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Haseldorf : Aufführung von Glucks „Orpheus und Eurydike“

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Hinreißende Klänge von wunderbaren Musikern: Konzertante Aufführung von Glucks „Orpheus und Eurydike“ berührt die Zuhörer.

Haseldorf | „Ach, ich habe sie verloren, all mein Glück ist nun dahin. Eurydike, Eurydike, gib Antwort!“ Spätestens bei dieser berühmten Arie im vierten Akt der Oper „Orpheus und Eurydike“ von Christoph Willibald Gluck (1714 – 1787) ließen die Zuhörer in der St.-Gabriel-Kirche in Haseldorf ihren Emotionen freien Lauf. Kirchenmusiker Jörg Dehmel bescherte seinem Publikum am Sonntag im Rahmen der Veranstaltung „Musik und Theologie im Dialog“ eine Vorführung mit hinreißenden Klängen und wunderbaren Musikern.

Gemeinsam mit dem virtuosen „Ensemble mit historischen Instrumenten“ – Britta Hinrichs (Oboe), Erdmute Ruland und Dorothea Geiger (Violine), Ulrich Meyberg (Viola), Angelika Buchholz (Viola da gamba), Ute Schildt (Violone) und Ute Dehmel (Oboe, Flöte und Cembalo)–, mit dem gemischten Chor „Cantate“ Moorrege-Appen und drei fabelhaften Solistinnen überraschte der Kantor vor dem Altar mit einer brillanten konzertanten Opern-Aufführung, die sonst auf großen Theaterbühnen stattfindet. Dazu sagte Theologin und Philologin Monika Schwinge: „Es mag verwundern, dass eine antike Oper mit heidnischem Glauben in einer Kirche aufgeführt wird.“ Aber natürlich sei die Erfahrung mit Liebe und Tod, der Überwindung des Todes und der Liebe über den Tod hinaus für das christliche Verständnis genauso wichtig.

Der Rettung Eurydikes (glänzend und mit klarem Sopran: Daniela Specker) aus der Unterwelt mit Hilfe von Zeus und Amor (wundervoll: Sopranistin Johanna Mohr), setzt die Oper die vollkommene Liebe Gottes entgegen, durch welche den Menschen ein „Horizont“ gegeben sei, so Schwinge. Dieser sei für den leidenschaftlich leidenden Orpheus (traumhaft interpretiert von der Altistin Kerrin Brinkmann) zu seiner Zeit ein ganz anderer gewesen. Um seine geliebte Eurydike aus der Unterwelt zurückzubekommen, musste er sich auf einen Handel mit den gefürchteten Göttern der Antike einlassen.

Der Komponist Gluck befreite die Barockoper aus ihrer Erstarrung, reduzierte sie auf das Wesentliche und bereicherte sie um die wahrhaftige Darstellung großer und echter Gefühle, so der Kantor. Dieser Zauber verfehlt bis heute nicht seine Wirkung. Dehmels Inszenierung begeisterte das Publikum vollkommen. Sie war eine würdige Krönung seines 30-jährigen Schaffens als außergewöhnlicher und kreativer Kirchenmusiker.

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erstellt am 07.Okt.2014 | 14:15 Uhr

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