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Wedel-Schulauer Tageblatt

21. August 2017 | 06:48 Uhr

Wedeler Au : Bach-Idyll zerstört

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Mit schwerem Gerät wurde die Wedeler Au am Rissener Klövensteenweg ausgebaggert – dort, wo erst 2013 der Nabu mit zirka 100 freiwilligen Helfern das Bachbett renaturiert hatte. Seinerzeit wurde neuer Lebensraum für Tiere und Pflanzen geschaffen – er ist zerstört, auf einer Länge von 130 Metern. Ein Eingriff, der ohne Genehmigung erfolgte, wie das zuständige Bezirksamt Altona auf Anfrage dieser Zeitung erklärte. Der Nabu Hamburg hat bereits Strafanzeige gestellt.

„Ich bin fassungslos. So etwas ist an Böswilligkeit kaum zu überbieten. Das zeugt von einem hohen Maß an krimineller Energie.“ Bernd Quellmalz klingt merklich erbost am Tageblatt-Telefon. Zorn, in den sich Ratlosigkeit mischt: „Wer hat denn bloß so einen Hass auf die Natur?“ fragt der Pressesprecher und stellvertretende Geschäftsführer des Nabu Hamburg angesichts der Bilder am Lauf der Wedeler Au in Rissen. Bilder der Zerstörung – dort, wo der Nabu mit Hilfe von fast 100 Freiwilligen erst im vergangenen Jahr ganze Aufbauarbeit geleistet hatte.

Rückblick. An zwei Tagen bauen engagierte Naturschützer so genannte Strömungslenker und Kiesbänke ins Bachbett östlich des Klövensteenwegs ein. Mit Genehmigung des Bezirksamts, finanziert von der Hansestadt selbst. Um die Wedeler Au ökologisch aufzuwerten und einen neuen Lebensraum für Fische, Amphibien, Kleinstlebewesen, Pflanzen zu schaffen, wie Quellmalz erklärt.

Rätselraten um Täter und Motivation

Der ist jetzt zunichte gemacht macht worden. Gezielt, mit schwerem Gerät. Auf einer Länge von rund 130 Metern hat laut dem Nabu-Mann ein Spezialbagger zur Gewässerunterhaltung die eingebrachten Äste und den Kies ausgeräumt. Stellenweise wurden das Flussbett vertieft und die Uferböschung weggerissen. Tatzeit mutmaßlich irgendwann Anfang vergangener Woche.

Wer dahinter steckt, ist Quellmalz ebenso ein Rätsel wie die Motivation: „Wir sind ratlos. Zumal wir nur im Bachbett und nicht auf den Nebenflächen gearbeitet haben.“ Klar ist dagegen für den Nabu-Sprecher: „Wir sehen hierin den Tatbestand der unbefugten nachteiligen Veränderung von Gewässern nach dem Strafgesetzbuch erfüllt und werden nicht ruhen, bis die Täter bestraft sind.“

Der Nabu hat Anzeige gestellt – und womöglich bleibt er nicht allein. Auf Anfrage unserer Zeitung sagte gestern Kerstin Godenschwege, Pressesprecherin des Bezirksamts Altona: „Auch wir prüfen derzeit eine Strafanzeige.“ Denn eine notwendige Genehmigung für eine solche Ausbaggerung habe das Amt nie erteilt, sagt Godenschwege. Und Hamburg hat nicht nur Segen und Geld für die Renaturierung gegeben. Die Stadt sei gemäß Pflegeplan nach EU-Wasserrahmenrichtlinie zu solchen Maßnahmen angehalten, so die Pressesprecherin. Bedeutet: Der Bachabschnitt muss nun erneut bearbeitet werden. Wie hoch der finanzielle Schaden ist, konnte sie noch nicht beziffern.

Um den „Generalangriff auf die Natur und an der Wedeler Au“ aufzuklären, sammelt Quellmalz Fotos und Zeugenaussagen. Mögliche Hinweise nimmt er per Mail unter wedelerau@nabu-hamburg.de entgegen.

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erstellt am 25.Feb.2014 | 16:00 Uhr

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