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SHMF in Wedel : Axel Prahl begeistert im Schuppen 1

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Tiefgründige Texte, enorme Vitalität, ehrliche Musik: Axel Prahl und das Inselorchester rocken den Schuppen 1 in Wedel.

shz.de von
erstellt am 25.Aug.2014 | 10:00 Uhr

Wedel | In blauem Kapuzenshirt und verbeulten Jeans sitzt er allein auf einem Hocker in der Mitte der großen Bühne im Schuppen 1. In den Händen hält er seine Gitarre. Axel Prahl lächelt zurückhaltend. Die Halle ist ausverkauft, alle wollen den bekannten Schauspieler als Musiker erleben. Wie mag der sympathische Tatort-Kommissar Frank Thiel, der in seiner Rolle häufig so linkisch und unbeholfen wirkt, sich auf der Bühne präsentieren?

Das klärt sich schnell: Die Bühne ist sein neues Revier. Auch dort ist Prahl Schauspieler, der mit sichtbarer Freude seine Wandlungsfähigkeit unter Beweis stellt. Mal zieht er wie ein Marktschreier mit Migrationshintergrund proklamierend über die Bühne, legt wie Bushido einen Rap hin, tänzelt wie ein Balletttänzer auf seine Musikerkollegen zu oder hüpft ausgelassen wie ein Rocker mit seiner Gitarre auf und ab. Er tobt sich aus, reißt mit seiner Spielfreude einfach alle mit.

Die ersten Lacher erntet Prahl mit seiner Frage, wer sein Programm schon kenne. Wenige melden sich, erleichtert stellt er daraufhin fest, dass er dann ja die gleichen Witze erzählen kann. Lachen verbindet, macht locker. Später am Abend wird er das Publikum sogar zum Mitsingen bewegen. Zwischendurch nimmt der 54-Jährige immer mal wieder einen Schluck aus der Bierflasche: „Astra schmeckt astrein“, grinst er.

Der Schauspieler und Musiker wirkt bodenständig, ein netter Kerl mit viel Gefühl. Mit seinen tiefgründigen Texten, mal ernst, mal heiter, und seiner enormen musikalischen Vitalität beweist er einmal mehr, dass menschliche Größe nicht äußerlich zu messen ist. Prahl erzählt aus seinem Leben, lässt die Menschen teilhaben. Früher habe er am Lagerfeuer Gitarre gespielt, während die anderen Jungs mit den hübschen Mädchen knutschten. „Heute zahlen die Frauen Geld, nur um mich zu sehen“, grinst er.

Auch die Begegnung mit einer alten Dame, die ihn in der Bahn ansprach, gibt er zum Besten. „Sie sind ja viel kleiner als im Fernsehen. Kommen Sie eigentlich aus dem Osten? Von der Kleidung her, könnte das jedenfalls hinkommen.“ Der gebürtige Eutiner kann über so etwas lachen, nimmt das, was andere kränken würde, mit Humor: „Ich bin nun mal so wie ich bin.“ Genau, gut so.

Auf seiner CD „Mit Blick aufs Mehr“, die er mit dem neunköpfigen Inselorchester aufgenommen hat, sind eigene Kompositionen und Texte sowie ungewöhnlich interpretierte Werke anderer zu hören. Ob Rock, Blues, Rap, Jazz oder Chanson, jeden musikalischen Stil macht er sich zu Eigen. Er scheint nichts ernst zu nehmen, versucht alles zu brechen, gegen den Strich zu kämmen.

Prahl ist dabei vielseitig und vielschichtig. So prangert er mit leiernder Stimme in „Bla, bla, bla“ das häufig leere Gerede von Politikern an: „Das sind alles nur Worte. Atomkraft ja, Atomkraft nein. Bla, bla, bla“. Fast zart und achtungsvoll singt er dann ein Stück von Rio Reiser, den er verehrt. Auch „Vater“ vom ostdeutschen Liedermacher Gerhard Gundermann interpretiert Prahl anrührend und mit einer rauen Herzensstimme.

Man nimmt es ihm ab, wenn er von den großen Themen Liebe, Freundschaft, Abschied singt. Axel Prahl sucht den Kontakt zu den Menschen, zu seinem Publikum – und das gelingt ihm hervorragend mit seiner ehrlichen Musik.

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