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SHMF in Haseldorf : Artemis Quartett begeistert das Publikum

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Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Beim vorletzten SHMF-Konzert in Haseldorfs Rinderstall verzauberte ein klangtechnisch ausgefeiltes Artemis Quartett das Publikum.

Haseldorf | Das Artemis Quartett mit sanften Streicherklängen von Mozart, der eiskalte Regen, der in der Dunkelheit aufs Dach prasselt – zu einem perfekten Herbstabend fehlen nur noch eine Daunendecke und heiße Schokolade – und das mitten im August. Kein Wunder, dass bei dem Konzert des weltberühmten Quartetts in Haseldorfs Rinderstall beim Schleswig-Holstein Musik Festival im Publikum vor allem Schals und dicke Jacken zu sehen waren.

Doch wenn die vier Streicher Vineta Sareika (erste Violine), Gregor Sigl (zweite Violine), Friedemann Weigle (Viola) und Eckart Runge (Cello) aufspielen, dann kommen die Klassikfans in Scharen – Regen, Kälte und unerwarteten Straßensperrungen zum Trotz.

Mozarts federleichtes Streichquartett in G-Dur KV 387 wurde von den dramatisch-unheilschwangeren, dunklen Tremoli von Felix Mendelssohn-Bartholdys Streichquartett in f-Moll op. 80 abgelöst. Geschrieben nach dem Tod seiner Schwester Fanny, begrub das schicksalsschwere Quartett Mozarts vorhergehende fröhlich sprudelnde Melodien regelrecht in Trübsinn. Den Abschluss bildete Ludwig van Beethovens Streichquartett in cis-Moll op. 131, ein Spätwerk, das ein Novum seiner Zeit war und in Form und Klang eindeutig auf die Romantik, wenn nicht fast schon Moderne verweist.

Hier überlappen sich die unterschiedlichen Eigenschaften des Komponisten: der tragisch-elegische Beethoven, der Griesgram Beethoven und natürlich der Scherzkeks Beethoven, von dem Quartett minutiös herausgekitzelt und kontrastiert. Die vier Musiker, die das gesamte Konzert stehend bestritten, präsentierten ihr klangtechnisch ausgefeiltes Spiel und ihr Gefühl für Timing. Starke dynamische Akzente standen nuanciertem „piano“-Spiel gegenüber, Emotionalität in den Adagio-Sätzen der puren Spielfreude in den zum Teil Scherzo-artigen schnellen Sätzen. Eine heterogene, lebendige, scheinbar atmende Musik war das beeindruckende Klangresultat.

Auch wenn ein Teil des Publikums direkt im Anschluss an Beethovens sieben-sätzigen Marathon aus dem Saal stürmte, bedankten sich die meisten Zuhörer artig mit enthusiastischem Applaus und Bravo-Rufen. Sie wurden mit einem Bach-Päludium als Zugabe belohnt. „Das war mal wieder ein Höhepunkt“, freute sich auch Gastgeber Udo Prinz von Schoenaich-Carolath-Schilden, der das Quartett vor Jahren – noch in anderer Besetzung – schon einmal in Haseldorf begrüßen konnte. „Das war hervorragende Musik. Das zeigt wieder, dass Musik gar keine Worte braucht.“

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erstellt am 20.Aug.2014 | 12:00 Uhr

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