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Schlichtungsversuch in Hetlingen : AZV informierte über Umbaumaßnahmen im Klärwerk

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Hitzige Diskussion um den Gestank: Der AZV informierte über Umbaumaßnahmen im Klärwerk, Hetlinger Bürger äußerten ihre Bedenken.

Hetlingen | Knapp 60 Hetlinger hatten sich Mittwochabend auf den Weg in die Mehrzweckhalle gemacht, um vom AZV Südholstein Details über die anstehenden Baumaßnahmen am Klärwerk zu erfahren. Ihre kritische Wissbegier war so groß, dass den Informationsvorträgen von Dr. Julia Weilbeer und Hilmar Poschmann eine überaus lebhafte Diskussion folgte, die Roland Krügel als amtierender Vorstand und Vorsitzender des AZV-Verwaltungsrats souverän leitete.

Weilbeer, Produktionsleiterin, veranschaulichte, was ab Mitte April in der dann beginnenden ersten Bauphase auf die Gemeinde Hetlingen zukommt. Projektleiter Hilmar Poschmann erklärte den Zeitplan der einzelnen Maßnahmen und ging besonders auf die aufwendigere zweite Bauphase ein, die das Vorhaben bis 2018 vollenden soll. „Das ist nicht unser erstes Großprojekt“, spielte Poschmann die Herausforderungen der Unternehmung herunter.

Die Zielsetzungen der Maßnahmen sind größere Wirtschaftlichkeit der Anlagen, gründlichere Reinigung der Abwässer vor der Einleitung in die Elbe, Verbesserung der CO2–Bilanz durch geringeren Stromverbrauch und effektiverer Schutz vor Geruchsbelästigung dank effizienterer Abluftreinigung. All das wurde von allen Besuchern mit Beifall aufgenommen. Aber an vielen Einzelheiten gab es heftige Kritik.

Zudem offenbarte die Diskussion ein tief sitzendes Misstrauen der Bürger gegenüber den Versicherungen, dass es auch während der Bauzeit keine zusätzliche Geruchsbelästigung geben werde. Immer wieder wurden Ereignisse aus der Vergangenheit zitiert, die vielfach als Unaufrichtigkeit im Umgang mit der Bevölkerung interpretiert wurden. Krügel, der sich in seiner Rolle als amtierender AZV-Vorstand nach eigenem Eingeständnis nicht besonders wohl fühlte, reagierte manchmal heftig, wenn er sich persönlich attackiert fühlte.

Scharfe Formulierungen

Es gab auch recht scharfe Formulierungen. Ralf Hübner, Vorsitzender der Arge Umweltschutz Haseldorfer Marsch, hielt den AZV-Verantwortlichen vor: „Sie haben 15 Jahre lang den Gestank ignoriert.“ Helmut Gröne bezweifelte, dass die Gemeinde Hetlingen dem Bauantrag der AZV jemals wie vorgeschrieben zugestimmt habe. Die Bürger seien nie befragt worden. Michael Rahn von der Freien Wahlgemeinschaft Hetlingen fühlte sich überrumpelt von der seiner Meinung nach viel zu späten Ankündigung, dass es acht Monate lang kein Schutzzelt über den Gestank verbreitenden Teilen der Anlage geben werde. Corinna Lauritzen brachte mit ihrer Frage nach Auswirkungen des zu erwartenden LKW-Verkehrs zusätzliche Besorgnisse ins Gespräch.

Krügel und sein Expertenteam bemühten sich geduldig, alle Einwände zu entkräften und alle Ängste zu besänftigen. Es gab immer wieder Beifall für ihre Versicherungen. Nach zweistündigem Ringen um Klarheit machten sich die Zuhörer in der vagen Hoffnung, dass alles wirklich so glimpflich ablaufen werde, wie die AZV-Ausführungen es versprachen, schließlich auf den Heimweg. 

Erster Bauabschnitt: Ziel und Zweck der Maßnahmen: erhöhter Wirkungsgrad der Anlagen, besseres Reinigungsergebnis, Einbau modernster, energieeffizienter Maschinentechnik, Reduktion des jährlichen Stromverbrauchs um 2.000 MWh, 950 Tonnen weniger CO2 im Jahr als Beitrag zum Klimaschutz, reduziertes Abluftvolumen, effizientere Abluftreinigung und damit weniger Geruchsprobleme in Hetlingen. Voraussichtliche Kosten: rund 17 Millionen Euro plus 1,5 Millionen Euro für die Erneuerung der Abluftreinigung.
Erster Bauabschnitt ab 15. April 2015: Umbau der Vorklärung, Optimierung der Strömungsbedingungen, Verkleinerung der Anlage um die Hälfte des ursprünglichen Beckenvolumens, Erneuerung der Räumtechnik, Ablufterfassung direkt über der Wasseroberfläche, Anschluss an Biofilter zur Abluftreinigung, Umbau der Zulaufgerinne Rechengebäude, sowie Neuordnung der Gerinne zur besseren Auslastung der Anlage.
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erstellt am 27.Mär.2015 | 14:00 Uhr

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