zur Navigation springen

Insolvenzverfahren : Auhafen-Skipper hängen in der Luft

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Die Mitglieder des Motor-Boot-Clubs Schulau warten auf eine Antwort der Naturschutzbehörde zum Rückbau-Zeitplan.

shz.de von
erstellt am 29.Apr.2014 | 16:00 Uhr

Wedel | In der Kajüte seines neuneinhalb Meter langen Motorseglers hängt ein Messingschild mit dem Spruch „Die beiden schönsten Tage im Leben eines Seglers sind die, wenn er ein Schiff kauft und wenn er es wieder verkauft“. Ob der zweite Teil des Satzes für Willi Nuppenau tatsächlich ein schöner Tag wird, weiß der 73-Jährige selbst noch nicht genau. Eintreten wird der Tag auf jeden Fall, und zwar noch in diesem Jahr, denn der Rentner gehört zu den Mitgliedern des Motor-Boot-Clubs Schulau (MBCS), die zum Ende dieser Skipper-Saison nicht mehr auf der Elbe oder anderswo schippern werden. „Ich will mich nicht mehr um einen anderen Verein bemühen, die Arbeit am Boot ist mir zu schwer geworden“, sagt Nuppenau.

Der eigentliche Grund, mit dem Motorbootsport aufzuhören, ist für ihn jedoch die von der Unteren Naturschutzbehörde verfügte Räumung und die damit verbundene Insolvenz des Vereins: Spätestens 2016 muss der MBCS sein Domizil am Auhafen zurückgebaut und geräumt haben.

Seit der Verfügung des Kreises und der anschließenden Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts (OVG) Schleswig vom März dieses Jahres, eine Berufung nicht zuzulassen, sind der MBCS-Vorstand und die anderen Mitglieder auf der Suche nach Möglichkeiten, ihren Sport weiter auszuüben. „Wir haben Vereine in der Region angesprochen, vereinzelt sind dort noch Plätze frei, etwa in Moorrege und an der Stör, wir haben aber noch nichts Konkretes“ sagen Vorsitzender Frank Holm und sein Stellvertreter Thorsten Hammersen. Vor allem aus finanziellen Gründen sei es schwierig, denn bei einem neuen Verein müssten sich die Bootseigner in der Regel neu „einkaufen“. Dies bedeute zumeist einen Investitionsbeitrag, außerdem Kosten für die Umrüstung von Transportanhängern und Vorrichtungen für die Lagerung der Boote. „Das können viele unserer Mitglieder einfach nicht leisten“, weiß Holm.

Die Stimmung bei den MBCS-Skippern ist jedoch nicht auf dem Tiefpunkt. „Nachdem der OVG-Beschluss kam, haben wir erst einmal die Köpfe hängen lassen, jetzt sind wir aber auf Standby und warten auf eine Antwort des Kreises“, so Hammersen. Vor vier Wochen hat der Verein beim Kreis einen Plan für den Rückbau des Areals eingereicht. „Wir wollen alles, was wir mit unserer Hände Arbeit machen können, unternehmen“, sagt Holm. Dazu gehörten der Abbau der Schlengel, ein Teilabriss der Gebäude und des Spielplatzes sowie die Entfernung der „nicht landschaftstypischen Pflanzen“ wie Tannen, Koniferen und Rosenbüsche. Der Plan sieht vierteljährliche Arbeitsabschnitte vor. „Der Kreis wird das kontrollieren. Wir fangen aber erst an, wenn wir uns über den Ablauf des Rückbaus einig sind“, so Holm.

Im Herbst 2014 ist der MBCS 45 Jahre am Lüttsanddamm beheimatet. Ein Hektar des Geländes gehört dem Verein – ein wertloses Grundstück, denn das Areal ist als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Eine förmliche Genehmigung für den Betrieb eines Hafens hat es nie gegeben. Der Streit darüber schwelt seit mehr als 15 Jahren. „Wir sind stolz darauf, dass unsere Mitglieder so lange durchgehalten haben“, sagen die Vereinschefs.

Mit Eröffnung des Insolvenzverfahrens darf der MBCS keine öffentlichen Veranstaltungen wie das traditionelle Osterfeuer, bei dem der Verein auch Einnahmen hatte, durchführen. „Die Seniorenausfahrt im Sommer werden wir aber auch in diesem Jahr starten, denn die wird privat finanziert“, kündigen Holm und Hammersen an. Die Boote für die Fahrten auf der Elbe wurden am vergangenen Wochenende beim alljährlichen Aufslippen mit einem 100-Tonnen-Kran in die Wedeler Au gehievt.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen