Artenschutz: „Es ist fünf vor zwölf“

Kreuzkröten sind laut Nabu in Wedels Norden dramatisch zurückgegangen. Mit umfangreichen Renaturierungsmaßnahmen soll gegengesteuert werden.
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Kreuzkröten sind laut Nabu in Wedels Norden dramatisch zurückgegangen. Mit umfangreichen Renaturierungsmaßnahmen soll gegengesteuert werden.

Nabu: Kreuzkröte und Knoblauchkröte im Norden Wedels vor dem Aussterben / Gegensteuern durch Schaffung von Biotopen

shz.de von
03. März 2018, 16:00 Uhr

Die Zahlen, die Jörn Mohrdieck, Experte für Amphibien der Nabu-Ortsgruppe Wedel, vorliegen, sind dramatisch. 1995 zählte der Naturschützer im Norden Wedels noch rund 5000 Kreuzkrötenmännchen, die mit ihren Rufen Weibchen in der Paarungszeit anlockten. Heute sind es gerade mal 25. Auch die Zahlen für die noch seltenere Knoblauchkröte alarmieren: Satt 300 so genannten Rufern, die vor gut 20 Jahren zu hören waren, sind es laut Mohrdieck nur noch gut zehn.

Beide zählen zu den 13 Amphibienarten, die im Anhang IV der FFH-Richtlinie gelistet und nach Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt sind. „Es ist fünf vor zwölf“ sagt der Wedeler Nabu-Mann daher nicht von ungefähr. „Wenn in den nächsten drei Jahren keine entsprechenden Biotope mehr vorhanden sind, werden diese Arten im Norden von Wedel ausgestorben sein.“

Der Nabu hat es indes nicht dabei belassen, Alarm zu schlagen. Nach Gesprächen mit der Stadt Wedel und in Kooperation mit der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) des Kreises wurde in Abstimmung mit Pächter und Eigentümer eine brach liegende Kieskuhle an der nördlichen Aschhoopstwiete als neu gestaltetes, optimiertes Zuhause für Kröte und Co. ausgeguckt.

Auf einer Fläche von rund zwölf Quadratmetern soll in fünf Teilabschnitten das Areal als Lebensraum für die bedrohten Arten hergerichtet werden. Abschnitt eins steht kurz vor der Fertigstellung. In umfangreichen Arbeiten wurde eine zugewachsene Wasserfläche freigelegt und mit Mulden versehen. Binnen zwei Jahren entstehe hier ein Biotop, das die verbliebenen Tiere aufsuchen würden. Dann könnten weitere Flächen, die derzeit noch als Laichplätze genutzt werden, optimiert werden, erklärt Mohrdieck. Rund 10 000 Euro hätten UNB und Nabu in Schritt eins der Maßnahme gesteckt, so Mohrdieck. Und die Behörde habe weitere Mittel in Aussicht gestellt. Aussichten, die den Amphibien-Experten optimistisch stimmen, dass Kreuzkröte und Knoblauchkröte doch noch einen Zukunft haben im Norden der Stadt.

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