte Germanistik, Philosophie und Kunstgeschichte. Seit Eröffnung des hiesigen Museums 1987 arbeitete sie insbesondere zum plastischen, grafischen und literarischen Schaffen des Künstlers.

Boehm hat die Barlach’schen Skulpturen an ungewöhnlichen Orten inszeniert. In der Natur sowie vor moderner Architektur. Das war mit Genehmigung der Ernst Barlach Gesellschaft möglich. Mit seinen Fotografien schuf er Farb- und Bildkompositionen, die einen anderen Blick auf den Künstler ermöglichen. Verwendete Zitate Barlachs sind mit Bedacht ausgewählt. Und Helmut Schmidt, nach eigener Aussage schon als Schüler beeindruckt von expressionistischen Malern, verfasste ein Geleitwort. Das Werk ist hochwertig – auch der Druck mit matt lackierten Seiten.

Ursprünglich sollte es im Oktober 2013 erscheinen, der Wedeler Künstler starb am 24. Oktober 1938. Jedoch mussten noch Fördergelder eingesammelt werden, und das Konzept sollte bis ins letzte Detail stimmig sein. 16 500 Euro sind von Stiftungen und Bürgern zusammengekommen. Rund 10 000 Euro davon direkt aus der Rolandstadt. Vor allem die ehemalige Stadtpräsidentin Sabine Lüchau habe das Projekt unterstützt. „Ohne sie wäre das nicht möglich gewesen“, so Stockhaus.

Beim Blättern durch das Buch lassen die Bilder staunen, die Texte sind informativ und kurzweilig. Von Staub keine Spur.

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