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Wedel-Schulauer Tageblatt

22. September 2017 | 20:50 Uhr

Kompaktkursus : Baden jenseits der Kulturgrenzen

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Wedeler TSV bietet in Sommerferien Schwimmkurse nur für Frauen an. Integration und Autonomie werden gefördert.

shz.de von
erstellt am 29.Jun.2017 | 12:00 Uhr

Wedel | Schon jetzt ist die Warteliste lang. Insgesamt 18 Frauen haben ihr Interesse bekundet. „Und das alles nur durch Mund-zu-Mund-Propaganda. Die Flyer verteilen wir noch“, berichtete die Integrationslotsin des Wedeler Turn- und Sportvereins (TSV), Petra Kärgel. Der neue Kompaktkursus zum Schwimmenlernen nur für Frauen trifft auf eine hohe Nachfrage. Gemeinsam mit dem Türkischen Elternbund Wedel und der Gleichstellungsbeauftragten der Rolandsstadt, Magdalena Drexel, wurde das Angebot auf die Beine gestellt. „Das Projekt richtet sich vor allem an Frauen mit Migrationshintergrund und Flüchtlinge – aber jede, die schwimmen lernen will, ist willkommen“, erläutert Kärgel.

Ziel sei es, innerhalb von zwei Wochen Grundlagen zu vermitteln.„Darüber hinaus wollen wir auch die Integration und die Autonomie der Frauen stärken“, ergänzte Wedels Gleichstellungsbeauftragte Drexel. Durch den gemeinsamen Sport wolle man nicht auf die Kulturgrenzen schauen, sondern gemeinsam lernen, erläuterte sie. „Das Wissen, was die Frauen sich aneignen, stärkt das Selbstbewusstsein“, ergänzte Drexel. „Für viele Frauen ist es besonders wichtig, Schwimmen zu können. Sie wollen sich sicher fühlen, wenn sie mit ihren Kindern am Wasser sind“, betonte Aysen Ciker, Vorsitzende des Türkischen Elternbundes.

Viele Frauen seien mit diesem Thema bereits auf sie zugekommen. „Seit 2010 bieten wir einen Kursus an – allerdings ist der nur einmal die Woche. Und schon da war die Begeisterung groß“, berichtete Ciker.

Schwimmen ohne Scham

Für alle drei sei es wichtig, den Frauen einen geschützten Raum anzubieten, sich auszutauschen und Kontakte zu knüpfen. „Es geht darum, ganz ohne Scham und das Gefühl, beobachtet zu werden, ins Schwimmbad zu gehen – egal mit welchem kulturellen Hintergrund“, sagte Drexel.

Deshalb habe man sich auch bewusst für Schwimmunterricht in den Abendstunden entschieden. „Die Kurse finden nach den regulären Öffnungszeiten in der Wedeler Badebucht statt“, sagte Kärgel. Es sei nicht umsetzbar, die Öffentlichkeit etwa durch das Abhängen von Fenstern oder das Aufstellen von Trennwänden auszugrenzen. „Aber durch diesen Kompromiss haben wir die beste Chance, unter uns zu sein“, ergänzte sie.

Während der Kurse gebe es zwei Übungsleiterinnen, die die Grundlagen des Schwimmens an die maximal acht Teilnehmer pro Kursus vermitteln werden. „Wir würden uns über jedes ehrenamtliche Engagement freuen“, betonte Drexel. Man sei noch auf der Suche nach ehrenamtlichen Dolmetschern, die die Anweisungen und Tipps der Kursusleiterinnen übersetzen würden. „Da werden wir mit Englisch und Deutsch nicht alles schaffen können“, sagte Ciker.

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